Julians Coronatagebuch -Folge 14 – Hannelore…wer? – Und ein bisschen was zum Nachdenken

Früher in der Schule, also kurz nach dem zweiten Weltkrieg war es so: Jeder Schüler brachte nebst Ranzen und (vermeintlicher) Lernlust auch ein Scheit Holz mit in die Lehranstalt. Damit geheizt werden konnte, logisch. „Bring your own device“, naja, so in etwa. Wo wir doch schwupp-di-wupp im Diesseits sind. Ja! Das wäre doch DIE Lösung zum Thema fehlender Seife etc… Es bringt einfach jeder selber mit. Und wenn er schon dabei ist, warum nicht Toilettenpapier, Handtuch, Wasser, Klo, Stuhl… Da ergeben sich Möglichkeiten des Sparens.Herrgot Margot!

Beim Elektrolehrer haben die Schüler diese Probleme, pardon, diese Herausforderungen nicht. Sitzt ja jeder daheim und frönt dem wenig trauten Telelernen. Ich hatte letzte Woche ebenfalls Schulung. Natürlich durch dieses Internet. Laut unserer IT Abteilung ist dieses Streamen „Neuland“, (ja, das Wort ist gefallen) und man ist sich gerade erst am „Reinfuchsen“. Versteh ich. Ich wusste bis voriger Woche auch nicht, dass man Unterhaltungen live über diesen, wie heißt das… aja, Bildschirm, auch machen kann. Ja, ja, die Welt ist ein Karussell.

Das passiert, wenn in der IT Abteilungen wackere, wenn auch eher ältere Herrschaften sitzen und sich mit Outlook auskennen, dass es nur so kracht und heute noch von Windows 95 schwärmen. Aber so dieses Neuland, also dieses Digidale, wie mir in Frangen sagn, ist dann doch eher komplizierter. Ich entschuldige mich, falls ich jemanden zu nahe getreten bin. Ihr wisst ja, wo ihr mich findet. Zur Wahrheit gehört auch, dass viele sehr gute Beiträge dabei waren. Es ist eben schwierig, wenn man Präsenz gewohnt ist von jetzt auf gleich auf Online umzustellen. Ich mache da niemanden einen Vorwurf. Ok, klang anders. Sorrrryyyyii.

Etwas anderes: Am 29.4. läuft im ZDF „Die letzte Königin“, der letzte Film, der von mir sehr geschätzten Hannelore Elsner. Ich habe diesen Film einige Tage zuvor in der Mediathek geschaut. Es war spät und wie es so ist, wenn der Abend sich nach einem Arbeitstag ausbreitet, werden im Herbst des Tages die Augen müde, als wäre schon Winter und Schnee läge auf den Lidern. Doch bevor ich endgültig die Ausfahrt „Lummerland“ nahm, sah ich, wie Elsner eine Mutter spielt, die mit ihrer schweren Erkrankung zu kämpfen hat.

So weit, so verständlich. Doch als ich wieder aufwachte, stutzte ich. Plötzlich spielte nicht mehr Hannelore Elsner die Hauptrolle, sondern Hannelore Hoger! Und etwas später Iris Berben und noch dann noch eine andere Darstellerin. Ich war völlig verwirrt und schlief dann endgültig ein. Dachte noch im Schlaf „Ist halt Kunst, die ich mal wieder nicht verstehe.“ Heute erzählt mir mein Vadda, er freue sich bereits auf den Film „Die letzte Königin“. Ich harkte nach und verriet ihm, wie ich den Film bereits „gesehen“ hatte. Er lachte und erklärte mir den Hintergrund.

Während der Dreharbeiten verstarb Hannelore Elsner. Doch die Produzenten wollten den Film nicht einfach ad acta legen, also engagierten sie befreundete Schauspielerinnen, die den Film im Sinne der Handlung weiterspielen sollten. Gesagt, gedreht. Puh. Ich hab‘ natürlich gar nix verstanden und auch wenigstens die Hälfte verschlafen. Naja, Augen auf beim Filmschauen heißt es da und das ist in dem Fall wörtlich gemeint.

Ich wünsche Ihnen, wünsche euch, gediegene Tage. Der Lockdown wird zur Zumutung. Und ich bin noch jemand, der gerne alleine ist. Ich mag’s. Aber ich würde es mir gerne aussuchen, ob und wann. Ich habe viel zu wenig Einblick in dieses Coronading, woher auch. Mir bleibt nichts übrig, den Maßnahmen der Politik zu vertrauen. Ein Blitzstudium in Virologie wird spätestens daran scheitern, dass die Unis zu haben. Ne, im ernst. Ich probiere es erst gar nicht, mich in die Materie, mehr als der Hausgebrauch erfordert, einzulesen. Ich kann kaum die vielen zitierten Studien über den Virus, die bereits von Journalisten rezipiert wurden, beurteilen. Für das Lesen der Ausführungen fehlt mir die Zeit und die Kompetenz. Was passiert, wenn der eine oder andere Journalist Studien für sein Blatt interpretiert, erfahre ich seit Jahren in der Unstatistik des Monats.

Ich habe geschrieben, dass ich gerne allein bin. Das stimmt. Aber alte Menschen, sehr kranke Menschen, die womöglich kurz vor dem Tode stehen, werden das anders sehen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich würde zu meinen Liebsten trotz Kontaktverbot fahren, wenn die letzten Stunden ihres Lebens drohen. Und wenn es ein Krankenhaus ist oder ein Altenheim ist, auch.

Oder wie die Thea Dorn in der Zeit Anfang des Aprils geschrieben hat: Es gibt Schlimmeres, als den Tod. Den elenden Tod.

 

 

 

 

 

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