Das ewige Virus

Von Julian Marius Plutz

In Zeiten des kommoden Autoritarismus finden Themen jenseits Aerosole, Sperrstunden und Fliege tragende Panikbeamte mit Stasifantasien kaum statt. Wie denn auch, so wird doch an jeder Ecke an die kratischen Maßnahmen erinnert, die den Alltag steuern wie Controller die Spielekonsole. Die Angst vor Sanktionen lässt die Menschen den größten Unsinn machen. So wagten Freunde und ich es unlängst, uns zu sechst in einer Kneipe an den Tisch zu setzen. Wir mussten verrückt gewesen sein, denn ist doch die Anordnung vom Amt auf fünf Leute beschränkt gewesen. Auch Geselligkeit hat die Grenzen des Virus einzuhalten. Und natürlich hält das Personal diesen Wahnsinn ein, klar, wollten sie doch nicht bestraft werden. Mit der Pistole an der Schläfe machen Sie so manchen Unsinn mit. Befehl und Gehorsam ist das nötige Instrument der Ideen- und Inspirationslosen, die nicht überzeugen können, einfach deswegen, weil sie nicht überzeugend sind. Am Ende saß immer einer von uns etwas Abseits wie ein Ausgestoßener, dem man zwar fröhlich entgegen prostete, ihn aber ob des Geräuschpegels kaum verstand. Unglaublich albern. Frei nach der Sendung X-Faktor: Diese Geschichte ist wahr. Die habe ich mir nicht ausgedacht.

Bei all dem Irrsinn kommen andere Themen kaum zur Geltung. Der stete Klos im Hals, der dauernde graue Teppich – das ewige Virus – es überstrahlt alles. Und dass obwohl es auch andere Themen gäbe. So dauert es mehrere Tage, bis der bis der tödliche Anschlag von Dresden auf zwei Homosexuelle eben als ein islamischer Terrorakt bezeichnet wurde. Der Trend, er steht schon seit einiger Zeit entgegen schwuler Opfer. Ob Reading oder Dresden – es geht das Messer um. Jeder Schwule weiß das seit Jahren und es ist auch kein Geheimnis – Achtung Rechte Hetze – dass in ausländisch, konkreter muslimisch geprägten Vierteln – die Gefahr tätlicher Angriffe höher ist, als in der Provinz. Ja. Für Medien, die Hüter und Lenker des Zeitgeistes, bedeutet das allen erdenklichen Aufwand, die Berichterstattung in die politisch korrekte Richtung zu lenken. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Panik regiert die Gazetten

Für den Tod eines Schwarzen in den USA, der mit deutschen Zuständen recht wenig zu tun hat, gab es epische Ausmaße der medialen Empörung. Sonderseiten und Doppelspalten voller detailreicher Beschreibungen und Schuldzuweisungen. Schiefe Analogien sponnen bedeutungsschwangere Redakteure von us-amerikanischen zur deutschen Polizei. Rassismen wurden ohne Rassisten und ohne Opfer erschaffen und gleichzeitig echte Täter zu ständigen Opfern deklariert. Bei anderen Übergriffen spannten die Tugendwächter dagegen ein Band des Schweigens. Es darf nicht sein, dass ein Moslem ein schwulenfeindlicher Täter ist, weil er doch zur auserkorenen Opfergruppe gehört. Ohne schützenswerte Randgruppe ist die Linke kollektivloses Neverland und damit für sich und ihre Anhänger bedeutungslos. Die Arbeiterklasse hat sich selbst und längst emanzipiert. Aus Arbeiterselbsthilfe und Schutz der Schwachen wurde Klientelbefriedungspolitik und Opferpflege. Dass die Arbeiter in Teilen häufiger AfD wählen, als die SPD, spricht zwar nicht für die AfD – vor allem aber spricht es gegen die Sozialdemokratie.

Und die schreibende Garde? Sie geht den Trend mit und befeuert sogar noch die mediale Ausgrenzung. Als ich diese Schieflage in einem Artikel beschrieb, kam die politisch korrekte Reinemachetruppe, das selbsternannte Recherchenetzwerk Correctiv, das für Facebook die auf vermeintliche Fake News Jagd geht und wertete den Text wegen einer Ungenauigkeit als eben Falschnachricht ab. Mit welchen Herzen aus Holz müssen die Correktivisten ausgestattet sein, um Texte mit Themen wie diesen auf eine Unwichtigkeit zu reduzieren? Die Folge der Abwertung ist beträchtlich. Durch die Bewertung wird ein Kommentar weniger bei Facebook gesehen, sprich in der Sichtbarkeit abgestuft. Dieses Konzept hat Methode und hilft dem Zeitgeist gerecht zu werden, indem sie Meldungen, die diesem konträr sind, verschwinden lassen.

