AKK und das Missverständnis um die Quote

Von Jonas Müller

Annegret Kramp-Karrrenbauer (AKK) angetreten als Nachfolgerin Merkels, von Linken niedergemacht, nachdem sie an Karneval einen Witz über das dritte Geschlecht und dessen Örtlichkeit machte. Als Kanzlerkandidatin dann schließlich ausgeschieden, nachdem sie die richtigen Schlüsse aus dem Thüringendebakel zog und zurücktrat. Nun macht die Saarländerin wieder Schlagzeilen: »Ich bin eine Quotenfrau«, hat sie gesagt. Dass sie das nicht ist und warum sie politisch noch lange nicht abgeschrieben sein sollte, kläre im nachfolgenden Artikel.

»Ich bin eine Quotenfrau«

Annegret Kramp-Karrenbauer ist 1981 der CDU beigetreten, sie ist von 1985-1988 stellvertretende Landesvorsitzende der JU Saarland, ist 1998 das erste mal im Bundestag, von 1999-2018 war sie Mitglied des Saarländischen Landtags, seit 2010 sitzt sie im Präsidium der CDU, 2011 wird sie mit 97,02% zur Vorsitzenden der CDU Saar gewählt, 2018 wurde sie mit der höchsten Zustimmung in der Geschichte der CDU zur Generalsekretärin gewählt und im selben Jahr gewinnt sie die Wahl um den Vorsitz in der CDU mit 51,8% gegen Friedrich Merz. Seit 2019 ist sie auch die Ministerin für Verteidigung.

Betracht man diese Karriere fällt auf, dass AKK nie eine politische Überfliegerin war, sie fing von unten an und kämpfte sich in kleinen Schritten in die Bundespolitik hoch. Sie ist ein Auslaufmodell in der deutschen Politik, immer häufiger werden Politiker viel zu schnell in Würden und Ämter befördert – Kompetenz spielt kaum mehr eine Rolle.

Seit dem 05. Juli aber fällt ein neues Licht auf Kramp-Karrenbauer. In einem Interview in der ARD beantwortete sie eine Frage, bezogen auf das Frauenbild in der Jungen Union, mit den Worten »Ich habe der Quote viel zu verdanken – Ich bin eine Quotenfrau« Die Reaktionen aus den eigenen Reihen waren größtenteils fassungslos und schockiert. Wie kann die Frau nur sowas behaupten nachdem sie sich so hart in die Politik gekämpft hat?

An ihrem Lebenslauf lässt sich vieles fest stellen. Dass sie eine Quotenfrau sein soll, nicht. Manche meinen jetzt die Reaktionen wären doch überzogen sie hat sich maximal selbst geschadet, aber nein ganz so einfach ist das nicht. Das Wort „Quotenfrau“ impliziert, dass sie vor allem wegen ihres Geschlechts die Posten in der JU/CDU bekommen hätte und die Kompetenz an zweiter Stelle gestanden hätte. Außerdem könnte man jetzt den Delegierten vorhalten, sie nur gewählt zu haben, weil sie eine Frau ist – obwohl das für die wenigsten von Relevanz gewesen sein wird.

Als sie am 16. November 2010 in das Präsidium der CDU gewählt wurde, bekam sie nur 57,45 % der Stimmen. Als sie 2012 zur Wiederwahl antrat erhielt sie schon 83%, 2014 und 2016 wurde sie mit jeweils stabilen 85% bestätigt. Ich führe das hier nur so genau aus, weil es zeigt wie wenig Quotenfrau Annegret ist. Sie hat sich nicht durch ihr Geschlecht in die Ämter gebracht, sie hat um Zustimmung gekämpft und die Delegierten mit Kompetenz überzeugt und konnte in 2 Jahren fast 30% mehr Unterstützung finden.

Die Quotenverteidigungsministerin?

In ihrer Funktion als Vorsitzende lies Kramp-Karrenbauer zwar verlautbaren: „Ich bin zur Wahl als Parteivorsitzende angetreten, weil ich für eigenständige Positionen der Union stehen will. Dafür brauche ich keine Einbindung ins Kabinett“ als aber von der Leyen den Verteidigungsministerposten abgab und ins Europaparlament wechselte, wurde kurze Zeit später bekannt gegeben, dass AKK ihre Nachfolgerin wird. Die Begründung für den Schritt war, dass die Bundeswehr „die höchste Priorität“ in Deutschland habe und sie deshalb Chefsache sein solle.


