Keine Zeit für Heldenstücke

Von Julian Marius Plutz.

Ich habe es aufgegeben. Ich habe mich gegen COVID-19 impfen lassen. Biontec-Pfizer. Wofür Widerstand leisten, wenn die Widerstände zu Zumutungen mutieren, die unzumutbar werden. Denn so entwickelte es sich. Die Mutanten des gesellschaftlichen Drucks haben soziale Ächtung, Ausgrenzung und Schuldzuweisungen als Symptome und ich bin es leid, ständig krank zu sein. Während ich den Besuch des Virus, als gäbe es nur das eine, vermutlich nicht einmal merken werde, schmerzt der Arm. Nicht so tragisch, aber immerhin. Aber ich wollte es ja so.

Willkommen im Impfkino

Sodann ging ich ins Kino, denn da kann man sich impfen lassen. Nach einer kurzen, maskierten Wartezeit stehe ich am Tresen. Neben mir sehe ich ein Werbeplakat vom neuen James Bond. „Keine Zeit zum sterben“. Das ist wohl auch das Motto der Kampagne. Neben mir steht ein Mann mit Rucksack, der laut eigenen Angaben nur kurz in Deutschland ist und weiter nach Polen will. Da braucht er schnell Johnson&Johnson. Den Nachnamen liest die Impfangestellte laut vor. Datenschutz, so wichtig. Die Situation ist so grotesk, dass ich lachen muss. Ist das wirklich alles wahr?

Der Aufklärungsarzt, die zweite Station, kann mir keine genaue Auskunft über die Nebenwirkungen geben. Und die Impfärztin fragte als einziges, in welchen Arm ich gerne das Vakzine hätte. „Links, bitte.“. „Ok“. Ein Pieks, das war’s. „Bleiben Sie noch 10 Minuten sitzen“. Nach 20 Minuten war alles vorbei. Die Atmosphäre war für einen medizinischen Eindruck schlicht unwürdig. Alles wirkte unecht. Wie im Kino eben. Eine Kulisse, viele Schauspieler und ich als Statist.

„Wie kannst du nur mit so vielen Leuten zusammensitzen“, hörte ich im vergangenen Jahr immer wieder, als ich zugab, wie konnte ich nur, mit sechs oder sieben Leuten in einer der Prohibitionskneipen gesellig den Abend verbrachte. Das war ja zu der Zeit verboten. Und Verbote wie Befehle hält der Deutsche ein, so unsinnig sie auch sind. Das Land, das in nicht einmal 100 Jahren zwei Diktaturen errichtete und aufrecht erhielt, beweist wieder einmal, dass es wenig aus der Malaise des Rechtspositivismus gelernt hat. Die einzige Lehre aus der Geschichte ist, dass niemand etwas daraus lernt.

Bedenken werden weggewischt

Nun kann mein Umfeld, so wie die Gesellschaft aufatmen. Ich bin, nach der zweiten Impfung spätestens, nun kein Omamörder mehr. Und ich bin jetzt auch solidarisch. Die Leute, die ständig mit diesem Begriff kommen, würde ich gerne fragen, ob sie in Zeiten der Berufsverbote zum Beispiel einen Musiker unterstützt haben. Das wäre nämlich ein Akt, den das kaputt geschwafelte Wort „Solidarität“ einen Hauch an Bedeutung verleiht. Ich bin durch die Injektion so solidarisch, wie davor. Es zeigt sich, Stichwort Münster, dass sich auch Geimpfte anstecken können.

Geht es darum, einen schweren Verlauf unwahrscheinlicher zu machen, so kann ich nur eines dazu sagen: Das ist mein Ding. Meine Gesundheit, mein Leben. Geht es um die Krankenbettauslastung? Auch da geht es fix: Die Verweildauerdauertage von Menschen, die positiv auf das Sars Virus getestet werden, lag bei weniger als 2% also mehr als 98% aller Zeit in Deutschlands Kliniken waren Patienten aus anderen Gründen, als der Pandemie stationär behandelt gewesen. Auch daran kann es nicht liegen.

Doch woran dann? Warum erhöht man den Druck? 3G, 2G, 1G. Weshalb müssen bald Arbeitnehmer, die nicht geimpft sind aber positiv auf das Virus getestet sind nicht nur in Quarantäne, sondern bekommen den Ausfall nicht bezahlt? Und weshalb gilt das für Beamte womöglich nicht? Warum ignoriert die Politik die gesundheitlichen Bedenken von Maskentragens seitens Ärzte und Therapeuten, aber auch die der Gesellschaft für Krankenhaushygiene, was das Tragen von FFP2 Masken angeht (auch von Erwachsenen)? Immerhin plant Schleswig-Holstein die Maskenpflicht in den Schulen aufzugeben.

Abschied vom Individualismus

Auf diese Fragen bekommen wir Quertreiber keine Antwort. Aber ich bin nun keiner mehr. Ich schwimme mit dem Strom. Weil ich will, wie der Junge in dem Film „eine andere Freiheit“ dass es vorbei geht. Ich brauche meine Kraft woanders. Und die Tatsache, einen nahen Angehörigen im Krankenhaus nicht besuchen zu können, weil ich nicht geimpft bin, könnte ich mir nicht verzeihen.

Ich bin weiß Gott kein Held. Diese Zeit hat keinen Platz für Heldenstücke. Wenn der Widerstand zur Zumutung wird, kann keiner vom Einzelnen erwarten, sich ewig dagegenzustemmen. Die Krise zeigt, dass der Individualismus der Politik egal ist. Dieses Land, das ich so gern habe, hat in diesem Punkt versagt. Es gibt kein richtiges Leben im falschen, heißt es. Und es gibt keinen Individualität im ausufernden Kollektivismus. Helden mögen andere sein. Ich bin raus.

7 Kommentare zu „Keine Zeit für Heldenstücke“

  1. Die einzige „Impfung“ die ich mir geben lasse kommt von oben und trennt mein Haupt vom Rumpf, danach kan ich niemand mehr gefährden und bin Immun gegen ALLE Erreger die mich thätten töten können.

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