Wie lange braucht es, bis man eine Gesellschaft bricht?

Von Julian Marius Plutz.

Mein Realismus ist ein Pessimismus. Spätestens seit heute morgen, aber eigentlich schon viel früher. Wieder werden die Maßnahmen, was für ein Scheißwort, verlängert. Und verschärft. Maßnahmen. Verlängert und verschärft. Durchhalten. Arschbacken zusammenkneifen. Dritte Welle. Ein völlig neues Virus und eine völlig neue Pandemie. Bleiben Sie gesund.

Es tut mir leid, aber ich ertrage diese ewig gleiche Rhetorik nicht mehr. Es macht nicht mal aggressiv. Es macht mich nur noch müde. Geht es Ihnen ähnlich?

Zu Ostern bleiben wir zu Hause, sagt das Führer- Komitee aus Bund und Länder, das niemand legitimiert hat, über uns zu entscheiden. Aber um Gesetzestreue geht es den Politikern schon lange nicht mehr. Das müssen Sie verstehen! Es geht um mehr. Gründonnerstag und Ostersamstag sollen Ruhetage werden. Staatlich angeordnete Ruhe. Herrlich. Es ist das nächste Kapitel auf den Weg zum kommoden Totalitarismus. „Paternalismus“ , sagt mir der Gutbürger, „ist doch nicht schlecht! Jeder wünscht sich einen Papa, der auf ihn aufpasst. Oder einen großen Bruder, der genau hinschaut.“ Wer kann da schon dagegen sein? Sie wollen doch nur unser bestes. In einem Punkt stimme ich den Politikern zu. ich hätte gerne Ruhe. Ruhe vor diesem Staat.

Merkel wohnt auf dem Planeten Angela

Diese Regierung ist das Gegenteil davon, was Politologen „Good gouvernance“ nennen: Sie agieren ideenlos und mit Politik aus dem Mittelalter. Sie pflegen ihre Allmachtsfantasie, die zur Allmachtsrealität wird (was auch etwas von Mittelalter hat.) Sie brechen Freiheitsrechte. Sie sind atemberaubend ahnungslos in ihrem Ressort. Jens Spahn wirkt wie ein selbstbewusst-gedopter Schulsprecher, der einige Jahre zu lange die 13. Klasse besucht hat. Seine Schuhe sind zwar groß, aber im Gegensatz zur Herausforderung viel zu klein geraten. Es handelt sich bereits um einen mittelschweren Schmerz, dass jemand wie er im Parlament Platz nimmt. Es ist jedoch kaum auszuhalten, dass dieser Mann allen ernstes Gesundheitsminister wurde. Ohne Vorkenntnisse, ohne intellektuelle Tiefe leitet der CDU-Politiker das zur Zeit wohl wichtigste Amt. Er ist ein Abziehbild des Politikers, den niemand haben möchte. Im Stamm der Deppen ist der Oberdepp der Häuptling.

Und doch strahlen Leute wie Spahn und Söder eine Selbstsicherheit aus, die kaum auszuhalten ist. Noch während am Sonntag der bayrische Ministerpräsident sagte, es sei völlig klar, dass der Lockdown wirke, las ich in der WELT AM SONNTAG ein Interview mit einer absoluten Koryphäe exakt das Gegenteil. Doch Söder, Merkel, Müller hören nicht auf andere Meinungen. Sie können es nicht, weil sie unter dem dem Kuba-Syndrom leiden. Sie lassen sich von den ewig selben Experten beraten, die zu immer gleichen Ergebnissen kommen. Das Motto lautet: „Viel hilft viel. Die Maßnahmen waren einfach noch nicht hart genug. Immer weiter. Vorwärts immer, rückwärts nimmer.“ Von wem war noch gleich der letzte Satz?

Das Wesen, ein totes Pferd zu reiten ist, dass man nicht voran kommt, weil das Pferd tot ist. Und irgendwann fängt es an zu stinken. Doch die Politiker sitzen weiter auf dem Kadaver, in der Hoffnung, dass der Gaul wieder zurück ins Leben kommt und wir alle gemeinsam aus der Krise galoppieren. Zwar evozierte die Krise bisweilen transzendentale Effekte, Karl Lauterbach wurde beispielsweise entmumifiziert, aber so viel schöpferisches Wirken wird das Virus wohl nicht auslösen, sodass Frau Merkel zur Vernunft kommt. Sie kann es längst nicht mehr – sie schwebt geistig in völlig anderen Dimensionen. Nach mehr als 20 Jahren Spitzenpolitik ohne einen Nebenberuf, ist die Realität dieser Menschen nicht mehr die des durchschnittlichen Menschen. Seit 20 Jahren und mehr ging Frau Merkel nicht mehr einkaufen. Sie hat seit dem keinen Parkplatz mehr gesucht, oder hat sich einmal beworben. Sie war nie arbeitslos, musste nicht mit der Bahn in die Arbeit fahren und hat sich nicht um einen Termin für den Sperrmüll gekümmert. Frau Merkel wohnt auf dem Planeten Angela, in denen Christian Drosten und Joachim Sauer ihr Zugang zum Fußvolk darstellen.

