Endlich progressiv: Im Uniklo gibt es Menstruationsarikel gratis

Von Julian Marius Plutz.

Passau und Regensburg haben trotz einer gewissen Distanz einiges an Gemeinsamkeiten. So finden Sie sich in der gleichen Sprachfamilie wider – trotz beträchtlicher Unterschiede. Während der oberpfälzer Dialekt oftmals an Urlaute aus der vorverbalen Zeit des Menschen erinnert (vgl. das „ou“), so wird das Niederbayerische Jenseits von Neureichenau, Landshut und Straubing dialektal und intellektuell vor allem vom Hubert Aiwanger repräsentiert. Ob dies dem Ansehen der Region schadet, oder eher weniger hilft, darf der Leser für sich entscheiden.

Die beiden Städte, Regensburg und Passau, teilen aber auch neuerdings etwas ganz anderes. Ihre progressive Ader. Ja! Denn die Hochschule beider Orte sollen nun ab diesem Semester kostenlose Menstruationsartikel an ihren Universitäten anbieten. Denn, wie wir alle wissen, ist „Menstruation (…) teuer und von Scham besetzt“ (lesen Sie hier: Link.)

Die Ziele der Universitäten sind völlig klar. „Studentinnen“ sollen „finanziell entlastet und das Thema Menstruation enttabuisiert“ werden. Und das Schöne dabei ist: „Wird das Angebot in diesem Semester gut angenommen, haben beide Unis vor, alle Toiletten mit Menstruationsartikeln auszustatten.“ Die Kosten für diese Aktion tragen, na klar, die Gleichstellungsreferate. Inwieweit und ob dies bei den Herrentoiletten ausgeglichen wird, vielleicht mit Ratgeber zur späteren Prostatauntersuchung, oder einfach kostenlose Kondome, ist noch unbekannt.

Der ASta ist in seinem Element

Die Initiative geht völlig überraschend vom Allgemeinen Studierendenausschuss, (ASta) aus. Was wie ein leicht falsch geschriebenes Kultbier klingt, ist in Wahrheit die Speerspitze universitären Fortschritts. So lehnt dieser generell Studentenverbindungen ab, weil Nazikram, machen sich für Berufsverbote unliebsamer Professoren stark, weil Naziprof. oder sprechen sich per se gegen Atomenergie aus, weil Nazi-Energie. ASta ist ein Hort des sympathischen Studentenaktivisten, der von politischer Pluralität nur so strotzt. Eben progressiv.

Aber weil die oben genannten Aktionen bei Weitem nicht ausreichen, Ungerechtigkeiten lauern überall, muss gegen „Menstruationsarmut“ vorgegangen werden. Genau das ist das Ziel. „Menstruationsprodukte gehören zum täglichen Bedarf. Seife gibt es auch kostenlos von der Uni. Die Spender sind eine kleine Geste, die im Alltag spürbar ist.“ Ich denke, damit sind die wesentlichen Probleme auf dem deutschen Campus. ausgeräumt. Und wenn die Seife kostenlos ist, dann sollte der ASta auch zum Studenten in die Butze kommen, wenn der Wasserhahn tropft oder der Klodeckel ausgetauscht werden muss. Fair ist fair!

Geld verteilen gegen Armut?

In Toiletten, die wie die sanitären Einrichtungen im Würzburger Hauptbahnhof um 1995 aussehen, gibt es für die Dame endlich die passenden Artikel für das politisch korrekte Gefühl. Endlich progressiv, endlich wieder eine Gruppe, der man helfen kann. Wobei ich die Dame erst mal kennenlernen möchte, die freiwillig Hygieneartikel für ihre Tage aus dem Uniklo nimmt. Aber die fortschrittliche Frau von heute könnte das in den beiden fortschrittlichsten Hochschulen tun, wenn sie es wollte.

Wie jedoch das Wort „progressiv“ in Verbindung mit Passau zusammengeht, bleibt grundsätzlich rätselhaft. Denn nach der sogenannten Dreiflüssestadt, das so heißt, wegen der drei Flüsse, kommt in Sachen Katholizismus in Bayern, bis auf Altötting, an keine andere Stadt heran. Passau ist so katholisch, wie Guido Maria Kretschmer homosexuell ist: Offenkundig, was auch gar kein Thema ist. In Passau, so sagen die Leut‘, ist man nicht katholisch. Man wird dazu gemacht, bis es aus den Ohren wieder herauskommt. Das progressivste an der Stadt waren lange Zeit die regelmäßigen Seminare, auch mit praktischem Teil, zum Thema Exorzismus.

Symbolpolitik geht vor

Heute gibt es kostenlose Binden gegen die „Menstruationsarmut“. Wegen mir. Wegen mir können die Unis auch kostenlose Steaks verteilen gegen die „Hungersarmut“, oder Werke von Wolf Schneider und Ödön von Horvath gegen die Armut von Studenten und Studenten, leserliche Sätze bauen zu können. Die Universitäten können auch einfach Geld verteilen, um die Armut als solche zu bekämpfen. Aber dass ein Tag lang die zweitwichtigste Meldung im Hörfunkanbebot des bayrischen Rundfunks ist, dass die Uni Binden spendiert, sagt viel aus über den Zustand des öffentlich-rechtlichen Funks.

Vielleicht berichtet BR24 ja auch wieder über wichtigeres. Und vielleicht tun Unis das, wofür sie da ist und was deutschen Hochschulen offenkundig am schwersten fällt: Keine politische Vorpräge-Anstalt zu sein und sich stattdessen sich um eine anständige Ausbildung zu kümmern.

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