Nicht der Jude ist pervers, sondern die Gesellschaft, in der er lebt

Ich war im Bad und hörte Deutschlandfunk.

Thema Judenhass. Es ist auch mein Thema. Ja. Ich möchte das nicht groß mit der deutschen Geschichte erklären, das tun schon so viele und interpretieren irres Zeug hinein. Zum Beispiel, dass gerade „diese Juden“ es doch besser wissen sollten, was es heißt, Menschen in Lager zu pferchen, wenn es um Gaza geht. Ja, die Lager. Was für eine Metapher. Oft kopiert, doch nie erreicht.

Waren Sie schon mal auf einer linken Demo gegen Israel und haben Sie „Seid ihr alle taub und stumm, Israel bringt Kinder um“ gehört? Ich ja. Und das sind noch die harmloseren Parolen.

Wenn ich aus der Geschichte etwas gelernt habe, dann ist es tatsächlich ein „wehret den Anfängen“. Na klar. Im Kosovo errichtete Milosevic Konzentrationslager und tötete muslimische Albaner. Mein „wehret den Anfängen“  beinhaltet Eingreifen, um größere Grausamkeiten zu verhindern.

Ja, Krieg ist schlimm. Ich war nie dabei und werde es hoffentlich auch nie erleben. Aber Appeasement, Zusehen, Reden, wenn die Sprache schon lange versagt hat und Schweigen, wenn dem Wort längst Tote folgten, ist nicht  „wehret den Anfängen“. Es ist schlicht Feigheit. Die Friedensbewegten werden auch nicht Hand in Hand mit Schwulenfahnen Bomben aufhalten.

Zurück zur Sendung vom Deutschlandfunk. Der Mann, den die Journalistin interviewte, arbeitete bei einer Meldestelle für antisemitische Straftaten in Berlin. Nach einigen Belanglosigkeiten kam es zu der Frage, warum denn gerade in Berlin so viele antisemitische Straftaten vorkommen. Der Beauftrage schwurbelte etwas von vielen Begegnungsstätten in Berlin,  vom Nahostkonflikt, der nie fehlen darf und davon, dass ja eh viele Juden in Berlin lebten.

Jawoll. Das muss es sein. Der Antisemitismus in Berlin ist deshalb so verbreitet, weil es dort so viele Juden gibt. Aber klar! Moment, da war doch was.

Vor vielen Jahren erzählte mir ein lieber Feund eine Geschichte, die wiederum seine Schwiegermutter zum Besten gab. Ihre Erklärung, warum in ihrer Heimat zu Adolfs Zeiten so viele Juden deportiert wurden, war genau die gleiche, wie die Story vom Interviewten Judenbeauftragten. Weil einfach damals viele Juden dort lebten. Halleluja!

Endlich wissen wir, warum es Dachau gab. Weil es um München so viele Juden gab. Loagen! Nach der Logik müssten ja die größte Gefahr für Juden in Israel lauern. Ob das stimmt, mag ich zu bezweifeln, vor allem wenn man sieht, dass z.b. Paris aufgrund der Gefahren des muslimischen Antisemitismus peu a peu judenrein wird. Warum? Weil sie von der Diaspora in den Judenstaat fliehen um sicher zu sein.

Einen weiteren Vogel hat Jakob Augstein abgeschossen.

Aber zunächst die Geschichte hinter dem Tweet. Zwei Jungen laufen in Berlin mit einer Kippa. Es sei dazu gesagt, dass sie im Prenzlauer Berg unterwegs waren. Sie wissen schon: Bio Markt, Helikoptereltern und Grünenwähler. Vor allem aber gut bürgerlich. Keine fünf Minuten unterwegs, kommt ein mutmaßlicher Syrer auf sie zu und beschimpft diese aufs Übelste, bis er seinen Gürtel von der Hose entfernte  und auf einen Jungen ein eindrosch. Das Opfer filmte das Ganze, wie man hier  sehen kann.

So weit, so schlimm.

Nun hat sich herausgestellt, dass das Opfer gar kein Jude war. Er war arabischer Israeli und wollte einen Selbstversuch starten, was es heißt, ein sichtbarer Jude zu sein. Er konnte nicht glauben, dass man in Deutschland als Jude nicht sicher ist und probierte es aus. Nach fünf Minuten in einem gutbürgerlichen Viertel wurde er eines Besseren belehrt.

Was twittert Jakob, der Augstein? Das, was er am Besten kann: Propaganda.

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Zunächst ist es falsch, dass man dem Opfer „Provokation“ unterstellt. Denn, was hat der Junge getan? Er hat ein jüdisches Symbol getragen. Er hat niemanden beleidigt, er hat niemanden beschimpft.

Für Augstein ist eine Kippa eine Provokation. Das kann ich nachvollziehen, da Augstein ein Antisemit ist. Wäre ich ein solcher, würden mich auch Judensterne stören, oder der Staat Israel.

Augstein ist eine Kloake. In ihm versammelt ergibt sich eine krude Mischung aus diversen Töpfen, einer ekelhafter, als der andere. Das eine ist der schlichter  Antjudaismus, den er hofiert und zu Argumenten verhilft. Das andere ist seine Paradedisziplin: Der sogenannten intellektuelle Antizioinismus.

Am Ende pressen beide ihre Haltung aus dem gleichen Loch und singen ewig das selbe Lied: Der Jud’ muss weg.

 

 

 

 

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