Der rechte Ekel – Wie der Terror in Hanau pervertiert wird

Man drückt schon mal ein Auge zu, wenn es den eigenen Verein betrifft. Ich kenn‘ das von mir und den Bayern. Was beim Fußball ein nebensächliches Ärgernis ist, weil es sich nur um eine Nebensache handelt, wird es bei der Politik ärgerlich. Und bei Terroranschlägen ekelhaft.

So wird dieser Tage ob des grausigen Anschlages in Hanau seziert, bis der Chirurg kommt. Der Täter sei ein Amokläufer gewesen, was die Sache natürlich um einiges besser macht. Auf keinen Fall war er ein Terrorist. Klar. Das können die Angehörigen sicherlich unterschreiben und bei der Beerdigung sagt dann der Bruder des einen Toten zur Mutter: „Stell dir mal vor, er wäre einem Terroranschlag zum Opfer gefallen. Da wäre er ja irgendwie ganz anders tot!“. Nicht.

Der Terrorismusexperte Peter Neumann sagt, dass der wohl psychische Probleme hatte, wie überraschend, aber er sich auch ganz klar dem rechten Spektrum gesehen hat und den Anschlag mit rechten Ideologien begründete. Leuchtgranaten wie Jörg Meuthen, dessen akademische Weihe den Wert eines durchschnittlichen Pennystocks inne hat oder Bjön aka Landolf Lanig Höcke springen genau auf diesen Zug und es ekelt mich nur noch an.

Die Taktik auf das Oberstübchen des Täter aus dem vermeintlich gleichen Lager zu setzen, wenn dieser mal wieder ausartete, ist nicht neu. Das kennt man von Anschlägen von Muslimen oder Linken. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Und der kleine Neonazi mit Waffe war dann halt psychisch krank und wusste nicht was er tat. Vielleicht war es ja wirklich so. Aber die gleichen würden das Argument beim nächsten islamischen Terroranschlag niemals durchgehen lassen. Je nach Einzelfall auch völlig zurecht. Nur dann bitte auf allen Seiten.

Eigentlich wundert mich, dass das bekannte Argument „ja aber im Straßenverkehr sterben viel mehr mehr Leute“ noch nicht gefallen ist. Das nutzen Leute mit besonderes hoher emphatischen Kompetenz, oder ohne Ironie, Menschen mit Herzen aus Holz.

Mit dem „es war ein Amoklauf“ Argument versucht AfD den Fall unpolitisch zu machen, damit keine ideologische Ähnlichkeiten aufkommen. Und es klingt auch erst mal formal richtig: In dem Manifest des Täters kommt das Wort AfD nicht vor. Dennoch bedienen Teile der AfD rechte Verschwörungstheorien, wie Umvolkung, Antisemitismus oder Antiamerikanismus, was auch in des Terroristen Pamphlets enthalten ist. Es ist gar nicht zu trennen: Extremismen funktionieren nur mit Verschwörung, da ein so starker kratischer Eingriff in das Individuum nur mit extrem krassen, unzumutbaren Zuständen gerechtfertigt werden könnte.

Richtig ist aber auch, dass die AfD nicht Hauptverantwortung trägt. Um Wahnsinnstaten bedarf es mehr, als Wahnsinnsworte. So trägt der unsägliche Elmar Brok auch keine Schuld, dass der Bundessprecher der Werteunion wegen Bedrohungen zurückgetreten ist, weil er seine Organisation mehrfach als „Krebsgeschwür“ bezeichnet hat, das „entfernt“ werden muss. Schrecklich war seine Aussage trotzdem.

Und so muss man über die ideologische Nähe von AfD zu rechten Terror reden, unbedingt sogar. Aber bitte ohne Schuldzuweisungen, wie es Ralf Stegner und viele andere tun. Die AfD hat nicht geschossen, sie war nicht Thema in den Gedanken des Täters. Der beste Kampf gegen die AfD ist „was wäre wenn“. Was passiert, wenn die AfD an die Macht kommt? Das ist wesentlich wirksamer als die Nazikeule, die, nebenbei bemerkt, die echten Nazis ziemlich weiss wäscht.

Gegen Terror hilft nicht reden oder Sozialarbeit, oder Umarmungen. Was wirklich wirksam ist und was Freiheitsrechte nicht über Gebühr einschränkt, weiß ich nicht. Was ich weiß, dass diese Vereinsmeierei zum kotzen ist. Bei den Bayern geht es noch, Fußball ist eine Nebensache. Aber politischen Extremismus, der Tote fordert, unterschiedlich zu behandeln, weil einem die eine Ideologie näher erscheint, ist problematisch. Für den Linken war die RAF notwendiges Übel, trotz vieler Tote. Manch ein Muslim stört sich nicht übermäßig ob Anschläge und für den Rechten war der Attentäter von Hanau ein psychisch gestörter.

Es ekelt nur noch. Ich hoffe, dass die Angehörigen irgendwie weiterleben können. Ich weiß von Erzählungen, wie in Nürnberg über Jahre ein ganzes Viertel wie gelähmt war, als in Franken das große Schlachten des NSU begann. Ich hoffe, es geht für sie weiter, an einem Punkt, an dem es kaum weitergehen kann.

Was eine Traurigkeit, was für ein Verbrechen.

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