Wer ist Mario Sixtus?

Von Julian Marius Plutz.

Die Welt befand sich kurz vor der Stunde Null. Und als das Benzin sich so verteuerte, dass der Güterverkehr nur noch auf Bahnschienen möglich war, krochen die üblichen Verdächtigen aus ihren Löchern. Die Etatisten, die Kollektivisten, die Sozialisten. Die, die aus Alltagsgüter Luxusgüter machen, natürlich in guter Absicht. Die, die das Geld anderer ausgeben, weil sie selbst für ihr Handeln keine Verantwortung tragen. Sie planten, die Bahnindustrie zu verstaatlichen und die wenigen freien Unternehmen mit so viel Steuern zu knechten, bis sie in die Knie gehen. Mitten im Geschehen entdeckt der Leser einen unseen character, der Zusammenhänge erklärt und sich die Leute immer wieder fragen: „Wer ist John Galt?“

So erzählt es Ayn Rand in „Atlas Shrugged“, das zu den bedeutesten Bücher in den USA gehört und in Deutschland relativ unbekannt ist, was viel über die Konstitution der Freiheit in diesem Land aussagt. Ayn Rand, Autorin und Philosophin, die weiland in einer beeindruckenden Arroganz ihren Objektivismus vorstellte und damit mal eben 2000 Jahre Philosophie widerlegt sah. In „Atlas Shrugged“ implementiert die US-Amerikanerin in erzählerischer Weise ihre Weltanschauung in einer prosaischen Art, die ich in der Form noch nicht gelesen habe. Immer wieder findet sie mit der Frage „Wer ist John Galt?“ die Zusammenführung der Geschichte und ihrem Objektivismus, was zum Ende in ein flammendes Plädoyer für die Freiheit des Einzelnen mündet.

Nazi Verharmlosung präsentiert vom ZDF

Auf der Plattform Twitter gibt es auch so einen John Galt. Zumindest auf den ersten Blick. Mysteriös wabert da ein Nutzer durch die Tweets, den jeder gesehen hat, aber keiner wirklich kennt. Was wenig verwundert, gehört er doch zu den „Blocky Lukes“, die, die schneller blockieren als ihre Schatten. Und so bin ich natürlich länger von dem ominösen Glatzerten gelistet. Die Rede ist, der eifrige Twitteraner hat es längst antizipiert, von Mario Sixtus, dem mehr als 100.000 Accounts folgen. Immer wieder kreiert der geheimnisumwitterte Westfale Perlen und sorgt für reichlich Popcorn auf der Zwitscherseite. Offensichtlich gibt es immer noch Nutzer, die noch nicht auf seiner Liste stehen. Doch sein letztes Werk war weniger ein Amüsement, eher eine abstoßende Frechheit, die sich Mario Sixtus, dessen Name auch aus dem Pornogeschäft kommen könnte, leistete:

Diese Naziverharmlosung wird Ihnen vom ZDF präsentiert. Wenigstens implizit. Denn der sympathisch wirkende Brillenträger aus Ratingen steht auf der Gehaltsliste der Mainzer Medienanstalt. So moderierte er lange Jahre das weltbekannte Magazin „elektrischer Reporter“. Und auf 3sat arbeitete er mit einer weiteren Blockierschwester, Sascha Lobo, zusammen. Bis heute schreibt Sixtus Drehbücher fast ausschließlich für das ZDF.

Der Prototyp des schlichten Gemüts

Es ist schon eine charmante Situation, dass wir „Beitragszahler“ mit der irren Zwangsgebühr für den öffentlichen Rundfunk Mario Sixtus finanzieren. Der die Nazizeit relativiert und eine unverdächtige Jugendorganisation mit der Hitlerjugend vergleicht. Manchmal fordert er auch ganz andere Absurditäten. Zum Beispiel, man solle nicht mit Springer Mitarbeitern reden, sie ausgrenzen. Gut, über letzteres sinnierte der Podcast „Die Lage der Nation“ in einer fast amüsanten, weil so bedeutungsschwangeren Art, auch, was es freilich nicht besser macht. Doch wenigstens ist keiner gezwungen, den Wochenrückblick von Ulf und Philipp mitzufinanzieren.

Es ist keine Weltsensation, dass sich Leute wie Sixtus in die sozialen Medien selbst verwirklichen. Wie sagte einst die Doro Bär: „Auf Twitter tummeln sich ausschließlich Politiker, Journalisten und Psychopathen“. Ist nun mal so. Dass jedoch Verharmlosen der Nazipropaganda mit den Gebühren für das Staats-TV bezahlt werden, ist eine Dimension, die wir „Beitragszahler“, falls Sie welche sind, nicht hinnehmen sollten. Was kommt als Nächstes?

Mario Sixtus ist wieder mal so ein Prototyp. In seiner kleinen, chinaphilen und linken Bubble blockt er sich die Welt, wie sie ihm gefällt. So ist natürlich Philip Amthor doof, selbstverständlich auch den Tönnies. Doch sein Lieblingsobjekt gerade ist die FDP. Daher sind die junge Liberalen, die im Übrigen von bürgerrechtlich bis libertär die gesamte Klaviatur des Liberalismus abbilden, in seiner Logik mit der Hitler Jugend zu vergleichen. Natürlich betrifft mich das auch persönlich, bin ich doch Mitglied der Mutterpartei.

Der Edeltroll vom Lerchenberg

Der Zeitgeist will plumpe Gestalten. Und Mario Sixtus ist der Betonklotz des schlichten Gemüts. Wäre er, wie in Mafiafilmen, eben ein Fußbeschwerer aus Stahlbeton, in binnen Sekunden lägen Sie mit ihm am Grund des Gewässers. Am Ende der Fahnenstange des Intellekts. Ihn mit John Galt zu vergleichen ist eigentlich eine Zumutung. Gegen Ende Rands Roman offenbart sich John Galt als zutiefst überzeugter Humanist, der an die Kraft und die Herrlichkeit des Individuums glaubt und sich gegen das Übel des Kollektivismus ausspricht. Für ihn und für den Objektivismus ist die freiwillige Vereinigung von Menschen und das Einhalten rationaler Eigeninteressen Mittel der Wahl und dem Befehl und Gehorsam staatlicher Befehle vorzuziehen.

Die Frage in „Atlas shrugged“, „Wer ist John Galt?“, ist Ausdruck der Hilflosigkeit in der von Ayn Rand beschriebenen Welt. Sie wird jedoch zum Schimmer der Hoffnung, als sich Galt als Libertarist zu erkennen gibt, der nichts mehr im Sinne hat, als die Liebe zur Eigenverantwortlichkeit den Menschen näherzubringen.

Und der grazile Glatzkopf aus Ratingen? Er hätte John Galt in Twitter längst blockiert. Zu „out of the Box“ sind die Gedanken für den Filmemacher. John Galt ist das absolute Gegenteil von Mario Sixtus. Auf die Frage „Wer ist Mario Sixtus?“ kann man getrost die eine, einzig richtige Antwort gelten lassen.

Richtig: Der Edeltroll vom Lerchenberg.

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