Die SPD und ihr Auftritt auf Twitter – Zwei Seiten eines Scheiterns

Jeder Halbgebildete kann eine Peitsche benutzen und andere Leute zum Gehorsam zwingen. Aber es erfordert Intelligenz und Sorgfalt, der Öffentlichkeit zu dienen. Nur einigen Leuten gelingt es, Schuhe besser und billiger als ihre Konkurrenten zu produzieren. Der uneffiziente Fachmann wird immer eine vorrangige Stellung der Bürokratie erstreben. Er ist sich völlig darüber im Klaren, daß er innerhalb eines Wettbewerbsystems keinen Erfolg haben wird. Für ihn ist die allumfassende Büro- kratisierung ein Zufluchtsort. Mit der Macht einer Behörde versehen, wird er seine Anweisungen mit Hilfe der Polizei durchsetzen.

– Mieses

Man hat’s nicht leicht – aber leicht hat’s einen.

So denkt es, ich vermute, in vielen Mitgliedern der SPD. Eine Partei, die es möglich macht, dass ob des aktuellen Spitzenpersonals sogar einen Siechmar Gabriel zurückwünscht wird, der immerhin, mal schlecht mal recht, die Partei acht Jahre lang geführt hatte. Über die nicht mehr ganz taufrische Führerin A.Nahles, weil seit gefühlt ewig in Spitzenämtern, gibt es kaum nennenswertes zu berichten, was vielleicht schon eine gute Nachricht ist. No news is good news. Und leicht hat’s einen.

Twitter zeigt oft das Es seiner User. Ich nehme mich da nicht aus. Soziale Medien schaffen die Distanz, die Menschen brauchen, um ihre Meinung, ihr Innerstes zu aktuellen Themen oder Menschen auszudrücken. Nicht, dass ich das nicht auch im „echten Leben“ täte. Jedoch ist die Hemmschwelle geringer, die Reaktionen schneller und vielfältiger. Bei aller Verwerfung, bei allen Straftaten, die stattfinden und worauf nur die Antwort mehr Personal in Polizei und Justiz sein kann, ist diese Entwicklung auf vielen Ebenen positiv. In wenig anderen Medien kann man so einer hohen Aufmerksamkeit Statements platzieren. Das schafft Gehör. Ich schrieb schon vor Wochen, dass ich diesen Zustand für einen unfassbaren Gewinn für die Demokratie halte. Und vielleicht lesen Sie diese Zeilen genau aus diesem Grund.

Twitter zeigt das Es seiner User. Auch das von Apparatschiks. Der schrieb vor einer Woche sowas:

Der Mann mit der Fliege brauchte einen halben Tag, bis er den Tweet löschte. Keine Entschuldigung, keine Erklärung. Und auch kaum Mainstream Medien berichteten darüber. Was für ein trauriger Gesell, dass der Karl bis auf Schaum vorm Mund nichts, aber auch gar nichts zu dem Thema beizutragen hat. In dem Fall hat Alice Weidel recht, was auch Lauterbach eingesehen hat, sonst hätte er den Tweet nicht entfernt.

Lauterbach ist Sinnbild einer intellektuell entkernten Politikerkaste. Während Autoren soziale Medien regelmäßig dafür nutzen, Statements mit Links zu ihren Werken zu posten, bleibt uns der schnoddrige Prof genau das schuldig. Vielleicht glaubt er, dass für ihn kraft akademischen Grad andere Regeln gelten. Doch mit zwei Ohren, zwei Augen und zwei Händen ist er Mensch, wie du und ich, für den folgerichtig die gleichen Regeln gelten. Zum Beispiel die: „Was ohne Beweise behauptet werden kann, kann auch ohne Beweise verworfen werden.“ Oder die: „Kein Applaus für Scheiße“.

Der Typ ist nur einer von vielen und ja, es gibt auch vernünftige Menschen in der SPD. Doch die hören nicht auf den Namen Chebli, Kühnert, Maas, Stegner oder Barley. Die Aufgezählten sind das fleischgewordene Scheitern einer ehemaligen Volkspartei. Sie verschrotten politische Heimat, die nie meine war, aber für viele politische Heimat ist. Sähen die genannten Krampen beim kollektiven Grabschaufeln nicht so unfreiwillig komisch aus, so müsste ich weinen. Aber so stellen sie sich dar, wie das deutsche Linkskabarett: Moralinsauer und ohne Pointe.

Und wenn man glaubt, es geht nicht mehr tiefer, kommt Katharina Barley ums Eck und zeigt dem Volk, dass ihr Nachname übersetzt nicht ohne Grund „Gerste“ heißt, eine treffliche Pflanze zur Herstellung von Stroh:

Liebe Frau Barley: In der Wirtschaft arbeiten Menschen als Inhaber, Vorgesetzte, als Angestellte, als Arbeiter, die eines gemeinsam haben. Sie sind Bürger. Zu einem solchen Ergebnis wie das Ihre kann man nur kommen, wenn man nie in der Wirtschaft gearbeitet hat. Was nicht schlimm ist, so eine Parteikarriere hat sicher etwas für sich. Doch dann tun Sie mir, ihren Wählern, also den zitierten Bürgern einen Gefallen: Reden Sie nicht über Dinge, von denen Sie nichts verstehen. Sprechen Sie mit Menschen, die in dieser für Sie obskuren und völlig unverständlichen Wirtschaft arbeiten. Und hören Sie zu. Vielleicht ja sogar über Twitter.

Dieses „Mensch vs. Wirtschaft“ ein ein Stück gelebter Marxismus im deutschen Alltag. Marx beschrieb den Kampf von Arbeit gegen Kapital, das heute mit zahllosen Vorschriften sich in unserem Arbeitsrecht wiederfindet. Frau Barley greift hier nicht nur in die sozialistische, sondern auch in die populistische Mottenkiste. Einer der beliebtesten Agitationsmittel derer ist genau das: „Wir da unten (wir ausgebeutete Bürger) und die da oben (Die Wirtschaftsbosse, die den Hals nicht vollkriegen)“. Es ist der ermüdende und repetierende Sprech von Linke, bis AfD, den nun auch die SPD entdeckt hat. Passend hierzu ist freilich auch das zum Wieselwort geframte Begriff „Profit“. Wirtschaft ist böse, Profit ist böse. Nur Apple nicht, Denn’s Biomarkt und das Amt um die Ecke, wo man arbeitet. Da gibts Kaffee und keinen Profit.

Manchmal und zum End‘ hin ohnehin, hilft es, zu zitieren, in dem Fall mich selbst:

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