Der eingebildete Grüne – Habecks Abschied vom Fußvolk

Nach vier Aufführen verstarb der Moliére, noch im Kostüm des Argan, die Hauptrolle, nur wenige Stunden nachdem die Zuschauer zu seinem eigenen Stück und seiner spielenden Kunst applaudierten. „Der eingebildete Kranke“ ist besser als sein unter Schülern Ruf und ja, ich muss es wissen. Ich durfte ihn lesen.

Das Stück handelt von einem Mann, der sich allerlei Krankheiten einbildet. Ein Hypochonder, wie er im Buche steht. Eine wichtige Quintessenz des Stückes, ich fasse mich kurz, ist das Lachen über Argan. Er ist komisch und tragisch, denn verfolgt er mit seinem Spiel einen bestimmten Zweck. Er will, dass seine Tochter den Mediziner heiratet; aus rein egoistischen Motiven. Für einen Hypochonder ist es praktisch, einen Arzt in Griffweite zu haben. Vielleicht fühlt sich der eine, oder der andere Leser angesprochen.

Nun wäre es vermessen, Robert Habeck mit Argan zu vergleichen, ist doch letzterer fiktiv. Doch die Farce des obersten Grünen erinnert an die Farce von Moliére, mit dem Unterschied freilich, dass Habecks Verhalten, wenn überhaupt ganz unfreiwillig komisch wirkt. Was ist passiert?

Herr Habeck verunglückte ein Video , das Wahlkampfhilfe für seine Partei in Thüringen sein sollte. Er forderte die Grünen zu wählen, damit „Thüringen ein offenes, liberales (…) demokratisches Land wird.“ Ok. Ich denke, Thüringen ist wenigstens so demokratisch, wie Bayern, Schleswig-Holstein oder Hamburg. Und ob es weniger „offen“ sei, oder liberal, was auch immer er damit meint, oder ob Thüringen das erst werden muss, sei dahin gestellt. Ich denke ja nicht. Es ist die oft gesehene Arroganz nicht weniger Westpolitiker an die neuen Bundesländer. Der Talking Point dieser Aussagen ist: „Wir Wessis sind immerhin mit der Demokratie aufgewachsen. Ihr dagegen wart quasi Diktatoren. Also jetzt schaut mal, wie toll wir das in Schleswig-Holstein so machen. Seid mal offen, werdet grün und bunt!“

Dass Thüringen einen höheren Wohlstand erwirtschaftet hat, als viele Westländer, zum Beispiel wie Schleswig-Holstein, und dass sie inzwischen Draufzahler im Länderfinanzausgleich sind, geschenkt. Doch das interessiert den schönen Robert nicht.

Ok, werden Sie sagen, vielleicht denkt es ja nicht so im Habeck. Vielleicht hat er das ja alles nicht so gemeint. Wenn das so sei, okay, dann müsste er sich entschuldigt haben, denn Fakt ist: Menschen aus Thüringen, die offen, demokratisch und liberal sind, trifft dieses Video. Das Gute ist, Robert hat sich geäußert, in seinem Blog. Er bezeichnet zwar das Video in einem Teil als Fehler, doch dann macht er etwas anderes, für mich plumpes, für viele Medien die Offenbarung ihres neuen Heldes. Habeck eröffnet einen Nebenkriegsschauplatz, den er zu Beginn des Blogeintrages bereits mit Emotionen angeködert hat. Er macht das, was man Nebelkerzen nennt und sie werden erstaunt sein, wer sich alles beeindrucken ließ. Habeck schreibt:

Noch mal langsam: Habeck postet ein Video, das Anlass zur Kritik gibt. Ok, das passiert. Aber dies als Entgleisung dazustellen, das von Twitter ausgelöst wird, obwohl es keinen direkten Kontext zu Twitter gibt, ist nicht nur larmoyant und intellektuell armselig. Es ist auch noch feige und falsch. Es folgt der Logik der bösen sozialen Netzwerke, die aus netten Leuten wie dem Robert so böse Polemiker machen. Ich schreibe Blog seit zehn Jahren. Aber eine so weinerliche Scheiße ohne echter Selbstreflexion habe ich noch nicht ins Netz gestellt. Doch Habi hat noch nicht fertig:

Damit die Nebelkerze erst so richtig raucht, braucht es handfesten Brennstoff. Na klar. Das heißt erstens, so richtig auf die die Emo-Drüse zu drücken und die die Familie ins Spiel zu bringen, das heißt zweitens, noch Plastik ins Nebelfeuer zu werfen. Denn dann qualmt es richtig. Er, Robert Habeck, Philosoph, löscht sich aus. Also in Facebook und Twitter. So weit, so okay. Aber das genau an dem Punkt zu bekunden, als er im berechtigten Kreuzfeuer stand, als er ein Video veröffentlicht hatte, ist die billigste Art von Ablenkung seit Kevin Spacey, der im Zuge seiner Missbrauchsvorwürfe sich als schwuler Mann outete.

Die Medienlandschaft indes vertauscht Meldung mit Reaktion, genauer Reiz mit Reaktion, also Ursache mit Wirkung. So ist den ganzen Tag wenig von dem Habeck Video in den Headlines zu lesen, dafür um so mehr über sein Austritt aus Facebook und Twitter. Angesichts der Liebe von Top Journalisten zu den Grünen, sollte mich das eigentlich nicht mehr wundern. Eigentlich. Ob Tagesschau, ob Zeit, SPIEGEL oder die taz. Alle sprangen auf die S-Bahn der Eitelkeiten von Herrn H. Alle sind gleichermaßen doof.

Nicht falsch verstehen: Es ist Habecks gutes Recht, nicht mehr digital zu sein. Und wenn es dazu beiträgt, dass seine Familie in Ruhe gelassen wird, was ich bezweifle, hat er als Familienvater sogar sehr recht. Aber der Zeitpunkt ist das Problem. Und Medien sind doof genug, die Opfer-Täter Umkehr mitzumachen, um die Legende weiter zu spinnen.

Das Ende von Moliéres Stück ist übrigens, dass Argan sich tot stellt und in einer irren Zeremonie selbst zum Arzt gekürt wird. Beim schönen Robert läuft das nicht. Er wird weitermachen. Er bleibt der eingebildete Grüne. Tot stellen in sozialen Medien läuft nicht, wenn man in der Öffentlichkeit steht, selbst wenn man seine Accounts löscht. Und wenn man diese Öffentlichkeit auch noch braucht, um gewählt zu werden, dürfte das zu Problemen führen.

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