Dating im Islam heißt Freiheit abgeben

von Julian Marius Plutz

Fast hätte ich mich an das SZ-Abo gewöhnt. Als ich jedoch das Interview meiner Lieblings-Realsatirikerin Sophie Passmann klicken wollte, verriet mir mein iPad, dass meine Plus-Mitgliedschaft ausgelaufen war. Zu schade. Jetzt werde ich nie erfahren, was für fetzige Thesen die Sophie in diesem Gespräch wieder von sich gegeben hat. Also tat ich das, was mir ein Leser empfohlen hatte: Ich suche mir ein neues Gratis-Abo. Was soll es dieses Mal sein? DIE ZEIT. Jawoll! Einst Haus- und Hofblatt von Schmidt Schnauze und dem freiheitlichen Geist verbunden, scheint die Gazette immer mehr zur halb-linken, halb-doofen Lokuszeitung zu degenerieren..Wenn man den wackeren Jochen Bittner und den einen, oder anderen raren Beitrag von Herausgeber Josef Hoffe einmal abzieht. Und natürlich die wunderbaren Videos und Texte von Wolf Schneider. Wobei die sind schon ein paar Jährchen alt. Aber dennoch – der Schein kann manchmal trügen.

Ich erfuhr, dass Baschar al-Assad mit COVID infiziert wurde. Jaja, das Virus in seinem Lauf, hört auch nicht bei dem Massenmörder auf. Im gleichen Artikel lese ich, dass die Türkei bereits 10 Millionen Menschen geimpft hat, was ungefähr 12% der Bevölkerung spricht. In Deutschland sind es knapp als die Hälfte, also 6%. Sogar Erdogan kann besser Impfen organisieren, als Spahn, Merkel und von der Leyen. Andererseits: Wen wundert‘s? Meine Empfehlung als Nachfolger für den bebrillten Gesundheitsminister ist simpel, effektiv und kostengünstig. Ein x-beliebiger Regionalleiter von Aldi könnte den Job sicherlich besser hinkriegen, als der Jens. Denn die schaffen es, die Schnelltests verfügbar zu machen. Das regelt der (Super-)Markt.

Man findet durchaus lesenswerte Stücke in der ZEIT, so ist es nicht. Und Schreddern um des Schredders Willen macht zwar Spaß, ist allerdings nicht allzu geistreich. Und daher lobe ich gerne den im folgenden beschrieben Artikel, ist er doch hervorragender Journalismus in sofern, da er schlicht sagt, was ist. Und das beste: Dafür hätte ich gar keine Gratis-Abo abschließen müssen. Doch der Reihe nach.

„Was hältst du von der AfD?“

„EINER MEINER BRÜDER HAT MÄNNER AUS DER MOSCHEE GECASTET“ versuchten mich die blauen Lettern zu erschlagen. Doch Glück gehabt, ich konnte ausweichen. Ein „Protokoll“ von drei Moslems lässt sich bei Zeit Campus ganz kostenlos lesen. Und es beginnt vielsagend: „Wie geht Dating in Zeiten von Tinder, wenn man mit dem Sex bis zur Ehe warten will?“ Das ist in der Tat eine schwierige Angelegenheit, wenn man ein Mittel der Moderne dafür nutzt, ein Familienbild aus der Steinzeit gerecht zu werden.

Die erste Geschichte handelt von Ipek, einer Fotografin mit Kopftuch. Ihr Herz schlägt im gleichen Rhythmus mit Patrick, der bei der ersten Begegnung dachte, ihr Schleier sei noch von der Hochzeit übriggeblieben; sprich, das Kopftuch symbolisierte, sie sei verheiratet. Doch als dieses Missverständnis ausgeräumt war (er ist nicht so schlau, wie mir scheint), begann eine wunderbare islamischen Romanze. Da Ipeks Erziehung den Austausch von Intimitäten vor der Ehe untersagt, was für Marcel – inshallah – kein Problem darstellte, gestalteten sich die ersten zwei Treffen rein auf platonischer Ebene.

