Das fränkische Missverständnis – Mit Söder gibt es Schwarz-Grün

Von Julian Marius Plutz

Der Franke und seine Idendidäd, ja, ja, da lächeln Sie schon. Immer bissle debil wirkt er, der Frange, der kein „p“ und kein „t“ kennt und „dir“ und „dich“ stets vertauscht. A Depperle is der Franke, denken Sie. Geschenkt. Bald ist ein Franke Bundeskanzler. Er wäre übrigens der zweite nach dem guten, alten Ludwig Erhard, der ja aus Född war. Also aus Fürth.

Es ist doch so: Bayern sind wir Franken nicht wirklich. Unser Dialekt, konkreter, unsere Dialekte unterscheiden sich stark vom Bairischen, auch wenn das manch ein Ost,- oder West,- oder Nordlicht, kurz Saupreiß, anders sieht. Zwar gehören wir zum Freistaat, was wir mit den üblichen Schmerzen auch akzeptieren. Aber „mia san eben net mia“, sondern „mir sind Frangen, gel? Und jetz a Saidla!

Und da ist es doch für den gemeinen Franken eine Wohltat, so sollte man meinen, dass im Maximilianum zum zweiten mal ein Landsmann das sagen hat, der schon jetzt die altbarischen Pharisäer besser im Griff zu haben scheint, als der glücklose Beckstein. Markus Söder, ein waschechter Nürnberger. Kind der Südstadt und, laut dem SPIEGEL auch mit dem entsprechenden Humor ausgestattet. Als Manfred Ländner, CSU, mehr Auftrittsmöglichkeiten für bayrische Blaskapellen forderte, antwortete der Ministerpräsident: „Ich wusste gar nicht, dass der liebe Manfred Blasen im Freien befürwortet.“. „Billiger Pennälerhumor aus der Nürnberger Südstadt“ sei das gewesen, sagte angeblich ein Teilnehmer der Sitzung. Das war bestimmt so und das ist auch sicher nicht die Meinung der Redakteure.

Mit Vize Habeck in die wohlige Diktatur

Humorlosigkeit kann man ihm nicht abstreiten. Mangelndes Bewusstsein für die richtigen Momente, wenn es um die ganz großen Posten geht, auch nicht. Und er gilt als möglicher Kandidat für das Kanzleramt. Aus machtpolitischer Sicht wäre er sicher keine üble Wahl. Söder ist inzwischen nicht nur ein bisschen grün, sondern immergrün wie Fichten. Beim sogenannten „Bienen-Begehren“ wo es nur am Rande um Bienen ging, empfahl er sich schon mal nach anfänglicher Ablehnung als Schwarz-Grüner Brückenbauer. Dabei war sein ursprüngliches „Nein“ völlig richtig. Denn „Rettet die Bienen beinhaltete unter anderem feste Biolandbau-Quoten und ein Verbot von Pestiziden, das in dieser Pauschalität absurd ist.

Die SPD ist hierbei keine Option für eine Koalition. Sie wird nicht mehr in eine Regierung unter Führung der CDU eintreten. Die Partei hat es geschafft, sich völlig zu marginalisieren, was eigentlich verkraftbar ist, macht doch die Union ihren Job. Sozialdemokratie ohne die SPD funktioniert schon lange. Nein, nein. Die Sozis werden einen Teufel tun und noch mal in dieser Konstellation regieren zu wollen. Und so ist es nur folgerichtig, dass Saskia Esken schon mal den machtpolitischen Devotismus ausruft und verkündet, als Juniorpartner unter den Grünen zu Verfügung steht. Das ist wie, wenn der FC Bayern im Halbfinale der Champions League gegen Lyon auf jeden Fall ein Tor schießen will, auch wenn sie dann mir 3:1 verlieren und ausscheiden werden.

