Schwule Tote stören immer noch

Von Julian Marius Plutz.

Zehn Monate ist es her, als im britischen Reading ein islamischer Terrorist drei Homosexuelle abschlachtete. Ein Monat zuvor tötete ein Polizist den Afroamerikaner George Floyd, dessen Kadaver zur Ikone der Black-Life-Matters-Bewegung wurde. Zahllose Bücher, Titelgeschichten und Gesprächsrunden im Fernsehen befassten sich mit einem Fall von US-amerikanischer „Police Violance“. Krumme Herleitungen von Übersee bis nach Europa, von Chicago nach Villingen-Schwenningen und von New York nach Oberursel wurden gesponnen, als könne man die Situation in den USA mit der in Deutschland vergleichen.

Zum Anschlag in Reading schrieb ich im letzten Jahr meine Gedanken darüber auf. Tote Schwule stören nur erschien auf achgut.com. Und auch andere Medien übernahmen den Text. Die Reaktionen darauf waren für mich überwältigend. Viele Leserbriefe gingen ein, fremde Menschen schrieben mir private Nachrichten, um mir Mut zuzusprechen. Dabei war ich doch gar nicht betroffen. Ich kannte auch keines der Opfer. Aber dennoch traf mich die Tat, was einige Rezensenten auch bemerkten. Spätestens seit dem war mir völlig klar: Genau hier bin ich richtig. An dieser Stelle und auf diesem Wege möchte ich daher gerne „Danke“ sagen. Ihre Zuschriften haben mich sehr gefreut. Und es ist auch überhaupt kein Zufall, dass die Jüdische Rundschau den Artikel aufgenommen hat.

Ein weniger schönes Detail an der Veröffentlichung des Artikels waren die Begleitumstände auf Facebook. Die Redaktion von achgut informierte mich, Correktiv hätte „Fake News“ in meinem Beitrag entdeckt. Eine lächerliche Ungenauigkeit genügte für die Correktivisten, dass die Zensurtrolle vom Zuckerberg den Facebook-Post „downrateten“. Sprich: Weniger Nutzer konnten den Beitrag sehen.

Ich fragte mich und ich frage mich bis heute, mit was für Herzen aus Holz diese Zensoren ausgestattet sein müssen, einen solchen Text aufgrund einer Lappalie, die man mit einer Email hätte klären können, herunter regulieren. Dahinter kann nur eine politische Agenda stecken. Täter und Opfer passen nicht in das ideologiegetränkte Erzählmuster. Sie stören.

Wer offen Debattiert wird gebranntmarkt

Fünf Monate nach dem Anschlag in Reading, am 4. Oktober 2020, griff Abdullah A.H. zwei Schwule mit einem Messer an. Einer starb bei dem Anschlag, sein Lebensgefährte überlebte schwer verletzt. Seit einigen Tagen muss sich der Täter am Landesgericht Dresden seiner Tat stellen. Möge das Urteil hart und gerecht sein. In diesem Fall die Berichterstattung gefühlt etwas präsenter, als bei dem Attentat in England. Mein Eindruck aber bleibt. Wann immer in den USA ein Schwarzer von einem Polizisten ermordet wird, ist die deutsche Presse vorne dabei, die Geschichte groß zu machen. Dabei ist es völlig nebensächlich, wie sich die Tat tatsächlich abgespielt hat. Und andere Themen, die sich vor der eigenen Haustüre abspielen, wie der Prozessbeginn gegen Abdullah, treten in den Hintergrund.

Verstehen Sie mich bitte richtig: Mir geht es nicht um ein Ranking von Opfern. Und ganz sicher geht es nicht um ein Platz im Herzen der Linksbewegten Kuschelmenschen, die mir, wenn es hart auf hart kommt, eh nicht helfen werden. Mir geht es um die Verhältnismäßigkeit von Straftaten und eine echte Debatte über Gewalt von Muslimen gegen Homosexuelle. Ohne Scheuklappen, ohne politische Korrektheit und ohne Angst zu haben, als Nazi tituliert zu werden. Denn im Moment des maximalen Brandmarken ist das Gespräch vorüber. Wer will schon Nazi sein und wer möchte mit Nazis reden?

Zur Wahrheit gehört: Wir haben in Deutschland kein Problem mit struktureller Gewalt von Polizisten an Schwarze. Auch wenn ich manche Anekdoten von Migranten durchaus Glauben schenke, wie sie von Beamten, beispielsweise bei Personenkontrollen behandelt werden, so ist der Vergleich in die Vereinigten Staaten nicht nur schief, er ist einfach falsch. Alleine aufgrund der ethnokulturellen Unterschiede beider Landstriche verbieten sich hier Parallelen. Wenn man über Rassismus reden möchte, dann doch bitte ohne Verweise auf das singuläre Ereignis um George Floyd. Ansonsten erschleicht sich der Verdacht, dass man Grausamkeiten aus der Fremde her nimmt, um die weniger problematische Situation vor Ort zu skandalisieren.

