Das Mündel will Richter sein – Selbstjustiz ist ein Irrweg

Schauen wie auf die Woche zurück.Vor wenigen Tagen stellte sich ein 19 Jähriger, der einen 10 Jahre jüngeren Jungen erstach. Das Verbrechen dokumentierte er via Kamera und teilte es anderen mit. Voller Stolz. Kaum vorstellbar, was in dem Kopf dieses Menschen abgeht.

Was nicht vorstellbar ist, regt nicht selten die Fantasie in Bahnen, was sonst nur LSD hinbekommt – oder Religionen, bekanntermaßen „das Opium des Volkes“.

So glaubt man im Islam, dass nach einem gottestreuen Leben ganze 72 Jungfrauen bereitstehen, die man eine nach dem anderen… Sie wissen schon, betrachten kann. Es sind nicht 74 oder 71 oder vielleicht nur 32 oder 5, die völlig ausreichen würden. Nein, nein. 72 und ja keine mehr oder weniger! Die keuschen Mädels warten dann, so Allah mir helfe, nicht nur mit Lobeshymnen singend auf den treuen Muslim, sondern auch mit einer „anregenden Vagina“. Blöd für mich.

Dabei menstruieren sie nicht, noch urinieren sie, koten oder haben sie Kinder. Ach ja, ganz und gar durchsichtig sind sie auch noch. Während man für weit aus weniger in eine Zelle aus Kunststoff befördert wird, darf man im Islam zum Gebet aufrufen.

Aber zum Kindesmörder. So wenig fassbar seine Tat sind, so sehr wohl fassbar sind die Forderung aus dem Volke. Noch voller Hoffnung postete ein Facebook User bei SPON:

„Kein Flüchtling, kein Ausländer war Täter. Es war ein Deutscher. Da wird der Shitstorm der besorgten Bürger gering ausfallen“

Von der Pietätlosigkeit des Postes einmal abgesehen: Weit gefehlt. Was während dieser Tage an krassen Posts in Facebook abgesondert wurden, habe ich in der Größenordnung noch nicht erlebt. Ich könnte mehrere Seiten füllen und wenn ich mir denen fertig wäre, könnte jeder von Ihnn mehrere Seiten füllen. Exemplarisch dafür ein paar Beiträge:

 

„Er ist kein Mensch. Er ist ein Monster. Ich hoffe, er wird vorher gefasst und getötet“ Marco F.

„Dem Kimdermörder wünsche ich unsagbare Schmerzen, körperliches Leid“ Christian W.

„Seine gerechte Strafe sind 40 Messerstiche“ Sabine F.

„Schwanz abhacken, der Drecksau ins Maul gestopft und dann auf allen Vieren kriechen lassen“ Claudia B

 

So unfassbar man die Tat empfindet, so gaga waren die Reaktionen. Die Menschen waren so hemmungslos, dass sie in der Regel mit Klarnamen posteten, begleitet von hunderten Likes und zustimmenden Kommentaren. Am Anfang der Selbstjustiz steht oft die Entmenschlichung des Täters. Kein Mensch sei er, daher muss man ihn auch nicht so behandeln. So wurden Konzentrationslager begründet.

Auch ein anderer Punkt bewegt mich. Wieso sollte ein Kind mehr wert sein, als ein Erwachsener? Oder umgekehrt: Warum ist der Mord eines 9 Jährigen schlimmer, als der eines 39 Jährigen?

„Ein Kind hat das Leben noch vor sich“ Nun, das ist erstens nur eine Vermutung und zweitens unerheblich. Denn das Leben eines 9 Jährigen ist lediglich potentiell länger, also vermutlich, als das eines 39 Jährigen. Die tatsächliche Länge ist völlig offen.

Und zweitens ist es auch eine recht krude Rechnung. Nehmen wir an, das Leben des 9 Jährigen wäre nicht nur potentiell, sondern tatsächlich länger, als das des 30 Jahre älteren. Wir fragten zu dieser Überlegung Gott nach der Länge der Existenz der beiden. Nur wenige Minuten später  erhielten wir via Steintafel die Antwort: Der 9 Jährige würde noch 66 Jahre leben und beim 39 Jährigen käme nach 51 Jahren Gevatter Tod (Gesetz dem Fall, er würde ihn nicht weiterschicken)

Nun stehen wir moralisch vor einer Unmöglichkeit. Sind 51 Jahre weniger wert als 66 Jahre? Und auf das Beispiel des aktuellen Mordes zu münzen: Ist der Mord eines 9 Jährigen schlimmer, als der Mord eines 39 Jährigen?

Was wäre, wenn Gott uns durch die Steintafel ganz andere Zahlen geliefert hätte: Der 9 Jährige würde nur noch 11 Jahre leben, der 39 Jährige aber immer noch 51. Laut der Argumentetion „Das Kind hat das ganze Leben noch vor sich“ gelte dies nun gar nicht mehr für das Kind, sondern für den 30 Jahre älteren Erwachsenen.

Wie wir auch hin und her denken, eine fiktive Macht ins Boot holen, die  uns die Lebensdauer liefert, was leider, oder zum Glück niemals der Fall sein wird: Mit rationalen Argumenten kommen wir hier nicht weiter. Es ist nicht mehr als die blanke  Emotion, die Leute zu Selbstjustizgedanken verleiten.

„Du hast ja keine Kinder, du weißt nicht, wie das ist.“ Richtig, ich habe keine Kinder. Wenn aber Eltern sein bedeutet, dass man argumentativ verblödet, bin ich recht froh, keine zu haben. Ein Richter wird auch für befangen erklärt, wenn seine Tochter ermordet wird und er sein Amt bei diesem Prozess ausüben müsste. Offensichtlich sind Eltern hier häufig  ebenso befangen.

Ein Befangener ist intellektuell und emotional gar nicht im Stande, ein gerechtes Urteil zu fällen. Intellektuell, weil er kein Richter ist, kein Maß hat und kennt. Und emotional, weil er unter Garantie über das Maß hinausschießt. Juristische Urteile werden schon oft genug als subjektiv ungerecht empfunden, wenn es eine neutrale Person spricht, die sich auf allgemeingültige Gesetze beruft. Wie gerecht kann dann ein Urteil einer befangenen Person sein, die sich auf die subjektive  Blutrache bezieht?

Wer Selbstjustiz ausübt, handelt nicht edel. Er liegt falsch und begeht eine Straftat. Eine moralische Erhöhung einer solchen Tat ist deplatziert und ein Irrweg.

 

 

Die Belege über die 72 Jungfrauen habe ich hierher: https://wikiislam.net/wiki/72_Jungfrauen#cite_note-Sunan_al-Tirmidhi_v2-21

Möge mich der Blitz beim Defäkieren treffen, wenn sich der ein oder andere Übersetzungsfehler o.a. Interpetationsirrtum eingeschlichen hat.

 

 

 

 

 

 

 

Ein Kommentar zu „Das Mündel will Richter sein – Selbstjustiz ist ein Irrweg

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s