Der Standard will doppelt sein oder: Wie Linke sich moralisch überheben  

Ich erzähle eine Geschichte. Jawoll!

Sören ist zweiter Chef der Grünen in Berlin. Er redet nicht nur. Nein. Frei nach Goethe lässt Sören den Worten Taten folgen. Klimaschutz, Abschiebestopp und Veganismus sind für den 22-jährigen nicht nur graue Theorie. Er denkt nicht nur grün. Er lebt grün. Immergrün wie eine Fichte im Spessart.

Im Studium ist er engagiert in einer linksgrünen Hochschulgruppe. Eines Tages während einer Parlamentssitzung seiner Uni kommt es zu einem Vorfall. Sören wird von fünf Rechtsextremen angegriffen und verletzt. Die Tat markiert das Ende des Sitzungstages.

Sören äußerte sich in einer großen Zeitung zu dem Vorfall. Er sei am Donnerstagabend das erste Mal im Studentenparlament aufgetreten, da er für einen Parlamentarier nachgerückt sei. „Es muss sich noch während der Sitzung rumgesprochen haben, dass ich Mitglied der Grünen Jugend bin und mich für offene Grenzen einsetze“, mutmaßt er. In einer kurzen Unterbrechung der Parlamentssitzung seien dann gegen 21.15 Uhr plötzlich mehrere ihm Unbekannte in schwarzer Kleidung aufgetaucht und haben ihn verletzt.

Ihn erinnert der Angriff an „SA-Methoden“. „Man muss davon ausgehen, dass ich nun bei denen bekannt bin – ich muss jetzt überlegen, wie ich mich über den Campus bewege“, sagt er.

Kurz darauf äußerte sich die Junge Union zu dem Vorfall; und zwar in Form von Sven Horn, Mitglied des Studierendenparlamentes und im Ausschuss gegen Links: „Grüne Jugend, solid und ideologisch verwandte Organisationen sind mit ihren Einstellungen zu offenen Grenzen, Integration und Europa; ein Hort von linken Gedankengut. Diese Form der organisierten Gleichmacherei steht gegen unsere Überzeugung  und bedeutet eine strukturelle Form von Gewalt. Wir verurteilen jede Form von Gewalt, physische wie strukturelle.

Ist Ihnen die Geschichte bekannt? Ja? Nein?

Jein.

Gehen Sie doch noch mal zum Anfang des Kommentars. Lesen Sie es und vertauschen Sie rechts mit links. Grüne Jugend mit Junge Union. Berlin mit Hamburg. Und schwupp, sind wir in der Realität. Denn genau das ist passiert.

Ich fasse den Link zusammen: Maurice ist Mitglied einer schlagenden Verbindung und stellvertretender JU Vorsitzender in Hamburg. Bei einer Sitzung wurde er von Linksextremen angegriffen und verletzt. So weit, so doof. Doch bedenklich empfand ich die Stellungnahme der Grünen Jugend. Sie werden merken, ich habe in der oben erzählten Geschichte lediglich die politische Richtung umgedreht. Ansonsten ist der Wortlaut gleich.

Svenja Horn, Mitglied des Studentenparaments der Grünen Jugend und im Ausschuss gegen Rechts macht dazu deutlich:
„Burschenschaften, Corps, und ideologisch verwandte Verbindungen sind mit ihren rassistischen, sexistischen und nationalistischen Einstellungen ein Hort von rechtem Gedankengut. Diese Form der organisierten Ungleichheitsideologie steht gegen unsere Überzeugung der Gleichwertigkeit aller Menschen und bedeutet eine strukturelle Form von Gewalt. Wir verurteilen jede Form von Gewalt, physische wie strukturelle.“

Jetzt muss ich eine Lanze brechen für die Junge Union. Ich kann mir nicht vorstellen,  dass ein JU Funktionär Gewalt in der Form relativiert, wie es Svenja Horn getan hat. Denn dem Opfer ist es am Ende scheiß egal, warum er angegriffen wurde. Gewalt bleibt Gewalt. Christian Klar ist nicht besser als Beate Tschäpe. Ja.

In einer Zeit, in der Spiegel Kolumnisten  zwar akademisch verklausuliert, merkbar aber Gewalt gegen Rechts legitimieren, läuft man Gefahr, sich in doppelte Standards zu verheddern. Und das passiert. Ganz im Slogan von Clausthaler Bier wird „nicht immer aber immer öfter“ Gewalt von links als notwendiges Übel im Kampf gegen die radikale Rechte gesehen. Zumindest aber, da die Salon- und Straßenmarxisten – per Definition –  moralisch überlegen sind, sehen sie ihre Aggression als nicht so übel.

Übel ist das Messen mit zweierlei Maß. Ein Faustschlag ist nicht besser, weil er gut gemeint ist.

Das ist der doppelte Standard, den ich meine.

Ein Kommentar zu „Der Standard will doppelt sein oder: Wie Linke sich moralisch überheben  

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