Ich beginne auch keine Debatte über Schwulenhass in Deutschland, indem ich auf Hinrichtungen im Iran hinweise. Natürlich verurteilt kein Amtsgericht hier zu Lande einen Schwulen aufgrund seiner sexuellen Ausrichtung. Ein Vergleich der Situation von Homosexuellen in islamischen Ländern halte ich für unlauter und wertet die Opfer ab. Das kann nicht der Weg in eine faire Debatte sein.

Das genehme Opfer bleibt schwarz

Was jedoch wahr ist: Einwanderer aus islamischen Ländern, die Flüchtlinge waren oder als solche ins Land kamen, verschärfen die Situation für Schwule im Land. Der Täter in Dresden kam im Oktober 2015, wenige Wochen nach Merkels Entscheidungen, an den deutschen Außengrenzen nicht mehr zu kontrollieren, ins Land. Laut dem Tagesspiegel gab er damals an, er sei 15 Jahre alt gewesen. Vermutlich – laut der Zeitung – war er jedoch bereits 17. Diese Unklarheit verzerrt den Prozess und erschwert, ein gerechtes Urteil zu fällen.

Der Punkt ist aber ein anderer. Diese Tat und viele andere auch, hätte ohne die Flüchtlingspolitik niemals stattgefunden. Dieser Prozess steht repräsentativ für das Versagen der Regenten von 2015 Formal sitzt auf der Anklagebank der Täter, der Thomas in Dresden abschlachtete. Eigentlich sollten dort die politischen Entscheidungsträger von damals sitzen. Angela Merkel, Horst Seehofer, Frank-Walter Steinmeier, Thomas de Maizière, Sigmar Gabriel und viele andere mehr.

Es ist genau das eingetreten, wovon vor sechs Jahren so viele gewarnt hatten. Die, die auf das „wir schaffen das“ von Angela Merkel gerne entgegnet hätten: „Können oder wollen wir das schaffen?“ Die vielen Opfer haben es offenkundig nicht geschafft. Und gefährdeten Gruppen fühlen sich nicht mehr so sicher, wie sie es in ihrer Heimat sicher fühlen sollten. Der Staat ist mit seiner enormen Abgabenlast in der Bringschuld, wenigstens für die körperliche Unversehrtheit zu sorgen, wenn sie nachts in dunkle Ecken biegen. Zumindest hätte dieser Staat nicht jeden Feind der westlichen Gesellschaft ein Angebot machen dürfen, nach Deutschland zu kommen. Denn das Gegenteil von offener Gesellschaft hört auf den Namen Willkommenskultur.

Zu meinem Bedauern hat sich in den 10 Monaten vom Anschlag in Reading bis jetzt, nichts getan. Eine echte Debatte fand nicht statt. Die einen haben Angst vor der Wahrheit, die anderen Bedenken, in die rechte Ecke geschoben zu werden. Am Ende ändert beides nichts. Die gleichen Mythen werden gepflegt, die selben krummen Vergleiche gezogen. Auch für den Mord an Thomas reicht die Empörung nicht, um die herrschende Politik zu hinterfragen.

2 Kommentare zu „Schwule Tote stören immer noch“

  1. Der US-Polizist ist noch nicht als Mörder verurteilt worden, bitte ich zu bedenken. Sie unterstellen einen Mord, der noch nicht bewiesen ist. Und was hat George Floyd mit „schwul sein“ zu tun? War der etwa…?

    Wenn sie davon gehört haben, wie Sie schreiben, dass Frau M’s Neubürger, bei Personenkontrollen schlecht behandelt würden, ist das auch zuerst Mal eine Unterstellung, und darüber hinaus, dürfte mittlerweile bekannt sein, das Frau M’s Neubürger Diplomatenstatus haben und Takkya (https://bit.ly/3v2Dz0a) praktizieren. Würden sie nicht lügen, wären sie ja nicht hier.

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  2. Schwule Tote zählen nur, wenn die Mörder weisse rechte(?) Täter sind. Denn nur so lassen sie sich instrumentalisieren. Das gleiche gilt für schwarze Tote. Die meisten Morde an Schwarzen werden von anderen Schwarzen verübt. Schwarze töten in Relation mehr Weisse als umgekehrt. Schwarze werden häufiger von der Polizei erschossen, weil sie häufiger kriminell sind. Spielt alles keine Rolle. Dass in Afrika überall pro 1000 Einwohner mehr gemordet wird als in den USA oder Westeuropa, ist ebenfalls irrelevant. Nur was BLM als Agitprop gebrauchen kann, wird ausgewalzt.

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