Julians Coronatagebuch – Folge 15 – Über CDU Öl, Servicekatastrophen und ein bisschen über die Bundesliga

Deutschland ist ja bekannt für seine fulminante Servicekultur.

Ok, #Ironieoff. Noch einmal.

Deutschland ist ja bekannt für seine abgefuckte Servicewüste. Besser.

Wenn ein durchschnittlicher Ami einen teutschen Laden betritt und an der Kasse im Stakato-Aldi Tempo abgefertigt wird, als sei er auf der Flucht vor enem kannibalischen Pygmäenstamm, kriegt der gemeine Zupfer schon mal einen nervous breakdown. Das ist er nicht gewohnt und ganz ehrlich, ganz unrecht hat er nicht. Welche Bratzen, ob in der Bahn, in der Gastronomie oder im Supermarkt ihrer üblen Laune frönen, ist schon beachtlich. Frei nach dem Motto „Boah echt? Ein Kunde? Gehts noch?“

So geschehen auch zur letzten Nacht. Der Hunger kam über uns, also bestellten wir bei Lieferando. Gut, es war Mitternacht und man kann sich vorstellen, welche Qualitätsbuden es um die Zeit noch nötig haben, auszuliefern. Aber egal, das war nicht das erste mal, also bestellten wir bei dem einen eben. Ja.

Wie es so ist um 12, man ist müd‘. Wir schliefen ein und wurden nach mehrfachem Klingeln geweckt. Ich schlappte hundemüde ins Freie und der übel launige Fahrer begrüßte mich schon von weiten mit den Worten „immer Probleme mit dir!“. Jaja, diese Kunden. Nur Stress mit denen. Hätt‘ ich mal woanders bestellt.

Gut, das letzte mal hat Lieferando eine abweichende Anschrift aus den GPS Daten gezogen und der gleiche Fahrer stand verdutzt und 200 Meter weiter an einem Personaleingang der S-Bahnstation. Da wohnt wohl keiner. Und dieses mal sind wir eben eingeschlafen und der Fahrer musste ganze 5 Minuten warten. „Immer Probleme mit dir!“. Und so sagte er auch nicht danke, als ich ihm ganze drei Euro Trinkgeld gab.

Service und Deutschland sind wie die Königskinder, die nie zusammen kommen. Zum Essen muss ich sagen: Jo. War nicht gut. Das ist auch das Geschäftsmodell der Bude, auf keinen Fall zu gutes Essen zu servieren. Das würde ja das Image zerstören. In anderen Ländern würde dort niemand mehr freiwillig bestellen. Wir dagegen sind Stammkunden. Läuft.

Laufen „tun“ auch die Bundesligaprofis wieder. Und ich find‘ es gut. Ne, echt! Viele sind skeptisch. Die einen wegen der Sicherheit, die anderen, weil bei Geisterspielen der Flair verloren ist. Nun, beides hat etwas für sich. Beim ersten bleibt mir zu vertrauen, dass das sonst sehr restriktive Vorgehen von Bayern die Situation gut einschätzen kann.

Zum Thema „Spiele ohne Publikum“. Nun, das ist natürlich weder optimal, noch wünschenswert. Aber besser, als nix. Man darf nicht vergessen: Die Vereine sind auch Unternehmen, die Mitarbeiter beschäftigen, die Steuern zahlen und Sozialabgaben. Man kann dieses System nicht über Monate lahm legen und denken, mit noch mehr gedrucktem Geld könne man die Probleme lösen. Das ist eine Illusion. Irgendwann wird der Wirt kommen mit der Rechnung und dann hilft auch kein Helikoptergeld, deficit spending und sonstige vulgär-keynsianische Maßnahmen, die noch nie halfen und niemals helfen werden.

In Franken gibt es drei Profifußballvereine. Nürnberg und Fürth spielen in der zweiten Liga, Würzburg in der dritten Liga. Von Mondgehälter wie bei den Bayern sind die Vereine weit entfernt. Alle drei sind für die Region wichtige Arbeitgeber. Ein gegeneinander ausspielen (Gastro vs Fußball vs Kita) ist sinnlos und schafft lediglich Neiddebatten, die im übrigen, neben der Servicephobie, auch etwas arg Deutsches ist.

Dann schrieb mich ein Freund an, er sei ja so begeistert vom CDU Öl. Ahja, ok? Na gut, CDU Öl. Warum nicht? Öl aus Helmut Kohl.

Er meinte natürlich CBD Öl. Sie wissen schon, diese legalen THC-haltigen Tropfen, die sich neuerdings die Mittelschicht hinter die Binde klemmt. I‘ kann da nicht mitreden, aber bei Amazon überschlagen sich die begeisterten Anwender. „Entspannung pur nach einem langen Arbeitstag“, „Ein Öl, wie es nicht besser sein könnte. Nach der Einnahme fühle ich mich deutlich wohler.“ sind nur zwei Stimmen von vielen.  Und dann habe ich nachgedacht. Das wäre doch etwas für meine Arbeit.

Nicht nur für mich, das eh, aber auch für meine Mitarbeiter. Neben dem Desinfektionsmittel am Eingang könnte ich, pro forma, auch die CBD Tropfen hinstellen. Oder bei Bedarf. Mitarbeitergespräch, Kündigungsgespräch, Abmahnung, Kurzarbeit. „Ohje, der Plutz kommt wieder mit seinen Tropfen“ heißt es da. Aber man kann auch positive Gespräche mit dem Öl garnieren. Neuer Vertrag? „Nehmen Sie doch fünf Tropfen für unter die Zunge“. Gehaltserhöhung? „Ich mach‘ Ihnen einen Tee mit CBD!“. Das würde die Mitarbeiter nicht nur beamen, sondern auch binden. An das Unternehmen.

Ich wünsche euch und Ihnen eine angenehme Zeit. Und immer dran denken: Wer am Service spart, spart am Umsatz. Außer man ist in Deutschland. Da lässt man sich sogar von schlecht gelaunten Lieferfahrern beschimpfen, die schlechtes Essen bringen.

 

 

 

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