Friedrich, der große

von Leon Ressmann

Was haben die Bundestagswahlkreise Ludwighafen/Frankenthal und Vorpommern-Rügen – Vorpommern-Greifswald I gemeinsam? Auf den ersten Blick, dass sie Bundestagswahlkreise sind.

Und für den Kenner die Tatsache, dass beide die Wahlkreise von Kanzlern sind oder waren, ersterer von Helmut Kohl und letzterer von Angela Merkel. Und geht es nach Friedrich Merz, dürfte der Hochsauerlandkreis in den elitären Zirkel der Kanzlerwahlkreise aufsteigen. Denn es ist kein Geheimnis, der ewige Zweite will nicht nur CDU-Vorsitzender werden, sondern auch Angela Merkel im Kanzleramt nachfolgen.

Dreikampf um das Adenauerhaus

Als am 29. Oktober 2018 Angela Merkel ihren Verzicht auf den Vorsitz der CDU Deutschlands im Zuge der katastrophalen Hessen-Wahl ankündigte, dauerte es nur wenige Stunden, bis sich drei Bewerber erklärten: Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn und Friedrich Merz. Der Ausgang ist bekannt, Spahn fuhr einen Achtungserfolg ein. Kramp-Karrenbauer triumphierte jedoch, wenn auch knapp über Merz. Der aber lies nie einen Zweifel daran, dass er das Rennen um das Kanzleramt noch nicht aufgeben hatte. Nachdem die Parteivorsitzende begann zu schwächeln und bis auf Bremen eine Wahlkatastrophe nach der anderen einfuhr, während der Grünen-Fanboy Rezo die CDU bis ins Mark erschütterte, konnte man im Herbst letzten Jahres eine Merz-Sehnsucht in der Partei spüren, die so gewaltig war, dass sie Kramp-Karrenbauer auf dem Parteitag in Leipzig in die Vertrauensfrage zwang. Sie überstand, auch dank der Überrumpelung der Delegierten.

AKK hatte den Kampf gewonnen, aber die Schlacht noch nicht. Friedrich Merz ging beschädigt aus diesem Parteitag, gilt er doch von nun an als Zauderer. Auf dem Parteitag selbst hielt ein anderer eine vielbeachtete Rede: Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaates Bayern. Der einstige Seehofer-Erzfeind ist zu einem Hort der Stabilität innerhalb der Union geworden, ist seine Macht in Bayern doch trotz der miserabel verlaufenden Landtagswahl 2018 unangefochten. Spätestens hier begannen schon einige ,,SÖDER FOR KANZLER“-Rufe aus CDU und CSU.

Der Franke betont seit dem gebetsmühlenmäßig sein Platz sei in Bayern, damals hat man ihm das tatsächlich noch geglaubt.

Mit Kramp-Karrenbauers Verzicht im Februar und den erklärten Kandidaturen von Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen begann der innerparteiliche Wettkampf um den Vorsitz.

Dann kam das Virus

Merz und Röttgen verschwanden von der Bildfläche und Söder und Laschet versuchten sich als Macher in der Corona-Krise zu profilieren, was nur ersterer geschafft hat. Der kleine Mann aus Düsseldorf versinkt dagegen im Umfrage-Tief, trotz seiner Omnipräsenz in den Medien, trotz seiner Exekutivmacht liegen seine Umfragewerte deutlich hinter denen von Merz. Das bringt seine Kandidatur in schweres Fahrwasser, denn auch Delegierte schauen auf Umfragen. In der Krise versuchte er sich auf dem Rücken von Merkel und Söder zu profilieren und bei beiden hat er sich sehr unbeliebt gemacht.

Mit seiner Aussage über Rumänen und Bulgaren scheint Laschet endgültig das Sammeln von Fettnäpfchen gewinnen zu wollen. Bezeichnend ist auch, dass AKK ihm die öffentliche Unterstützung verwehrt, stammt er doch aus ihrem Parteiflügel. Laschet hat es sich bei einigen verscherzt und seine Inkompetenz öffentlich dargelegt. Merz und Söder können sich darüber nur freuen, hat Röttgen ja ohnehin keine Chance zu gewinnen.

Es wird also vermutlich auf ein Duell zwischen dem Franken Markus Söder und dem Sauerländer Friedrich Merz hinauslaufen, bei dem der Sauerländer aber einen entscheidenden Vorteil hat. Die wichtigste Vorentscheidung zur Kanzlerfrage trifft nämlich die CDU am 04. Dezember in Stuttgart, wenn sie ihren neuen Vorsitzenden wählt. Hier ist der große Söder zum kleinen Zuschauer degradiert. Auf dem Parteitag selbst wird Merz, der auf die Unterstützung von 48% der Delegierten von vorneherein zählen kann, ziemlich sicher gewinnen, auch weil Laschet ein schlechter Rhetoriker ist und die so wichtige Parteitagsrede vermutlich gegen die von Merz so aussieht wie ein Opel neben einem Ferrari. Beispiel gefällig? Auf dem Parteitag in Leipzig war der Saal bei der Merz-Rede zum Bersten gefüllt, während die Delegierten beim Redebeitrag von Armin Laschet auf Toilette gingen oder anderweitig ihre Zeit vertrieben – die Halle war nicht mal zur Hälfte gefüllt.

Merz wird beides: Vorsitzender und Kanzlerkandidat

Laschet ist langweilig und inkompetent, ein Mann der als Dozent die Noten seiner Studenten würfelte, sollte nicht Vorsitzender der letzten großen Volkspartei und erst recht nicht neunter Bundeskanzler dieses Landes werden. Das wahrscheinlichste Szenario im Kampf um die Kanzlerkandidatur ist also der 1,98m große Merz gegen den 1,94m großen Söder. Merz kann dabei genüsslich Söders Absagen gen Berlin ausschlachten und das gesamte Gewicht der CDU gegen die kleine Schwester stellen, sofern Söder überhaupt Kanzler werden will, während letzterer sich wohl gegen einen Friedrich Merz als CDU-Chef nicht durchsetzen wird können.

Ich bin mir daher sicher, dass Friedrich Merz auch Kanzlerkandidat der Union wird, auch weil Söder aus dieser Sachlage bequem aus Bayern mitbestimmen kann. Mit Laschet, Röttgen, Söder, Kramp-Karrenbauer und Merz im Team dürfte die Union bei der nächsten Bundestagswahl unschlagbar sein – und das ist auch gut so.

Leon Ressmann ist 16 Jahre alt und ist Mitglied der CDU & der Jungen Union. Er stammt aus der oberen Mittelschicht (NICHT Merz-Definition) und geht auf ein Wirtschaftsgymnasium. Leon lebt in Rheinland-Pfalz.

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