Merkels Team. Eine Besprechung. Teil I

Vor einem Jahr kommentierte ich für einen kleinen Radiosender das „Dschungelcamp“. Zwei mal in der Woche war ich Ansprechpartner für das Trash-Format und ich müsste lügen, wenn ich sagte, es hätte keinen Spaß gemacht.

Probleme ergaben sich bei den Kandidaten. Bis auf Marc Terenzi, der Tittenhilde Gina-Lisa Lohfink und, klar, Icke Hässler war mir niemand von den Herrschaften bekannt. Was dazu führte, dass ich auch während der Sendung immer wieder googeln musste.

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„hässliche Kreuzung zwischen ‚Halflife‘ und ‚breaking bad'“ – M. Ottenbacher

Ähnliches, nicht ganz so extrem jedoch,  ergibt sich beim neuen Kabinett. Mit dem Unterschied, dass ich mich, im Gegensatz zu abgehalfterten Halbpromis, im Politbetrieb durchaus auskenne. Meine Maxime ist daher völlig naheliegend: „Früher wollte ich Ökonomieprofessor werden – heute bin ich Universalexperte.“

Also möchte ich mir die alten und neuen Spitzenpolitiker einmal genauer ansehen. Beginnen möchte ich, rein chronologisch, mit der CDU.

Fangen wir ganz oben an. Kanzler ist und bleibt „das Merkel“. Klar. Noch ist die CDU nicht in der Lage gewesen oder es fehlte die Traute, sie abzusägen. Was nicht ist, kann ja noch werden, auch wenn es schwierig bleibt. Denn, das weiß ja auch der Volksmund, kann nur derjenige Fehler  machen, der tatsächlich etwas tut. Und da „Mama Merkel“, wie sie von den zahllosen Herzchirurgen liebevoll genannt wurde, die seit 2015 nach Deutschland kamen, ewig aussitzt und nicht entscheidet, kommt sie kaum in die Gelegenheit, etwas falsch zu machen. Clever.

Außer 2015. Da nahm sie ihren ganzen Mut zusammen und legte sich fest. Alleine, einsam. Ohne Parlament, ohne EU. Ohne Demokratie und ohne Grundgesetz. Wie damals in Muttis alter Heimat. „Die Mutter aller Gläubigen.“ Da war sie. Endlich wurde sie nicht nur geschätzt, sondern geliebt. Selfies wollten sie. Von ihr. Nicht die Deutschen. Aber immerhin Menschen.

Vor Jahren hatte man gescherzt, dass neben Kakerlaken nur noch die Künstlerin Cher eine Atombombe überleben würde. Heute ist man sich sicher: Angela Merkel auch.

Das Bundeskanzleramt leitet Helge Braun. Wer? Braun, Helge. Geboren vor 45 Jahren in einer zauberhaften Stadt in Mittelhessen. Eine Stadt, in der Blüte seiner selbst. Sie ist der  beste Beweis, dass Multikulti funktioniert. Die Rede ist von, der Kenner hat es bereits bemerkt, Gießen! Ja!  Das Wahrzeichen der sympathischen City ist das sogenannte „Elefantenklo“, eine Brücke von ganz besonderer architektonischen Raffinesse.

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Das hübsche Gießener „Elefantenklo“.

Helga, wie er schon mit zarten Alter von sieben gerufen wurde, war 2017 Spitzenkandidat von Hessen. Ferner ist er bis zu seiner Vereidigung und seit 2013  „Staatsminister bei der Bundeskanzlerin.“ In dieser Zeit koordinierte er auch – zwischen Bund und Länder – Merkels irre Flüchtlingspolitik. Dass die CDU in Hessen als konservativer gilt, als andere Landesverbände, ist mit Helga besiegelt. Revolte ist nicht zu erwarten – eher ein etwas kleinerer Klon von Peter Altmaier:

Merkels Riesen-Wackeldackel und JA-Sager bis über die Grenzen des Fremdschams hinaus wird Minister für Wirtschaft und Energie. Unser Altmaiers-Peter. Es gäbe so viel über den Saarländer zu sagen. Aber es würde den Rahmen sprengen und ja, da schwingt auch etwas Wörtliches mit.

Nichts neues im Verteidigungsministerium. Ursula von der Leyen. Sie füllt die Legende von Barbara Stratzmann ( auch unter dem Namen „Barbara Schmitzinger“ bekannt) mit Leben, die vor 500 Jahren angeblich 53 Kinder bekam.Die Universalbazooka von Merkel kann alles. Familie, Arbeit, Militär, Abspülen, kein Problem. Und wenn Joachim Sauer sterben sollte, wird Uschi auch Merkels Ehemann. Kriegt sie hin. Wetten?

Spannend hier wird, wie sie die völlig marode Bundeswehr sanieren möchte.

Jens Spahn eröffnet das Gesundheitsministerium neu, nachdem es unter Hermann Gröhe vier Jahre lang geschlossen war. Gut so! Denn die Baustellen sind auch hier unübersehbar. Wie geht es mit der Pflege weiter? Was machen wir mit dem Ärztenotstand auf dem Land? Warum sind unsere Krankenhäuser so verkeimt? Erschwerend hinzu kommt ein Koalitionspartner, der das Gesundheitssystem als Verteilungsplattform nutzen will.
In den vier Jahren muss Spahn ein kleines Kunststück schaffen: Möglichst wenig falsch machen; gleichzeitig aber nicht, wie sein Vorgänger unsichtbar sein und drittens an Profil gewinnen. Denn Spahn will mehr.

 

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Hier könnte Frau Karliczek geboren sein 

Bildung und Forschung schmeißt ab jetzt Anja Karliczek. Keiner kennt sie und sie selbst gibt auch zu, von dem Amt keine Ahnung zu haben. Naja. Wie heißt es in „Batman – The Dark Night“ zum Ende hin: „Manchmal ist die Wahrheit einfach nicht gut genug“. Geboren ist sie in „Ibbenbüren.“, was ein Dorf ist, sowie ein Meteorit. Ob sie hier oder dort das Licht der Welt erblickte, ist bisher nicht geklärt.

Julia Klöckner wird neue Landwirtschaftsministerin. Die Pfälzer Weinkönigin, die im Helmut-Kohl-Land zwei Landtagswahlen verloren hat, was eine reife Leistung ist, darf beweisen, dass dieses Ministerium mehr ist, als nur Symbolik. Ihr Vorgänger ist in vier Jahren exakt einmal aufgefallen und da war die Bundestagswahl schon gelaufen.

Fazit: Drei Frauen, drei Männer. Und Merkel. Politisch-Tippy-Toppy- korrekt, was ich gar nicht tragisch finde.  Angesichts eines Frauenanteils  in der CDU von knapp 30% mutet es dann doch komisch an.  Dass Parteiengeschacher vor Kompetenz geht, ist bekannt. Aber dass in der CDU  die Geschlechterfolge auch noch vor Qualifikation kommt, ist einigermaßen neu. In Zukunft und das ist nur gerecht, sollten Gefängnisse quotiert werden. 95% Männeranteil ist ein Skandal!

Eine Chance haben die Herren und Damen verdient. Doch nach Aufbruch oder Umbruch riecht das alles nicht. Eher nach einer weiteren, letzten, pomadigen Legislatur. Ein viertes Mal „Ich kann nicht erkennen, was wir hätten anders machen sollen“

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