Jebsen, Naidoo, Hildmann oder: Das Triumvirat der Hirnverbrannten

Es muss hart sein, das Leben als neuer Rechter, die im übrigen meist eher ältere Herrschaften sind. Aber das nur am Rande der Physik. Hart muss  es sein, so zu sein. Ja. Stellen Sie sich vor, sie müssen den schlechtesten Journalisten der Welt ertragen, während Sie Baklava-klebrige Schmalzmusik hören und irgendeine vegane Pampe in sich hineinstopfen. Ein Albtraum, der die Tage Realität wird. Das Triumvirat der Hirnverbrannten hört auf die Namen Ken Jebsen, Xavier Naidoo und Attila Hildmann.
Die Jungs haben mindestens eine Sache, neben der Perversion ihrer Profession, gemein. Sie erzählen die Geschichte der Verschwörung um Corona. „Neue Weltordnung“, „totale Kontrolle“ und irgendetwas über Bill Gates. Ich möchte diesen schwer debilen Mist nicht wiederholen, wirklich nicht.

2011 erlangte der damalige RBB Moderator Ken Jebsen Bekanntheit, als er in seinem Hörfunktprogramm cruden Antisemitismus von sich gab und anschließend nach langem Zaudern vom Berliner ÖR-Sender gefeuert wurde. Es war Henyrk Broder und der Achse des Guten zu verdanken, dass die Geschichte aufgedeckt wurde. Lesen Sie Kens Mail, dann wissen Sie, was ich meine. Und so ist es auch keine Überraschung, dass Jebsen zu Gast beim – wie sagt man es konformistisch? -„israelkritischen“ Youtuber Thilo Jung war, wo er wiederum gar nicht kritisch befragt wurde und ausführlich zu Wort kam. Jebsen ist eigentlich kein typischer neuer Rechter, er ist auf seine Weise ein grenzdebiler Grenzgänger in den Extremen, der Anhänger bei Linken hat, aber auch bei Rechten oder bis dato „mittigen“ Menschen. Das ist nicht neu.

Daniele Ganser verdient so sein Geld, Uwe Steimle genießt diese Gesinnungsmelange, die Redaktion von „Neues aus der Anstalt“ mindestens dann, wenn sie mal wieder über den Einfluss der Mont Pelerin Society auf die Welt sinniert; freilich ganz künstlerisch. Es ist ja kein Wunder: Gegen USA und Israel zu sein, die ganz großen Zusammenhänge zwischen Elite, Kapital und Politik zu spinnen, ist so genuin links, wie es genuin rechts ist. Brothers from another mother oder, um die Stealers Wheels zu zitieren, „Clowns to the left, jokers to the right“.

So eignen sich die Wahnsinnsmaßnahmen in Coronazeiten ganz vorzüglich, um sich in Stellung zu bringen. Xavier Naidoo gibt es ganz offen zu, dass er die Zeit und seine Popularität dafür nutzt, „die Wahrheit“ auszusprechen. Der Sänger, der vor 20 Jahren noch völlig zu Recht Held der HipHop Szene war, als er mit „Letzte Warnung“ den Anschlag auf den schwarzen Adriano musikalisch verurteilte und zum intellektuellen Gegenschlag aufrief, hat sich von den Werten der Studentenrapper, zu denen er nie wirklich gehören wollte, emanzipiert. Das antikapitalistische, antiamerikanische ist geblieben und deckt sich mit dem heutigen Kurs des Mannheimers, garniert mit seinem Reichsbürgerkram, wo man eigentlich nur noch lachen kann, wäre es nicht so ernst.

Und da ist da noch Attila Hildmann. So wenig, wie sein Vor- zu seinem Nachnamen passt, so sehr ging mir dieser Naziveganer schon immer auf die Nerven. Wo Adolf noch halbherzig Vegetarier war, geht der Koch den konsequenten Weg. Er schafft als vertriebliches Naturtalent seine Geschichte mit seinem Veganismus und seinen Kochbüchern, zu verkaufen. Nun ist er der dritte im Bunde, auch wenn er schon mal formvollendet an einer Demonstration widerlegt wurde.

