Offener Brief an Georg Restle

Von Julian Marius Plutz.

Lieber Herr Restle,

wie gerne würde ich mit „Sie kennen mich“ beginnen. Das klingt so schön jovial und irgendwie auch souverän. So gewann Angela Merkel, aber auch Winnie Kretschmann die Herzen der Urnengänger, die peu a peu zu Urnenträgern wurden.

Aber, so leid es mir tut und so sehr ich mich strecke: Sie kennen mich nicht. Dafür kenne ich Sie, denn ich bezahle Sie. Wie Millionen Menschen auch, denn Sie sind beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk angestellt. Das ist sicher nicht das Hauptproblem. Es kommt jedoch erschwerend hinzu, wenn wir zu dem Grund dieses Briefes kommen. Doch dazu später mehr.

Warum ich ich Ihnen schreibe ist ein Tweet, den Sie verfasst haben. Und der geht so: „Neonazis und „Querdenker“ gerieren sich als Helfer in den Hochwassergebieten und gefährden dabei die Arbeit der wahren Helfer vor Ort. Eine alte Strategie von Rechtsextremisten: „Konsensfähige“ Themen besetzen, um in die Mitte der Gesellschaft vorzudringen.“ Hierzu habe ich ein paar Fragen:

1. Bevor Sie Helfer, oder wie Sie sagten würden, Helfende verurteilen: Was ist Ihr Beitrag zum Hochwassergeschehen? Und sagen Sie bitte nicht, dass Sie mit aufklärerischen Sendungen bei Ihrer Sendung „Monitor“ glänzen. Inwiefern helfen Sie mit, die schweren Schäden zu beheben. Wann waren Sie als Helfer vor Ort, so dass sich diese Aussage rechtfertigen ließe?

2. Der Tweet enthält keine Quellen. Das muss es auch nicht, oftmals reichen die Zeichen hierfür nicht aus. Daher die Frage: Wie viele „Neonazis“ haben Sie denn dort gesehen? Wurde ihnen ein Gesinnungstest unterzogen?

3. Laut einer Untersuchung wählen „Querdenker“ in der Mehrzahl die Grünen. Sie stellen diese in eine Reihe mit „Neonazis“. Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie Anhänger der Grünen so schlimm finden, wie Anhänger der NPD?

4. Sie nutzen das Wort „gerieren“. Laut Oxford Languages (einfache Google Suche) meint dieser Begriff „sich aufführen; auftreten, sich als jemand, als etwas zeigen“. Führen sich die bislang Quellenlagen Neonazis als Helfer auf? Oder führen sie etwas auf?

5. Das Beispiel im genannten Wörterbuch für „gerieren“ lautet:“ Die Terroristen gerierten sich als Kämpfer für soziale Gerechtigkeit“. Ist es das, was Sie ausdrücken wollten?

6. Gesetz dem Falle, wir haben es mit Neonnazis unter den Helfern zu tun: Inwieweit ist das relevant? Sollte man einen rechten Sandsack ablehnen? Fragen Sie, wenn Ihr Haus brennt, erst mal den Feuerwehrmann, was er wählt? Und schicken Sie ihn dann wieder nach Hause, wenn Ihnen die Antwort nicht passt?

7. Ist dieser Tweet ein Beitrag gegen den „Neutralitätswahn“ und für mehr Haltungsjournalismus, den Sie propagieren?

8. In diesem Moment helfen ehrenamtliche Helfer beim Aufräumen, die bereit sind, in ihren Autos zu schlafen, oder mit der Iso-Matte in irgendeinem Hausflur. Solche Aussagen sind für sie Schläge ins Gesicht. Oma Erna wird die Gesinnung der Helfer völlig egal sein. Sie möchte einfach wieder zurück in ihr Heim. Wie erklären Sie diesen Leuten Ihre Aussage?

9. Nicht falsch verstehen: Natürlich dürfen Sie twittern, was Sie wollen und natürlich auch als Mitarbeiter der ARD. Ich betone diese Selbstverständlichkeit, damit Sie mir keinen Strick daraus drehen. Es geht nicht um die Freiheit der Presse.

Dennoch sei die Frage erlaubt, inwieweit dieser Tweet, es ist bei Leibe nicht der Erste in dieser Form, noch etwas mit Journalismus zu tun hat, oder bereits Aktivismus ist. Immerhin ist ihr Profil mit blauen Haken versehen, sie sind also besonders exponiert. Ebenso ist das Logo Ihrer Sendung zu sehen. Ist das also der Journalismus, den Sie meinen?

Inzwischen haben Sie die Aussage noch einmal untermauert. Ich gehe also nicht davon aus, dass der Tweet ein „Ausrutscher“ war, was es umso schlimmer macht. Für die Helfer, die In Teilen Urlaub für die Aufräumarbeiten genommen haben, ist dieser Tweet ein sehr schlechter Scherz. Von jemandem, der von Haltung und Werte spricht, erwarte ich mehr. Eigentlich erwarte ich von jedem mehr, der sich Journalist nennt, selbst wenn er längst zum Aktivist geworden ist.

6 Kommentare zu „Offener Brief an Georg Restle“

  1. Restle ist kein Journalist. Er ist höchstens ein Journalistendarsteller. Und er ist ein Hetzer und Spalter. Und er ist ein arrogantes A…..loch. Typen wie er ziehen einen ganzen Berufsstand in den Schmutz. Und was verschlimmernd dazukommt, ist die Tatsache, dass er auch noch von uns finanziert wird, dieser Parasit.

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  2. Ich frage mich bis heute, ob es eine gute Entscheidung war, dass ich doch nicht Journalismus studiert habe wie ich es erst vorhatte. Einerseits hätte ich es vielleicht besser machen können als solche Leute wie Restle, anderseits stellt sich die Frage, in wie weit man als Journalist mit rechtsliberaler Einstellung überhaupt eine Chance hat. Auf jeden Fall muss „Journalismus“ wie der von Restle angegriffen werden, wo es geht. Also natürlich nicht physisch, aber in Wort und Schrift.

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  3. ARD/ZDF/Restle ist nicht „Presse“, es ist ist Rundfunk, mit anderen Rechten als die „Presse“. Restle hat keine „Pressefreiheit“ sondern es gilt der Rundfunkstaatsvertrag. Wie oft muss uns Danisch das noch erklären.

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