Julians Coronatagebuch – Teil 11 – Diese Freiheit und der larmoyante Lügenadvocat

Es ist die Zeit der starken Führer und allein das empfinde ich als unangenehm. Und dann auch noch der Söder…. ja, ne. Der macht schon, und das meine ich 100% metaphorisch, eine gute Figur. Und so sehr ich das Auftreten „meines“ Ministerpräsidenten in den Wochen schätze, so zunehmend unbehaglich wird es in mir, je länger freiheitsraubende Maßnahmen – gefühlt ohne Opposition – andauern. Verstehen Sie es richtig: Wahrscheinlich sind die Maßnahmen sinnvoll und auf eine Wette, welche Strategie wohl am effektivsten ist, darf sich kein Politiker einlassen. Wir werden in Jahren schlauer sein, ob der Weg der Asiaten, der unsere oder der sogenannte 3.Weg (ist das nicht eine Sekte?) aus Schweden fruchtet. Zu den 80 Millionen Virologen, von denen 40 Millionen die Existenz dieses Berufes vor 8 Wochen noch gar nicht kannten, zähle ich mich nicht.

Und ja, vor einigen Jahren war mir Datenschutz nicht sehr wichtig. Das hat sich verändert. Datenschutz macht Privatsphäre erst möglich und Privatsphäre ist, neben der freien Rede und der Schutz des Eigentums die prominente liberale Säule. Auch wenn besondere Zeiten Einschränkungen erfordern, so müssen bei solchen krassen Entscheidungen mindestens drei Dinge berücksichtigt werden

1. Gibt es schonender Alternativen, so müssen diese eingesetzt werden.

2. Inwieweit ist der Verlust der Freiheit verhältnismäßig?

3. Gibt es eine Exitstrategie, ein Zeitplan, wie lange die Maßnahmen anhalten?

Was die Ausgangssperren angeht, ist mindestens Punkt 3 nicht vorhanden. Aber auch Punkt 1 kann durchaus in Frage gestellt werden, wo wir beim Datenschutz sind, der in Deutschland völlig zu recht einen hohen Stellenwert genießt. Aber wir sind in einer Zeit angekommen, wir sind in einer Krise verhaftet, die im Wortsinn präzedenzlos ist. Sie war noch nie da. Man muss temporär, was mit den Beschränkungen aktuell getan wird, rechtsstaatliche Prinzipien aufweichen, um Sicherheit zu gewähren. Glauben Sie mir, dieser Satz schmerzt mir beim Schreiben und redigieren.

Es ist nicht die Zeit der dogmatischen Befindlichkeiten und der ideologischen Gräbenkämpfe. Und, wie erwähnt, ich würde mir nie anmaßen, zu wissen, welche Maßnahmen die wirksamsten sind. Dafür haben die Experten noch zu wenige Informationen. Aber eine Frage muss ich loswerden: Ist das Leben ohne Ausgangssperren, dafür mit einer temporären digitalen Überwachung nicht wünschenswerter? So wie ich den Satz geschrieben habe, bin ich mir noch unsicherer. Ich weiß es nicht. Wenn es jedoch die Chance gibt, Bewegungsfreiheit und damit gesellschaftlich-ökonomisches Leben wieder zu gewährleisten, auf Kosten von Datenschutz, wie das im Detail auch aussehen möge, dann sollten wir das tun. Alles jedoch zeitlich strikt begrenzt.

Und so kam mir nach meinem morgendlichen Rant (Schimpftirade) gegen die Bockbeinigkeit der FDP, sorry lieber Nick, doch der Gedanke, dass er vielleicht recht hat, dass Datenschutz gerade in solch stürmischen Zeiten wichtiger ist, denn je. Und ja, jeder Mensch wünscht sich, dass das „schwedische Modell“ am Ende die Nase vorn hat, wenn man mal die Autokraten und deren Anhänger abzieht. Aber man weiß es nicht, noch lange nicht und der Weg der Schweden ist mit enormen Risiken verbunden.

Was ich weiß ist, dass der Shutdown einen gesellschaftlichen Preis hat, der Stand heute kaum zu beziffern ist. Auch das sind Risiken, die abzuwägen sind. Hier geht es um „wirtschaftliche Interessen“, na klar, weil sie gesellschaftliche Interessen sind. Denn diese Wirtschaft hält den Laden, also auch das Gesundheitssystem, am Laufen. Politik selbst kann keine Wertschöpfung generieren, maximal diese möglich machen. „Wirtschaftliches Interesse“ ist, dass Unternehmen Gewinne abwerfen, die besteuert werden, Menschen zu guten Löhnen einstellen, die Steuern zahlen und Geld ausgeben. Ökonomie, ich kann es gar nicht oft genug sagen, entkoppelt der Menschen zu betrachten, ist eine völlig falsche Sicht der Realität.

Einen Satz noch zum starken Politikerführer. Jetzt fordert Scholz und Söder eine Prämie von 500 Euro für Pflegekräfte. Solche Leistungen werden immer ungerecht sein. Was ist mit den Verkäufern, was ist mit den Laborfahrern und wie erkläre ich, dass „meine“ Mitarbeiter, die gerade Montag-Samstag die Grundversorgung aufrecht erhalten, leer ausgehen? Man kann keine Berufe in der Wichtigkeit auf- oder abwerten. Das Durchschnittsgehalt in der Altenpflege liegt laut stepstone.de zwischen rund 28000 Euro und 38.000 Euro. In der Krankenpflege zwischen 29.000€ und 40.500 Euro pro Jahr. Werte, von denen andere, in der Krise nicht minder wichtigen Berufe nur träumen können.

Sorry, das ist jetzt alles etwas ernst und eigentlich will ich ja etwas positives schreiben. Aber ist halt so. Eines mag i auch auch noch zeigen, das völlig an fast jedem vorbeigegangen ist. An der Stelle, danke werter Bruder (der anner‘) für den Link. Sie erinnern sich, der Sprecher der WerteUnion, Ralf Höcker trat zurück, weil er bedroht wurde. Sagte er zumindest. Über Lagergrenzen hinweg und auch bei mir brach Empörung aus. Nun hat sich herausgestellt, das stimmt gar nicht.

Klarer Fall meiner bekannten Kategorie „Geht‘s eigentlich noch?“ Keine Ahnung, was für eine Show der Mann abzieht, aber wenn sich das alles bewahrheitet, wonach es schwer aussieht, ist das ein absoluter Tritt in den Arsch für echte Opfer. Denn die gibt es. Von Künast, bis Mike Mohring, oder Kemmerich, bis zum Karamba Diaby (i steh‘ so auf den Namen) und ja, verstärkt auch AfD Politiker. Das sind die wahren Opfer von Bedrohungen. Dieser weinerlicher Winkeladvokat dagegen nicht.

Mit dem Pumuckl bin i fast durch und ich musste mir doch tatsächlich sagen lassen, mittlerweile von drei Menschen, wie rentnerhaft mein Serienkonsum doch sei. Ja, ja. Nur weil euer Real Life fad ist, wie der Mc Chicken, braucht ihr Action von Netflix und Co. Sad! (Zwinker)

Schöne neue Woche!

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