Blutspendeverbot ist angewandte Diskriminierung

Von Luca Barakat.

In Deutschland gilt ein Blutspendeverbot für Schwule- und Bi-Männer, die in den letzten 12 Monaten Geschlechtsverkehr hatten. Anfang der 1980er Jahre traten gehäuft Infektionen durch HIV kontaminierten Blutprodukten auf. Seitdem wurden Gegenmaßnahmen, wie intensivere Blutanalysen getroffen, die die Infektionswege minimierten. So weit, so nachvollziehbar. Im Zuge der verständlichen Vorsorge, um die Krankheit AIDS gar nicht erst auftreten zu lassen, fanden massive Grenzüberschreitungen statt.

Im Gesetz steht, dass prinzipiell alle Menschen ab 18 Jahren Blut spenden dürfen, es sei denn es besteht ein konkreter Verdacht oder ein Beweis, dass die spendende Person eine schwere Infektionskrankheit hat. Im Gesetz ist aber auch zu lesen, dass homosexuelle und bisexuelle Männer, die in den letzten 12 Monaten Sex gehabt haben von der Spendenmöglichkeit ausgeschlossen werden.

Anders gesagt: Der Gesetzgeber schließt aus der einfachen Tatsache, dass ein Mann homosexuell ist, per se promisker zu sein als ein Heterosexueller.

Das ist allerdings eine diskriminierende und veraltete Vorstellung: Es lässt sich nicht pauschal sagen, welche sexuelle Form am meisten “schnackselt” und besonders häufig wechselnde Geschlechtspartner hat. So kann es sein, dass eine heterosexuelle Shirin David jede Nacht einen anderen Typen im Bett hat. Andererseits ist es auch möglich, dass ein Schwuler Mann nur einmal in seinem Leben einen Sexualpartner hat, einfach aus dem Grund, dass er mit ihm zusammen ist und immer treu bleibt. Eine Pauschalisierung ist hierbei schlicht unangebracht.

Deshalb ist eine Reform dieses veralteten und zutiefst menschenverachtenden Gesetzes notwendig. Eine Aufhebung der irrsinnigen 12 Monatsregel und sachliche Aufklärung sind dringend erforderlich. Stattdessen sollte der Zeitraum, in dem man enthaltsam sein muss, um Blut spenden zu dürfen auf 4 Wochen verkürzt werden, weil die modernen Tests zum HIV mittlerweile nach einem Monat reagieren und ein genaues Ergebnis liefern können.

Selbstverständlich ist es eine Herabwürdigung für alle schwulen Männer, die gerne dringend benötigtes Blut spenden wollen aber diese Möglichkeit nicht haben.

Diese Gesetzgebung ist ein Lebensverhinderhinderungsgesetz. Menschen sterben, weil andere Menschen nicht spenden dürfen. Wenn wir eine solidarische Gesellschaft wollen, muss der Gesetzgeber auch Solidarität ermöglichen. Das ist eine freiwillige Entscheidung von uns allen. Bürger am Blutspenden zu hindern, weil sie homosexuell sind, verstößt auf eklatante Weise gegen die im Grundgesetz verbriefte Gleichheit vor dem Gesetz.

Diese Regelung ist angewandte Diskriminierung. Doch was noch viel schlimmer ist: Es verhindert, dass Menschenleben gerettet werden. Den Kranken ist es egal, welches Blut sie bekommen.

Es ist endlich Zeit, mehr Leben möglich zu machen und mit einer unbedeutenden Änderung in einem Gesetz den Schutz des Lebens den Stellenwert zu geben, den er verdient.

Luca Barakat ist politischer Aktivist und engagiert sich bei verschiedenen Organisationen und Bewegungen, wie zum Beispiel FridaysForFuture, Klimadelegation oder dem Tierschutzbund. Außerdem ist er Mitglied der Grünen. Zu seinen Schwerpunkten gehören neben Klima- und Umweltschutz Antirassismus und Tierschutz.

2 Kommentare zu „Blutspendeverbot ist angewandte Diskriminierung“

  1. Das sehe ich auch anders und schließe mich dem Kommentator nouseforislam an.

    Was aber an Blutspenden viel wichtiger ist, ist die Tatsache, dass die Einsammler von Blutspenden, ich will jetzt keine Namen nennen, Sie kennen sie alle, an unseren Spenden pro halben Liter Blut 400 € verdienen. Sie bekommen das Geld von den Krankenhäusern bzw. von den Krankenkassen.

    Wie nennt man sowas eigentlich? Ist das Hehlerei oder was ist das?

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