Es widert mich an, weil diese Mechanismen immer wieder greifen. Und die Corona Dauerberieselung tut ihr Übriges zur Monothematik bei. Es ist doch auch verständlich: Wenn die Gefahr eines Virus über Monate so dermaßen hochgejazzt wird, dass es über Monaten beinahe täglich die Medien bestimmt, wie will man sich da als „normaler Bürger“ auf Dauer von der Panik fernhalten? Natürlich bestimmt das Thema irgendwann auch die eigene Agenda und andere Themen, die auch wichtig sind, vielleicht sogar relevanter, finden keinen Raum. Der Mensch ist ausgestattet mit einem mentalen Haushalt, mit dem er im wahrsten Sinne haushalten muss. Ist dieser aufgebraucht, ist die Möglichkeit, neue Probleme wahrzunehmen, vertan. Ich verstehe es und es ärgert mich. Denn ein Terroranschlag auf Deutschen Boden ist nichts unwichtiges. Und wenn dann zwei Menschen getötet werden, weil sie die gleiche sexuelle Orientierung haben wie ich, dann ist mir das noch wichtiger, weil es mich noch mehr betrifft. Das hätte ich sein können.

Corona über alles und der REst ist nicht wichtig

Ob der Anschlag in Reading, oder in Dresden, oder der Terrorakt auf einen Lehrer, der es gewagt hatte, die Mohammed Karikaturen im Unterricht zu zeigen und dafür sterben musste. Islamische Terroristen sind weiterhin unter uns. Trotz hoher positiver Testzahlen, was Covid19 angeht, bei keiner erhöhten Übersterblichkeit, letzteres könnten Medien thematisieren und Menschen beruhigen, ist der islamische Faschismus weiterhin existent. Das Schlachten, es geht weiter. Währenddessen will Karl Lauterbach private Haushalte von der Polizei kontrollieren lassen, ob sie die Hygieneregeln einhalten. Wir erleben gerade den unglaublichsten Polizeistaat und die erschreckenste mediale Verzerrung, die ich bis vor kurzen nicht für möglich gehalten habe. Beim Schafkopf sagt man „Ober sticht Unter“. Ein Thema, die Pandemie, überdeckt alles. Die heilige Kuh der politisch Korrekten, niemals Leute unter Generalverdacht zu stellen, gilt nicht in Zeiten von Corona. Denn jeder ist ein potentieller Gefährder, die Pandemie weiter zu forcieren. Selbst die krassesten Antiterrorgesetze sind nichts gegen die Allmachtsfantasien der herrschenden Klasse. Wo sind die Linken, die das kritisieren? Wo sind die Liberalen?

Und so kriegen wir das, was wir offenkundig verdient haben. Ab Montag, den 2. November, gelten noch härtere Gesetze, genannt „Maßnahmen“, die Corona aufhalten sollen. Keine Kultur, kein Theater. Keine Kneipen. Nicht mehr als zwei Haushalte, die sich treffen dürfen. Da haben wir noch gelacht, zu sechst am am Tisch. Nun wird innerhalb der Kneipen gar nicht mehr gelacht. Die Betreiber kämpfen unter verschärften Bedingungen um ihre Lebensgrundlage. Traumschön. Und die Medien? Die haben sich längst auf die Monothematik eingestellt. Andere Themen finden keinen Raum, weil sie nichts zählen. Der Zeitgeist muss bedient werden und der Zeitgeist kennt keine islamischen Terroristen, die Homosexuelle schlachten. Der Zeitgeist ist eine intellektuelle Zumutung, ein emotionales Desaster und eine faktische Einseitigkeit. Corona über alles und der Rest ist nicht wichtig.

Am Ende sind wir zwar nicht an Covid-19 gestorben, begingen aber Selbstmord aus Angst vor der Infektion. Dabei ist die älteste Binse die Tatsache, dass das Leben voll von Risiko ist. Wer den Staat als höhere Entität sieht, als das Individuum selbst, schafft ein Monster, dessen Tentakeln in jede Pore des Lebens reicht. Der Staat braucht Befehl und Gehorsam, nur so kann er sich definieren und nur so ist er erkennbar. Sein Selbstverständnis ist die Ausbreitung von Macht. Dafür kommt die Krise zupass. Themen jenseits Aerosole, Sperrstunden und Fliege tragende Panikbeamte stören da bloß.

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