Julians Coronatagebuch – Folge 13 – „Die Getriebenen“ oder „Der Geist von Eduard von Schnitzler“

Ich hätte beim ZDF bleiben sollen. Da lief Aktenzeichen XY, Mord und Einbruch, Totschlag und Vergewaltigung, Enkeltrick und so Zeugs. Aber nein, ich musste ja umschalten auf Eins, weil mich Die Getriebenen interessierte. Sie wissen schon: Der Film über Merkels Flüchtlingspolitik. Spielfilm, wohl gemerkt. Eine Deutschlandfunkjournalistin schwärmte im Vorfeld. Ja, ja! Die Schauspielerin, die die Kanzlerin spielt, „verschmelze“ mit der Rolle und so. Und so schmolz auch die Moderatorin dahin, wie ihre Lieblingspolitikerin gespielt wird. Nur in schöner, schlanker und mit Ausstrahlung, die über einen Kasten Volvic hinausgeht.
Ich fass‘ mich kurz, denn viel mehr Wert hat dieses cineastisches Unglück nicht. Kennen Sie den „Schwarzen Kanal“ aus dem DDR Fernsehen? Ede von Schnitzler und so? Wenn nicht, googlen Sie mal, es passt zu dem Propaganda-Niveau des Films. Unglaublich. Da schwebt die heilige Angela, Mutter aller Gläubigen durch das Bild und verkündet die frohe Botschaft. „Siechmar“ Gabriel wirkt neben ihr wie ein aufgeblähter, fleischiger Teddybär, übel launig wie der Grinch und ausgestattet mit einer veritablen Gesichtskrise. Er ist ein Taktiker vor dem Herren, hämisch und das Schlechte in persona. Mehr schwarz-weiß geht kaum. Ähnlich glotzt der Söder ums Eck, bösartig bis aufs Blut und mit Mordgedanken an Seehofer, der wiederum spielt, als hätte er die Alzheimer. Daneben Steinmeier, der aussieht wie Marcel Reif vor 20 Jahren – also kein bisschen wie Steinmeier.

Es ist der Wahnsinn, auf was für ein Agitations- und Propagandaniveau sich die ARD einlässt. Atemberaubend unklimaktisch wabert dieser Drecksfilm 90 Minuten in die Wohnzimmer der Deutschen. Keine Höhen, nur Politikerfratzen, die wie Pferde beim Kacken glotzen. Man kann eigentlich nur noch lachen, dass Sie für so etwas Gebühren zahlen.

Einen Tag später war dann Aktenzeichen dran, endlich und der Mediathek sei Dank. Ja. True Crime hat ja gerade seinen zweiten Frühling. Neben den arrivierten Formaten wie Medical Detectives, nehmen die Podcasts zu dem Thema zu. Und ich find’s subba entspannend. So schlecht ist mein Leben doch nicht, wenn ich mir anhöre, was sonst so passiert. Das baut echt auf! Und das praktische: Die Leute sind ja schon tot, ausgeraubt oder vergewaltigt. Man weiß, wie es ausgeht. Schön.

Aufatmen können laut Rudi Cerne, dem Moderator, die potentiellen Einbruchsopfer. Denn wegen Corona sinken diese Straftaten rapide. Klar, sitzen ja alle zu Hause. Problem: Die überschneidende Risikogruppe. Einerseits werden alte Menschen, bei denen meist eingebrochen werden, nicht mehr beim Raubmord erschlagen. Andererseits sterben sie nun an Corona. Es sind verflixte Zeiten…

Warum also nicht einmal ein Podcast: In Indubio geht es in der verlinkten Folge um das Podcasten selbst, weniger aus technischer, sondern mehr aus geisteswissenschaftlicher Sicht. Angenehm zu hören, unaufgeregt und gar nicht sehr politisch. Gerade arbeite ich an einem etwas längeren Stück, das woanders erscheint und da ist so ein wenig unpolarisiertes, positives und nettes fürs Ohr doch etwas ganz kommodes. Und wenn Sie schon dabei sind, empfehle ich die Folge vom 19.04.2020 gleich dazu: Hier diskutieren im ersten Teil verschiedene Ärzte über Corona aus ihrem Praxisalltag (Chirurg, Allgemeinmediziner und ein Klinikleiter). Im Anschluss läuft dann dann die gewohnt angespitzte Runde mit Joachim Steinhöfel, Cora Stephan und Markes Vahlefeld. Prädikat hörenswert.

Den Satz des Tages oder der Woche verfasste mein liebster Feind Jakob Augstein im Presseclub vom 19.04.2020.

In der Krise zeigt sich, dass wir ein hervorragendes Gesundheitssystem und ein schlechtes Schulsystem haben.

Damit ist alles gesagt.

Am meisten freue ich mich jedoch, dass ich einen echten Künstler für meinen kleinen Blog gewinnen konnte. Denn im Gegensatz zu mir hat der Albert Schmelzkäs, der diese Karikatur angefertigt hat, wirklich Talent. Ich hoffe, dass er noch viel mehr für neomarius beisteuern mag. Hier das Bild in voller Größe. Geht zwar leicht in Richtung Antiamerikanismus, aber who cares, es ist zu gut, dafür dass ich es nicht verwende.
Und vielleicht springt ja ein Date für mich bei raus, wenn das Coronadingens vorbei ist, Zwinker. Nein, nein, mal erich, ist ist schon eine gute Arbeit. Gute Arbeit, Herr Schmelkäs.
Schöne neue Woche!

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