Es ist einerseits beruhigend und andererseits beängstigend, dass so viele, immerhin Tausende auf den Straßen und zehntausende im Netz, diesen drei Leuchten folgen. Beruhigend, weil sie eben nur Leuchten sind. Sie haben kein Amt, keine große Strahlkraft, sie sind wenig intelligent und politisch nicht vernetzt. Vor denen braucht man sich nicht zu fürchten (Ausnahme: Naidoos Musik). Beängstigend erscheint es mir aber, weil sie eben nur Leuchten sind. Denn stellen Sie sich vor, es kommt einer mit Strahlraft, mit Intelligenz und Vernetzung? Ich möcht‘ es mir lieber nicht ausmalen.

Es gibt aber auch noch gute Nachrichten aus dem Reich der Verschwörer. Andreas Kalbitz, der die Aura eines alkoholisierten Dynamo Dresden Fans versprüht, ist aus der AfD ausgeschlossen worden. Es ist nach Poggenburg, Sayn-Wittgenstein und Gedeon der vierte prominente, glasklare Rechtsextreme, der aus der Partei geworfen wird. Alle sind übrigens auch veritable Weltverschwörer, wo wir wieder bei unserem Gaga-Trio sind. Doch im Gegensatz zu Naidoo, Jebsen und Hildmann hatten die Politiker wirklich Einfluss, der nun gekappt wurde. Gedeon ist heute bedeutungslos, Poggenburg trollt ein wenig durch Twitter, das wars dann auch Und Frau Wittgenstein wurde nie mehr gesehen. Wie es sich mit Pitbull – Kalbitz verhält, bleibt abzuwarten.

Es bleibt die Antwort auf die Frage, warum so viele relativ vernünftige Menschen diesen wirren Theorien hinterherlaufen. Ich glaube, dass es die eine, finale Antwort nicht gibt. Für mich bleibt es bis heute ein mittleres Rätsel, warum Menschen ohne Not Halt in Religionen suchen. „Ohne Not“ meine ich hier ganz wörtlich. Mit dem Revolver an der Schläfe würde ich jeden Mist glauben, in der Hoffnung, gerettet zu werden. Aber Menschen mit geklärten Leben, Haus und Job und Geld? Genau diese Menschen oder besser, auch Leute dieser Art von Menschsein glauben nun, dass Bill Gates mit der Windows 2000 Version die Menschen manipuliert hat. „Sie nutzen doch auch Outlook? Excel und Word? Aha. Merken Sie was?“
Ich merke, dass mir Excel tierisch auf die Nerven geht. Das war’s dann aber auch. Mir scheint es, sagen Sie mir wenn ich mich täusche, es handle sich um den gleichen Schlag Mensch, der zu Globuli greift oder zum Schüssler Salz Nummer 7 gegen Gicht. (Natürlich ist nicht jeder so) Menschen, bei denen die Rationalitätstoleranz recht nedrig angesetzt ist und Emotionen im Zweifel den Verstand ablösen. Das klingt wertender, als es gemeint ist. Mein Verstand setzt regelmäßig bei der Serie  „In aller Freundschaft“ aus, die objektiv nicht schlecht ist, objektiv gute Schauspieler im Cast hat, aber objektiv echt mittelmäßige Storys bietet. Der Mensch ist eben keine Maschine und das Herz ist lediglich anatomisch betrachtet ein Muskel. Gälte diese absolute Rationalität, würden wir unter dem musikalischen Niveau von Gustav Mahler gar keine Musik mehr hören wollen.

Xaviers Plörrenmusik, die sich anhört, wie ein warmes Paderborner-Bier schmeckt, wäre da längst raus. Und auch seine unterkomplexen Thesen muss man sich nicht anhören. Geschweige denn mit ihm, oder mit Jebsen oder Hildmann reden. Was ist das eigentlich für eine unsinnige Floskel, man müsse immer mit allen Menschen reden? Was soll ich mit Rechtsextremisten über Ausländer sprechen? Um herauszufinden, dass er etwas gegen Ausländer haben? Wow. Welchen Sinn ergibt das Gespräch mit Islamisten über Homosexialität? Er mag mich also nicht, ach Herr je, echt?  Oder wozu macht ein Plausch mit Linksextremisten Sinn, über ihr Verhältnis zu Israel? Oh,, sie sind also Antizionisten, also Antisemiten. Quelle surprise! Mit Extremisten muss ich gar nicht reden, muss niemand reden. Zumindest nicht über ihre extremen Themen.

Und das Triumvirat der Hirnverbrannten ist längst im Extremismus angekommen, falls sie jemals woanders waren.

 

 

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