Und weil die beiden es ernst miteinander meinen, fand das dritte Date bereits bei den Eltern zu Hause statt. Und die Kartoffel hatte Glück: „Dass Marcel Deutscher ist, war und ist für sie kein großes Problem“. Holla, die Waldfee! Es handelte sich also nur um ein kleines Problem, das gelöst werden kann. Und zwar mit investigativen Fragen vom Papa: „Welche Art von Deutscher bist du?“ Eine wichtige Frage. Haben Sie sich das nie gefragt? Sind Sie eher der „Refugees-welcome-Deutsche“, oder eher der „Joghurtbecher-gehören-in-die-Spühlmaschine-Deutscher?“ Oder: „Was hältst du von der AfD?“ Denn das fragte Ipeks Papa.

„Eigentlich hätte ihm ja klar sein müssen, dass ein Mann, der mit mir zusammen sein möchte, kein AfD-Anhänger sein kann.“ geht das Protokoll weiter. Doofer Papa, weiß man doch, dass alle AfDler Muslime hassen. Dass es Muslime in der Partei und im Unterstützerkreis gibt, hey, geschenkt. Das passt nicht in das Erzählmuster.

Probewohnen bei den Eltern

Doch nun stehen die turtelnden Täubchen vor einem Problem. Praktizierende Moslems. Aber dürfen nur zusammen wohnen, wenn sie verheiratet sind. Man heiratet, ohne sich vorher jemals berührt zu haben und wenn die Hochzeit vollstreckt ist, darf man endlich gemeinsam wohnen und körperlich sein. Was für eine heikle Angelegenheit! Denn wer sagt denn, dass man im Bett die gleichen Interessen hat? Vielleicht gestaltet sich das Zusammenleben als eine mittlere Katastrophe, da er oder sie ständig die Socken, oder die Teebeutel in der Wohnung liegen lässt?

Doch Ipek wäre nicht Ipek, hätte sie nicht eine Lösung parat: „Meine Eltern sind liberal und haben vorgeschlagen, dass wir das Zusammenleben bei ihnen zu Hause ausprobieren könnten.“ Was für den durchschnittlichen Menschen die angewandte Hölle sein muss, bei den Schwiegereltern auf Probe zu wohnen, scheint für Marcel kein Problem zu sein. Natürlich schlief man in getrennten Zimmern.

Ein Jahr später sind Ipek und Marcel, der inzwischen völlig überraschend zum Islam konvertierte, verheiratet. Es ist die wunderbare Geschichte einer moslemischen Liebe. Wunderschön. Der Liberalismus des Elternhauses endete in der Frage einer möglichen Sympathie zur AfD. Wenn der Freiheitsgedanke dort endet, wo die andere, missliebige Meinung beginnt, dann reden wir nicht über Freiheit, sondern über Knechtschaft. Wäre der Marcel ein Mitglied der AfD, gäbe es kein „Probewohnen“ und auch keine Heirat, sondern einen gepflegten Tritt in das Hinterteil.

Die Lust an der Unterwerfung

Die zweite, brandheiße Geschichte handelt von Shady. der auf dem Foto gar nicht sehr slim aussieht. Na gut, Eminem hin oder her, der Shady probiert es mit der App Muzelmatch. Warum auch nicht? Die Date-Applikation, die ich mir natürlich sofort heruntergeladen habe, funktioniert im Prinzip wie Tinder. Zumindest auf dem ersten Blick. Doch es gibt Unterschiede. „User haben die Möglichkeit, eine Art Schutzbefohlenen zu einem Match hinzuzufügen, der darauf achtet, dass die Unterhaltung halal, also nach den Regeln des Islam abläuft.“ Der Anstandswauwau, vermutlich Bruder oder Vater, liest also mit und achtet, dass die Sitten eingehalten werden. Hier werden patriarchale Träume wahr. Und DIE ZEIT ist live dabei.

Dalal erzählt uns ihre, die dritte Dating Story.Als sie 21 war, also vor acht Jahren, war es der Bruder, der die Dates für sie aussuchte. Selbstredend durften es nur Muslime sein und natürlich war auch hier der Bruder beim Date anwesend. Ich hätte ja meinen Bruder erschlagen. Aber wir sind ja keine Muslime. Dann hätte er mich wohl augrund der falschen sexuellen Orientierung erschlagen. Nun aber, mit 29 Lenzen, traue sie sich Dates alleine zu. Das finde ich richtig knorke.

