Mit Tilmann in den Untergang

Von Julian Marius Plutz.

Mit gequältem Lächeln und einem unsicheren Blick linst er in die Kamera. Es ist viertel nach Acht und es läuft die gleichnamige Sendung auf Bild TV. Zu Gast ist Tilmann Kuban, seines Zeichens Chef der Jungen Union. Sein Ziel: Er möchte etwas verteidigen, was kaum zu verteidigen ist: Die CDU.

Acht Prozent hat die Union bei der Bundestagswahl 2021 verloren. Ebenso viel wie 2017. Damals noch meinte Angela Merkel, sie könne nicht erkennen, was sie hätte anders machen sollen. Das ist 2021 anders. Mit Tilmann. Der Mann aus Langenhagen, wo immer das auch ist, redet von Aufbruch. Von Erneuerung. Frische Köpfe, die frischen Wind mitbringen. Und immer dieses „wir“. „Wir müssen“, weil „wir können“, denn wenn „wir nicht könnten“, dann „würden wir ja nicht wollen“. Um die Menschen „abzuholen“, muss man sie zunächst „mitnehmen“. Wohin weiß keiner. Am wenigstens Herr Kuban selbst.

Er ist, neben Philipp Amthor der Beweis, dass „jung sein“ kein Programm ist. Tilmanns Jahrgang mag 1987 sein, doch rhetorisch ist der JU-Vorsitzende bereits Pensionär. Zu Tode etabliert hangelt er sich wie Orang-Utans von Liane zu Liane, von der einen, zur anderen Floskel. „Die Junge Union wird sich positionieren, wenn man das Kandidatentableau kennt“, so Kuban, denn der „ Deutschlandtag wird ein Wochenende des Aufbruchs werden“, ergänzt der Politiker im stolzen Wissen, er habe gerade Future 2 verwendet. „Raus“ müsse die Union aus „der alte Denke“, ohne zu formulieren, was denn die Neu sei, fordert er ebenso, wie wie eine „Debatte um das Grundsatzprogramm der Union“. Denn die Union stehe „am Scheideweg“ zwischen „Volkspartei“ und „Versenkung“.

Einbahnstraße kombiniert mit Sackgasse

Wenn Herr Kuban Teil dieser Erneuerung ist, dann kann die Union getrost einpacken. Er spricht wie ein fertiger Funktionär. Seine Floskeln entstammen aus dem Setzkasten für politische Einfaltspinsel: Bloß nicht zu viel aussagen, auf keinen Fall anecken. Tilmann ist so austauschbar wie Saisonreifen. „Politiker für Dummies“ kennt er in- und auswendig. Der massige Körper, eingesperrt in einem viel zu kleinem Intellekt, tingelt durch die Talkrunden und den Gazetten, um die Bedeutungslosigkeit der Union zu präsentieren.

Jeder einzelne JU-Fanboy muss sich fragen, ob er den heillosen Untergang der Mutterpartei weiter begleiten möchte. Denn Kuban repräsentiert genau das. Ranziger Wein in neuen Schläuchen. Der Wähler wird merken, dass sich durch solche Politikerdarsteller nichts ändern wird. Und folgerichtig wird bei der nächsten Wahl das tripple gefeiert: Zum dritten mal 8% verloren. Glückwunsch. Mit Tilmann geht es in den Untergang. Nix mit „Scheideweg“. Hier handelt es sich um eine Einbahnstraße kombiniert mit einer Sackgasse. Kuban wird weiter kämpfen und die Union wird weiter verlieren. Bis die Basis aufwacht, wird es zu spät sein. Und das ist irgendwie auch gut so.

3 Kommentare zu „Mit Tilmann in den Untergang“

  1. Das deutsche Parteiensystem ist durch. Bolschewisten und Kommunisten bei der SPD, Ökofaschisten bei den Grünen, Stalinisten bei der Linken, Rechtsradikale bei der AfD, orientierungslose auf Merkel dressierte Unionisten, entliberalisierte FDPler. Brauchen wir die alle? Oder könnte es schlimmer werden ohne diese Figuren?

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