Sei Dafür oder du bist ein schlechter Mensch

Frau Merkel hat nicht verstanden, dass Menschen sich sehnten, zum Friseur zu gehen, hat sie doch einen eigenen, exklusiven Zugang zum Haare schneiden. Und Berufsverbote kannte sie zwar noch aus der Zeit der DDR, aber das ist ja schon so lang her. Das kann man nun wirklich nicht vergleichen. Der Zweck der Maßnahmen ist doch gut und der heiligt demnach folgerichtig die Mittel. Wenn die Absicht stimmt, kann man schon mal ein Auge zu drücken. Sie dagegen muss die Augen nicht mal mehr zu machen, ist doch ihre Realität nicht die unsere.

„Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus.“ schrieb der Kommunist Ignatio Silone in „Der Fascismus“. Auch werden die neuen Freiheitsräuber mit ihrem eigenen Humanismus argumentiert. Mit Gesundheitsschutz. Mit Solidarität für die Pflegerinnen und die Pfleger. Für die Kranken und die Alten. Für Horst Seehofer. In den Kategorien „guter Mensch“ gegen „schlechter Mensch“ will sich keiner die Blöße geben. Die große Moralsuppe ist aufgekocht und jeder, der gegen die Maßnahmen ist, jeder, der die Zahlenlehre von Drosten und Konsorten anzweifelt und mit der Expertise anderer Fachleute argumentiert, hat seinen Status als „guter Mensch“ verwirkt. Sie sind nun offiziell eine schlechte Person und ein unsolidarischer, egoistischer Typ.

Nun ist ab Gründonnerstag verordnete Ruhe. Die Politik hat sich entschieden, nun auch ohne Airbag und Gurt gegen die Wand zu fahren. Wie lange braucht es, bis die Herrschenden die Gesellschaft brechen? Gehen Sie in die innere Immigration oder wählen Sie drastischere Mittel? Dieses Deutschland entfremdet sich vom Volk – die Regierung entkoppelt sich vom Bürger. Mein Realismus? Ein Pessimismus. Woher Trost nehmen, wenn dir der Trost fast im gleichen Moment genommen wird? Es gibt keine echte Hoffnung ohne Verzweiflung, heißt es. Aber es gibt Verzweiflung ganz ohne Hoffnung. Diese Politik muss endlich aufhören, Gott spielen zu wollen. Sie muss die Tatsache akzeptieren, dass man in einer freien Gesellschaft über ein Jahr Menschen nicht weg sperrt, obwohl sie nichts verbrochen haben. Tut man es doch, dann bedeutet dass den Abschied der freien Gesellschaft.

7 Kommentare zu „Wie lange braucht es, bis man eine Gesellschaft bricht?“

  1. Die Gesellschaft hatte mehrheitlich schon vor der Plandemie kein Rückgrat. Jetzt läuft der Feldversuch, wobei der winzige Widerstand schon einkalkuliert ist. Es gibt keine Möglichkeit mehr dem beginnenden Faschismus auszuweichen. Die globalen Visionen der meist unbekannten superreichen Globallisten nehmen Gestalt an. Die globale Machtelite entscheidet über Leben und Tod, Arm und Reich, Krieg und Frieden, und das immer zu ihren Gunsten.

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  2. Kann man diese Anonymous-Trolle nicht sperren? Ich bin sehr für Meinungsfreiheit. Die sinnfreien Fäkalinjurien solcher kranken Geister tragen aber nicht zur Meinungsbildung frei.

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    1. Ich gehe davon aus, dass das sehr junge Leute sind, mit wenig Verständnis für unsere Zeit und auch für den Text von Herrn Plütz. Insofern sage ich mir, sich darüber aufzuregen, was verständlich ist, bringt nichts.

      Die Antworten der jungen Leute, zeigen aber auch deutlich, dass unser Bildungssystem nicht in der Lage und Willens ist, unsere Kinder und unsere Jugend vernünftig auszubilden.

      Eine Fäkalsprache habe ich jetzt nicht erkannt.

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