Mildes Urteil nach jugendlicher Gewalt

Von Julian Marius Plutz.

Weidenpesch liegt im Bezirk Nippes der Stadt Köln. Die Metropole, die bunt ist und wie die eine ist, die immer lacht. Außer es gibt nichts zu lachen, wenn Jugendliche einen Obdachlosen halb tot treten. So geschehen vor mehr als zwei Jahren. Eben in Weidenpesch.

Offenkundig kam es zwischen dem stadtbekannten Stadtstreicher und zwei Jugendliche zum Streit. Plötzlich trat einer der Täter das Opfer wie aus dem Nichts gegen den Kopf. Aus dem Stand. Der 68-Jährige wurde sofort bewusstlos und schlug hart auf den Boden auf. Doch damit nicht genug: Dem Mittäter scheint die Szenerie so sehr zu amüsieren, dass er lachend auf den am Boden liegenden Stadtstreicher lief und ihn in die linke Körperseite trat. Das Opfer musste anschließend in der Intensivstation behandelt werden und lebt heute in einem Pflegeheim.

Die Täter werden jünger und brutaler

Nun, zwei Jahre später, erfolgte das Urteil. Am vergangenen Mittwoch nun sind die beiden Täter, die damals 15 Jahre alt gewesen waren, am Amtsgericht zu Köln schuldig gesprochen worden. Einer der Angeklagten wurde wegen schwerer Körperverletzung zu eine Jugendstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt und der Zweite verwarnt. Zusätzlich müssen beide jeweils 30 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten leisten.

So glimpflich kommt man offenkundig davon, wenn man Gewalttaten verübt. Während GEZ- Verweigerer über Monate im Gefängnis verharren müssen, genügt sich das Kölner Amtsgericht mit Bewährungsstrafen und Verwarnungen. Das Opfer, das Jean-Pierre heißt, hatte es ohnehin nicht leicht. Nun ist er für das Leben gezeichnet, ein Pflegefall im Rollstuhl. Er kann seinen Alltag nur mit professioneller Hilfe in einer stationären Einrichtung bewältigen.

Schon vor Jahren warnte die inzwischen verstorbene Jugendrichterin Kirstin Heisig vor Straftaten von Jugendlichen. Die Täter, so die geborene Krefelderin, werden jünger und brutaler. Zwar gibt die Kriminalstatistik keine eindeutige Steigerung der Taten – und wenn dann nur partiell – her. Doch die Endlichkeit der Statistik beginnt in der Unmöglichkeit, die Brutalität zu messen. Laut Heisig, aber auch anderen Experten nimmt diese bei Jugendlichen zu. Und nicht selten erscheinen die Urteile für den Außenstehenden als recht mild. Und wie erwähnt: Die Täter werden jünger.

Viele Einzelfälle lassen ein Muster erkennen

Essen, 2021. Ein gehbehinderter Mann wird von einem 16-Jährigen grundlos so stark misshandelt, dass er an den Folgen der Verletzungen stirbt. Mehr als 16 mal trat der Junge Mann auf den schlafenden Obdachlosen ein. Er wurde nun zu drei Jahren und zwei Monate Jugendknast verurteilt.

Waibstadt, 2020. Ein 16- und ein 15 Jähriger zünden eine Tonne vor einem Wohncontainer an, in dem ein 61-Jähriger Obdachlose schläft. Sie sollten ihm „einen Schrecken einjagen“. Der Mann stirbt und die beiden werden zu fünf Jahre bzw vier Jahre und und drei Jahre Gefängnis verurteilt.

Kamp-Lintfort, 2014. Vier 16- bzw. 17-Jährige töten „aus Langeweile“ einen wohnungslosen Mann. Er hatte keine Chance zu entkommen. Opfer ist tot, Täter kommen mir Bewährungsstrafen davon.

Simbach, 2020. Ein 16- und ein 18 Jähriger treten einen 59-Jährigen Obdachlosen zu Tode. Die beiden wollten aus einer „aggressiven Laune“ heraus eine Person „aufmischen“. Immerhin hier ein vergleichsweise hartes Urteil, was jedoch mit einer anderen Tat zusammenhing.

Politik muss handeln

All diese Beispiele, es gäbe noch viele mehr, sind Hinweise für eine wachsende Gefahr. Gerade die Taten gegen Obdachlose steigen an. Doch das Problem ist, dass die Statistiken nur einen Teil der Realität abbildet. Viele Taten werden nicht angezeigt, andere in der Polizeistatistik falsch eingeordnet. Das verzerrt das wahre Bild zusätzlich.

Politik muss sich endlich aufgefordert fühlen, das staatliche Sicherheitsversprechen einzuhalten. Und die Richter, wie im Fall von Weidenpesch müssen sich fragen, ob sie mit solchen milden Urteilen das richtige Signal setzen. Denn vom Volke geht das Urteil aus. Und wenn die Menschen die Richtersprüche nicht mehr nachvollziehen können, zerstört das Vertrauen in den Rechtsstaat.

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