Drei Moslems, die sich sicherlich als „liberal“ bezeichnen würden, unterwerfen sich freiwillig dem islamischen Patriarchat. Das letzte Wort wird immer Das Familienoberhaupt, wahlweise der Bruder haben. Die Unlust an der Freiheit ist in jeder Zeile zu spüren, wenngleich ich mich frage, wie ehrlich diese Ausführungen sind. So lesen doch die Patriarchen mit.

Natürlich erlaubt eine liberale Gesellschaft unfreies Leben, so lange es freiwillig geschieht. Und hier besteht das Problem. Menschen kommen zur Welt und werden frei. Dies ist ein Prozess, der idealerweise ein liberales Umfeld benötigt. Wie viele würden aus dem islamischen Patriarchat ausbrechen, wenn die familiären Strukturen wie in Stahl gegossen sind? Wenn ein Los sagen vom Zwange womöglich den kompletten Kontaktabbruch von Familie und Freunden bedeutet? Wie weit sind sie bereit und was sind sie bereit, für die Freiheit zu opfern?

Eigentlich wollte ich DIE ZEIT schreddern. Aber wozu? Ich halte dieses Protokoll für das Deskriptivste, was ich in den Tendenzmedien seit langem gehört haben. Die Autorin verzichtet völlig auf Bewertung, sondern lässt die Protagonisten einfach reden. Und was sie so reden, lässt tiefer blicken, als die See am Strand von Elba. Niemand braucht betreuten Journalismus. Der Leser ist klug genug und reif genug, sich ein eigenes Urteil zu bilden. DIE ZEIT macht hier genau das, was ihr Auftrag ist: Sagen, was ist.

3 Kommentare zu „Dating im Islam heißt Freiheit abgeben“

  1. „Wäre der Marcel ein Mitglied der AfD, gäbe es kein „Probewohnen“ und auch keine Heirat, sondern einen gepflegten Tritt in das Hinterteil.“

    Wenn Sie sich da Mal nicht Irren, wehrter Autor. Hinter Ihrer Aussage steckt doch die offensichtliche Vermutung, dass die AfD ziemlich nah bei Hitler ist oder zumindest, dank der linken Medien und Politiker, gleichgesetzt oder assoziiert wird.

    Muslime lieben Hitler, der kommt gleich nach Allah und Mohammed. Bis heute feiern sie ihn für 6 Millionen Tote Juden, wenn die Zahl überhaupt stimmt.

    Was Sie nicht angesprochen haben, ist das „Bezness“. Der Liebesbetrug an Männer und Frauen. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viel Existenzen durch Bezness zerstört wurden.

    https://www.1001geschichte.de/bezness-die-fakten/

    Der Islam ist schlimmer als Sie denken, wehrter Autor.

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  2. Weil Sie so schöne Geschichten schreiben, möchte ich Ihnen eine kurze Geschichte erzählen, die ich in Tunis erlebt habe, obwohl sie ziemlich privat ist.

    Ich habe 2 Tage in Tunis in einem Gefängnis gesessen. Dort wurde ich alle zwei Stunden verhört, und immer wurde mir die Frage gestellt, unter vielen anderen, „Wie stehen sie zu A.H und den Juden?“ Ich wusste, dass ich A.H. loben musste und die Juden unsere Feinde sind. Hätte ich das nicht getan, wäre mir schlimmes widerfahren.

    Das war noch zu Ben Alis Zeiten. Sie können ja mal meine Extraseite lesen, da steht mehr über Tunis. Bei Ihnen habe ich immer den Eindruck, obwohl Sie die Seiten gewechselt haben, die Dimension des Schrecklichen ist Ihnen immer noch verborgen.

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  3. Marcel ist auch nicht überraschenderweise zum Islam konvertiert, sondern unter Zwang, es sei denn, er ist von Herzen her Moslem geworden. Im „Normalfall“, werden die heiratswilligen Europäer zum Islam gezwungen.

    Ein Moslem kann eine Ungläubige heiraten, allerdings müssen die eventuellen Kinder nach dem Islam erzogen werden.
    Eine Muslimin hingegen darf nur einen Moslem heiraten. Der europäische Mann muss also konvertieren.

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