Diese Entscheidung brachte Kramp-Karrenbauer viel Kritik ein, weil sie eigentlich keine Qualifikationen für den Ministerposten und darüber hinaus kaum Zeit sich richtig einzuarbeiten hat. Viele und wenn ich ehrlich sein darf, auch ich, empfanden ihre Worte eher als billige Phrasen, die sie nur aus Anstand so herunter redete ohne wirklich zu wissen, was dieses Amt bedeutet. Nach der christlichen Kirche ist die Bundeswehr der größte Arbeitgeber in Deutschland daher sollte man diesen Posten nicht leichtfertig übernehmen. Das Amt des Verteidigungsministers hat auch immer etwas mit besonderer Liebe für sein Land und für die Menschen, die es verteidigen, zu tun. Eben dieses besondere Engagement und Fürsorge hat man bei Frau von der Leyen sehr vermisst und hatte daher schon wenig Erwartungen – obwohl es schwer noch schlechter werden konnte.


Heute, ein Jahr später, sieht die Sache schon ganz anders aus. Annegret Kramp-Karrenbauer ist ohne Zweifel einer der besten Verteidigungsminister geworden und hat die Bundeswehr weiter in die Gesellschaft gerückt. Mit eingängigen, teils sehr provokanten, Slogans und einem breiten Social Media Aufgebot hat sie die Bundeswehr zugänglicher gemacht. Der Kampf gegen Extremismus in den Reihen der Bundeswehr hat unter ihrem Kommando eine wichtigere Rolle eingenommen. Nicht wie ihre Vorgänger wegschauen, sondern die Fehler angreifen. Als die Spezialeinheit KSK wegen hoher Anzahl an vermutlichen Extremisten ins Auge des MAD (der militärische Geheimdienst Deutschlands) viel, zögerte sie nicht lange und löste die Truppe zu großen Teilen auf, um ein Konzept für eine neue Spezialeinheit zu erarbeiten. Löblich.

Auch in Sachen Aufrüstung lies sich AKK nicht lumpen und bestellte für die Bundeswehr neue Kampfschiffe und -jets – lies sich dabei von der SPD nicht beirren und kaufte sie natürlich mit der Fähigkeit Atombomben tragen zu können.
Es zeigt sich wieder, dass AKK keine Quotenfrau ist, sie ist eine Frau, eine Politikerin mit Qualität. Jemand der sich seinen Respekt verdient und auf dessen Wort verlass ist. Zwar ist sie als Vorsitzende zurückgetreten doch ihre politische Karriere ist hoffentlich nach dieser Legislaturperiode noch nicht vorbei und sie im Kabinett 2021 als Verteidigungsministerin weiterhin vertreten.

Was steckt hinter dem Begriff der „Quotenfrau“?

So wirklich kann man das nicht beantworten. Sowohl in der eigenen Partei, als auch in ihrem Amt als Ministerin, war sie jemand, der um ihr Ansehen und ihr Vorankommen gekämpft und es nicht durch irgendeine Quote geschenkt bekommen hat.
Für mich und andere in Reihen der Jungen Union war das ihr Auftakt für die Debatte über die Einführung einer Frauenquote in der CDU. Leider war der nicht wirklich gelungen. Sie hat sich mit diesem Satz selbst sehr geschadet und ihre weitgehend positive Arbeit entwertet, darüberhinaus wirkt die Aussage so, als würde in der CDU das Geschlecht mehr bedeuten als die Kompetenz – den Effekt den eine Quote eben bewirkt.

Am 08. Juli fällt die Satzungskommission der CDU den Beschluss, dass man bis 2025 alle Parteiämter und Mandate paritätisch besetzen will, nur für die Delegierten soll es eine dynamische Quote geben.
Dieser Beschluss fiel nur drei Tage nach dem vom „Quotenouting“ von AKKs, zudem war sie eine der treibenden Kräfte hinter dieser Frauenquote. Laut eigener Aussage, will sie den CDU Vorsitz nicht abgeben ohne was bewirkt zu haben, dieser Beschluss soll einer davon sein. Die anfängliche Vermutung dieses Abschnitts scheint also nicht so weit hergeholt zu sein.

Karrenbauer ist keine Quotenfrau. Sie war es nie und wird auch nie eine sein. Es tut weh zu sehen, wie sie sich selbst so entwerten, nur für eine Quote, die der CDU mehr schadet als nützt.

Jonas Müller ist 18 Jahre alt und Mitglied der CSU so wie der Jungen Union. Er hat ein Herz für konservative Politik mit wirtschaftsliberalen Ansätzen.

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