RKI bereitet nächsten Lockdown vor

Von Julian Marius Plutz.

Manche Dinge, die eigentlich als wichtig erachtet werden sollten und man darüber berichten muss, gehen unter. Ja. Das muss nicht unbedingt etwas mit Medienversagen zu tun haben, obschon viele Mainstream-Medien genau das machen, was dem Wortsinn entspricht: Sie schwimmen mit dem Strom. Dabei sind abweichende Meinungen nicht selten im Weg. Und so tun Journalisten das -gottlob nicht alle- was man „Lügen durch Weglassen“ nennt. Worüber nicht geschrieben wurde, ist nicht passiert. Und was niemals geschehen ist, kann die herrschende Meinung auch nicht ändern.

Ein anderer Grund könnte darin liegen, dass wir alle über einem mentalen und emotionalen Haushalt verfügen. Ist dieser aufgebraucht, endet die Aufnahmefähigkeit. Angesichts der kaum vorstellbaren Bilder aus dem Hochwassergebieten, die uns Medien, aber auch tapfere Helfer vorführen, ist das völlig verständlich.

Das RKI geht von steigenden Zahlen aus

Und so ist es kein Wunder, dass dieses pdf zwar für jedermann einsehbar ist, allerdings in der Berichterstattung auf wenig Aufmerksamkeit stieß. Was jedoch dann doch erstaunt, denn legitimiert die Veröffentlichungen des Robert-Koch-Instituts vom 22. Juli im Voraus einen nächsten Lockdown. Konkret für den Zeitraum Herbst/Winter 2021. Vorauseilende Freiheitseinschränkung, totalitäre Politik in spe.

So schreibt das RKI in Punkt 3 deutlich, wohin die Reise in diesem Pamphlet gehen wird:

Aufgrund eines wahrscheinlichen Anstiegs der Fallzahlen sollte die aktuell entspannte Infektionslage jetzt genutzt werden, um präventive Maßnahmen für den Herbst und Winter vorzubereiten, sodass die Anzahl schwerer Krankheitsverläufe, Todesfälle (…) minimiert werden können.

Das Robert-Koch-Institut geht bereits jetzt von steigenden Zahlen aus. Sie nutzt dazu verschiedene Szenarien einer Modellrechnung, die mit einer Vielzahl von Annahmen auskommen muss, was ein enormer Unsicherheitsfaktor darstellt. Denn jede zusätzliche Voraussetzung, die nicht änderbar ist, macht das Ergebnis ungenau.

Das weiß auch das RKI. Dass in der Corona-Krise Modellierungen zunehmend an Bedeutung gewinnen, obwohl es gleichzeitig immer mehr Erhebungen gibt, die die vergangenen Maßnahmen als wenig zielführende erachten, erstaunt und lässt tief blicken, inwiefern sich die Bundesregierung überhaupt noch in der Lage ist, sich unbefangen zu beraten.

Individuelles Risiko gegen kollektive Strafen

Maßnahmen müssen also präventiv, also jetzt getroffen werden, um COVID-Tote zu verhindern. Und wer sich nicht daran hält, trägt Mitschuld am Sterben der Menschen. Ist der Vorwurf erst moralisiert, kommt der Gegenüber erst gar nicht mehr aus der argumentativen Zwickmühle. Schlechte Menschen haben bekanntermaßen stets unrecht.

Und so sieht das RKI als wichtigsten Punkt, um harte Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen und der Dinge mehr zu verhindern, die Impfung. Unabhängig, wie man zur COVID-19 Impfung steht, sei folgendes zu beachten: Bei der Gabe eines Vakzins handelt es sich um einen medizinischen Eingriff. Dieser hat Nebenwirkungen. Die allermeisten sind harmlos, andere jedoch nicht. Und selten, aber es kommt vor, sterben an einer Impfreaktion Patienten.

Das heißt: Menschen haben sich einer gewissen Gefahr auszusetzen, um präventiv Maßnahmen wie ein Lockdown zu verhindern. So hat die individuelle Entscheidung über einen medizinischen Eingriff, präziser gesagt die Entscheidung gegen den Eingriff die Folge kollektiver Bestrafung. Der einzelne wird, wenigstens moralisch, gezwungen, ein medizinisches Risiko einzugehen, damit die Gesellschaft von drakonischen Maßnahmen verschont wird. Ein Vorgehen, dass einer Demokratie unwürdig ist und ein Novum in der Bundesrepublik darstellt.

