„Die Moral ist kaputt“ – Über Bösmenschen, Klimagaga und Besserdeutsche

„Das ist ein freies Land“, heißt es ja gern, meist dann, wenn man etwas tut oder sagt, was einem anderen nicht passt. Nackensteaks vom Schwein auf dem Kohlegrill brutzeln, die man vorher beim Landmetzger via 150 Pferdestärken-starken SUV geholt hat, eingewickelt in einer mindestens innen mit Plastik beschichteten Papierfolie. Das ganze in einer, puh Glück gehabt, Papiertüte. Keine Ahnung, wie bei der die Ökobilanz ist, bestimmt beschissen, aber immerhin kein Plastik, das materialisierte Feindbild grünbewegter Moralfantasten. Dass sie ohne PVC und wie diese Polydings alle heißen ihren Alltag aus laktosefreier, biodynamischer, Demeter-Ziegenmilch als Melange im Fair Trade Kopi Luwak Cappuccino gar nicht bewältigen können, geschenkt. Ist der Feind erst mal geboren, erkennt man auch sei‘ Freud‘ am Leben.

„Das ist ein freies Land“, sagt dann der Bösmenschen zum Besseren, zum Besserdeutschen, der diesen Vorgang mit dem Steak kritisiert. Das Ding ist, der Böse hat völlig recht. Denn so lange Führer Habeck die grünen Notstandsgesetze nicht beschlossen hat, wird das auch so bleiben. Und wir können aufatmen. Die Konzentrationslager, die heute besser in Schuss sind, als beim Richtfest, würden die Grünen nicht wieder beleben, wie Henryk Broder richtig erkannt hat. Die CO2 Bilanz der Öfen wäre zu verheerend. Wobei das auch nur eine Frage der Mathematik ist. Je jünger man ist, desto größer wäre der potentielle CO2 Füßabdruck. Also müsste man…ich schweife etwas ab, Sie haben’s bemerkt.

Warum erzähle ich Ihnen das? Bei all dem Klamauk bleibt der Zynismus, der immer auch Bitternis transportiert. „Das ist ein freies Land“, ja, ok. Freier als Nordkorea, oder die Türkei. Doch während im Totalitarismus eine kleine Elite sagt, was zu tun ist, scheint mir, dass sich der Deutsche ganz freiwillig in die Fremdsteuerung begibt. Und so sind solche Tagesschau Kommentare nur im ersten Moment unglaublich. Tatsächlich spricht Herr Beckhardt aus, wie es in vielen Deutschen denkt. „Verbietet, ich schaff‘ es nicht allein“. Eine Studie in Selbstaufgabe und Unmündigkeit. Und Selbsthass, klar. Aber der ist im Alman fest implementiert.

Die laute Jugend, die Freitags die Zukunft sucht und am Samstag bei Starbucks sich den eben konsumierten Zara Einkauf zeigt, so scheint es, sieht es mit der Freiheit auch eher flexibel. Inlandsflüge verbieten, ey who cares, oder gleich alle Flüge so sakrisch teuer machen, dass die Unterschicht sich das gar nicht mehr leisten kann. Warum auch nicht? Luisa Neubauer war eh schon überall und falls sie ein Land vergessen haben sollte, Familie Reemtsma zahlt das schon. Ich kann den Futurekids ehrlich gesagt keinen Vorwurf machen. Es wird ihnen ja vorgelebt.

Denn wenn nicht mehr bloß vom „Klimawandel“ gesprochen wird, sondern von der „Klimakrise“, „Klimakatastrophe“, dann verstehe ich, dass Greta und Co in Panik geraten. Letztens hörte ich das Wort „Klimazid“, eine Abwandlung von“ Genozid“. Spätestens hier beginnt es, unappetitlich zu werden. Über die unsägliche Debatte eines unsäglichen linken Aktivisten, der von „Klimaholocaust“ getwittert hat, will ich gar nicht reden. So wichtig ist der Typ nicht. Aber absurd unterhaltsam. Folgen Sie auf Twitter @tomradtkede, Sie werden es nicht bereuen.

Mir geht es um das Erzählmuster dahinter, das Narrativ, wenn Sie’s so wollen. Man stilisiert ein vermeintliches Problem auf ein so hohes moralisches Podest, bis alles erlaubt ist. Es ist kein Zufall, dass der Duden exakt zwei zusammengesetzte Substantive, die mit -leugner enden, kennt. Die Moral ist kaputt. Vergleiche mit Massenmorden und das absolute Einschränken von individueller Freiheit für das große Ganze. Im Krieg und im Klimawandel ist alles erlaubt. Von der Maas bis an die Memel. Und wenn man tatsächlich glaubt und hier zitiere ich ein FFF-Aktivisten, der im vergangenen Jahr beim Tagesgespräch von WDR 5 sagte, „in fünf, oder zehn oder 15 Jahren“ wird die Welt untergehen, wenn man das glaubt, dann wird man radikal. Ist doch klar. Dann macht man keine Gefangene. Dann ist der Massenmord an Juden, Zigeunern, Homos und Andersdenkende ein Fliegenschiss. Ein „Zwischenfall der Geschichte“ würde Monstranz Sloterdijk sagen.

Wie spanne ich jetzt den Bogen von Sloterdijk zu Schweinesteaks, ohne „ad hominem“ zu werden. Hm. Ne, ich lass‘ es. Nur so viel, es hat nichts mit seiner Philosophie zu tun.

Aber es ist doch so: Die Floskel „das ist ein freies Land“ verliert im Zeitalter der Hypermoral an Bedeutung. Sie können entweder den Ablasshandel mitmachen und bei Denn’s Biomarkt überteuerte Tomaten kaufen, dann gehören Sie zu den Guten. Oder Sie gehen zum Lidl und kaufen da Ihre Paradeiser. In der Plastiktüte. Dann sind Sie nicht so gut. Sie können sich übrigens getröstet sehen: Das Nackenstesk im oben genannten Beispiel war „bio“.

Gott sei Dank.

Ein Kommentar zu „„Die Moral ist kaputt“ – Über Bösmenschen, Klimagaga und Besserdeutsche

  1. Lieber Neomarius,

    ich empfehle ein bischen Recherche um die Themen. Ein 150 PS SUV ist lächerlich und tut keinem was. Den braucht der Michel um seinen Wohnwagen oder Anhänger zu ziehen oder das Segelboot zum See und der verbraucht auch nicht wesentlich mehr Sprit wie jeder andere Kombi.

    Die SUV bei denen sich der Gedanke an die betreffende Ökobilanz Sinn macht, haben 280 – 580 PS und von denen stehen und fahren hier so viele als Statussymbol in der Republik rum, dass man es mal hinterfragen könnte.

    Also …. SUV ist nicht automatisch Umweltsau. Aber einer mit 480 PS und 18 Liter Durchschnittsverbrauch ist es ganz sicher. Schreiben sie also “ wenn einer mit seinem 480 PS starken SUV sein Grillfleisch holt “ dann versteht man sie.

    Liken

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