Also dann die Grünen. Inhaltlich kaum von der SPD auseinanderzuhalten. Okay, sie haben das attraktivere Spitzenpersonal. Toni Hofreiter bleibt der schönste Politiker im Land, da können Sie sagen, was Sie wollen! Für den Titel kann sich die Eskia Sasken und der NoWaBo noch so strecken, das wird nix. Und wenn Habeck mal wieder von der Bafin keine Ahnung hat und nicht weiß, was die Pendlerpauschale eigentlich wirklich ist, wissen Sie Bescheid: Hier sind Profis am Werk, denen man guten Gewissens das Land anvertrauen kann. Aber Vorsicht, liebe Grünbürgerlichen und Linksbesaiteten: Am Ende baut der schöne Robert die Republik nach chinesischem Vorbild um, was er bei Richard David Precht bereits anklingen ließ.

Ich bin zuversichtlich, dass der große Umbau mir Söder zu machen ist. Seine rigiden Corona-Maßnahmen haben gezeigt, wozu der nette Franke in der Lage ist. Er hat und das teilt er mit den Grünen, keinen Sinn für das Individuum. Er traut ihm nicht zu, freien Entscheidungen zu treffen. Laut seinem Verständnis kann das nur die Politik, die den Bürger lenken muss. Es ist der Moment, in dem das Hufeisen zu einem glatten Ring wird. Der Konservative wie der Sozialist denkt in Kollektiven. Beide brauchen den starken Staat nicht nur, um ihre Ideen umzusetzen. Er ist auch Selbstzweck zum Machterhalt und zwingende Voraussetzung, um ihren Kollektivismus durchzusetzen. Der Einzelne hat sich zu bücken und sich gefälligst dem großen Ganzen unterzuordnen.

Das Hufeisen wird zum glatten Ring

Die Alternative heißt Friedrich Merz. Ich bin wirklich kein Fan von ihm, aber er erscheint mir der einzige unterscheidbare Kandidat zu sein. Fernab von Söder und Laschet generiert sich Merz als einzig liberale Alternative. Nur er könnte die Reformen einleiten, die dem Bürger in die Lage zu versetzen, freiere Entscheidungen zu treffen. Zu tun gibt gäbe es in diesem Bereich genug: Die Steuerlast ist auf Rekordhöhe, die Deutsche Bahn gilt als ineffizient, der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk wird teurer und immer schlechter, während sich die Intendanten krumm und buckelig verdienen. All das wäre mit Söder und schwarz-grün nicht zu ändern.

Da ich die AfD für eine indiskutabel- katastrophale Partei halte und in weiten Teilen eine ebenso kollektivistische Bande ist, bleibt die FDP übrig. Auch das sage ich als Mitglied nicht ohne Schmerzen. Denn in der letzten schwarz-gelben Regierung scheiterte die Partei an sich selbst, an mangelnder Perspektive und Gestaltungslust, was nicht nur an einer Rückgrat-, sowie inspirationslosen Kanzlerin lag. Die FDP leitete die verheerende Eurorettung mit ein, bis heute einer der drei Sündenfälle der Ära Angela. Als erste muss die Partei ihren Vorsitzenden loswerden, um sich neu aufzustellen.

Fromme Wünsche, ich weiß. Aber man wird doch wohl noch träumen dürfen! Der Markus wird’s mir verzeihen. Als Franke müsste er es jedoch eigentlich besser wissen. Denn das Land, das von sagenhaften Bieren und Weinen nur so strotzt, ist ein Urliberales. Von den bräsigen Katholen in Altbayern entwuchs Franken dem authoritären Konservatismus, der im Vatikan endet und nicht, wie das Christentum eigentlich konstituiert ist, bei Jesus Christus. Der Protestantismus hat ihnen da sicher geholfen. Und die Chance auf Buße vor der Beichte, die sich im „Lied der Franken“ manifestierte, erleichtert dies natürlich zusätzlich:

„Du heil’ger Veit von Staffelstein
verzeih mir Durst und Sünde,
valeri, valera, valeri, valera,
verzeih mir Durst und Sünde!“

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