Die Begründung für den Lockdown steht

Ein weiteres Argument, um wiederum drakonische Maßnahmen zu verhindern (das ist genau die Logik des RKI) ist das Einhalten von AHA+A+L (Abstand, Hygiene, Alltag mit Maske, Corona-Warn App, Lüften) ab jetzt und bis in den Winter. Wer sich also über maskenfreies Bahnfahren oder Einkaufen freut, dürfe sich noch gedulden müssen, wenn man zaghafte Versuche einzelner Bundesländer abzieht.

Die Liste der Forderungen reißt nicht ab. Beschränkung der Reisefreiheit, Reduzieren der Kontakte, Home-Office (wohl am liebsten verpflichtend) u.v.m. Einen besonderen Fokus legt die Behörde jedoch auf die Kinder. Da Kinder seltener oder gar nicht geimpft sind, gelten sie laut der RKI Logik als besonders gefährdet. Eine zentrale Forderung in dem Papier ist daher das Ausbauen digitaler Lernmethoden.

Auch wenn die Veröffentlichung an nur ein einziges Mal das Wort „Lockdown“ verwendet, geht aus den Formulierungen eben genau das hervor. Warum sonst sollten digitale Lernmöglichkeiten für Schüler ausgebaut werden, wenn man sich nicht auf die nächste Episode Fernunterricht vorbereiten möchte. Das hätte erneut fatale Folgen, weiß man doch vom letzten Lockdown um die verheerenden Folgen von „Home-Schooling“.

Entkopplung von Volk und Regenten

Doch das RKI wäre nicht die Behörde, die am Spahn Ministerium angeschlossen ist, wenn es nicht mannigfaltige Gründe für einen möglichen Anstieg der Zahlen liefert. An erster Stelle, das griechische Alphabet hat noch ein paar Buchstaben: Die Varianten. Höhere Ansteckung, schwererer Verlauf, vorhandene Immunität etc. Und da es so sicher ist, wie das Amen in der Kirche, dass Viren mutieren, wird Sars-Cov-X auch viele Enkel und Urenkel hervorbringen, was wiederum drakonische Maßnahmen rechtfertigt. Das Perpetuum Mobile totalitärer Politik mit demokratischen Antlitz ist im vollen Gange.

Die Planung des nächsten Lockdowns steht. Das RKI hat die Begründung dafür bereits ausformuliert. Ob Mutante, mangelnde Impfbereitschaft oder vermeintliche Überlastung in Krankenhäusern. Im Zweifel findet sich immer ein Grund, um Freiheitsrechte einzuschränken. Die totale Entkopplung von Volk und Regierung, von Eliten und normalen Leuten dürfte sobald vervollkommnet sein. Politiker und gewogene Virologen haben das bekannte Zitat von Robert Koch, „Ich lasse nicht locker“, schlicht falsch verstanden haben.

2 Kommentare zu „RKI bereitet nächsten Lockdown vor“

  1. Lieber Herr Julian Marius!
    Ihr Bericht ist eine sehr einseitige Interpretation der RKI Veröffentlichung. Sie gehen automatisch von der Ankündigung eines Lockdowns aus. Das ist eine sehr willkürliche Auslegung von „Präventivmaßnahmen“. Präventivmaßnahmen können auch z.B. in Schulen Belüftungssysteme, Halbierung der Klassen sein. Und was ist gegen eine bessere digitale Versorgung zu sagen ? Wir leben in einer Welt in der die Digitalisierung zum Alltag gehört und somit Gott sei Dank Einzug in die Schulen gehalten hat. Da muss man nicht automatisch von Online-Unterricht ausgehen.
    Auch was ist so schlimm an den AHA-Regeln? Hände waschen tut doch nicht weh und sollte eine Selbstverständlichkeit sein und das bisschen Stoff im Gesicht hat bekanntermaßen im letzten Winter zu weit weniger Infektionskrankheiten geführt als dies in den Jahren zuvor (die Asiaten machen uns dies seit Jahren vor), ganz davon abgesehen dass es ein kleiner Schutz gegen Covid 19 ist.
    Was die Impfung anbelangt: sicher, es gibt Nebenwirkungen. Der größte Teil davon ist verkraftbar, ein zwei Tage , vielleicht drei mal Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, auch mal Übelkeit oder Fieber. Aber das ist der Weg in die Normalität und, ja, hat auch etwas mit Gemeinsinn und Solidarität zu tun. Ich tue etwas für mich und für die Gemeinschaft und ganz nebenbei sorge ich auch dafür, dass das Virus nicht weiter mutiert und vielleicht mal eine Variante hervorbringt, gegen das die Wissenschaftler machtlos sind.
    Zum Schluss noch etwas zu Ihrer Bemerkung zu den „Mainstream-Medien. Ich würde mir nicht anmaßen, dies als „mit dem Strom schwimmen“ zu titulieren. Warum glauben Sie, dass nur Sie den richtigen Blick auf das Geschehen haben?

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