Paul Breitner und die schwarze Pädagogik

Von Luca Tannek.

Banalste Alltagsgegenstände wie Kochlöffel oder Gürtel kennt jeder. Mit dem Kochlöffel koche ich mein Abendessen. Mit dem Gürtel sorge ich dafür, dass die Hose nicht rutscht und niemand auf den Verdacht kommt, dass ich kaum Hosen in meiner Größe besitze. Der tatsächliche Nutzen dieser beiden Gegenstände war aber nicht immer so banal und emotionslos. So manches Kind der Nachkriegszeit ist wahrscheinlich bis heute traumatisiert.

Denn vor nicht allzu langer Zeit galten Kochlöffel und Gürtel noch als Erziehungshilfe. Instrumente schwarzer Pädagogik. Kinder wurden mit aller Gewalt und ohne Rücksicht auf Verluste zum Gehorsam erzogen. Oder wie die polnisch-schweizerische Psychologin Alice Miller in ihrem Buch „Evas Erwachen“ feststellt: „Unter der ‚Schwarzen Pädagogik‘ verstehe ich eine Erziehung, die darauf ausgerichtet ist, den Willen des Kindes zu brechen, es mit Hilfe der offenen oder verborgenen Machtausübung, Manipulation und Erpressung zum gehorsamen Untertan zu machen.“

Die Bayernlegende gibt sich die Ehre

Dieser Erziehungsstil ist weitstgehend in Deutschland ausgestorben. Trotzdem lebt sein Geist in so manch prominenter Person weiter.
Vergangenes Wochenende war es wieder so weit. Der „Sonntags-Stammtisch“ wurde auf BR24 gesendet. Regelmäßig geht es in der Talkshow um aktuelle Themen, diesmal auch um Sport, explizit dem deutschen Profi-Fußball. An den mit kaltem Weißbier servierten Einzeltischen durften sich diesmal folgende Gäste setzen: Die Grünen-Politikerin Jamila Schäfer, die Politikwissenschaftlerin Ursula Mönch, der Verkehrswissenschaftler Tilman Schöberl und die Legende des FC Bayern, Ex-Profi Paul Breitner.

Breitners Anwesenheit war kein Zufall. Schließlich musste auch er seine Kritik zu Joshua Kimmichs Nicht-Impfung äußern, nachdem etliche Journalisten, Politiker und „Ethik“-Ratsmitglieder sich an dem jungen Fußballspieler festbissen wie Hyänen an einem verletzten Elefanten.

Impfverweigerer betriebenvorsätzliche Körperverletzung

„Also grundsätzlich hat das mit einer Vorbildfunktion überhaupt nichts zu tun. Sondern es geht um ihn.“ Mit diesen beiden Sätzen beginnt Breitner seine Stellung. Mein erster Eindruck war tatsächlich entspannt, als ich das hörte. Einerseits fand ich dieses Vorbild-Gedöns ohnehin von einigen Medienschaffenden unerträglich, vor allem, weil sie sich selbst die Autorität nahmen zu entscheiden, wann Kimmich diese Vorbildfunktion erfüllt. Andererseits erstaunte mich, dass Breitner sich mit dem Individuum Kimmich beschäftigt. Denn genau das wurde bei dieser medialen Jagd kaum gemacht.

In nur wenigen Sekunden verabschiedete sich aber meine entspannte Gemütslage. Denn das Interesse an dem Individuum Kimmich hatte ich wohl missverstanden. Der Bayer zitierte Jürgen Klopp, Trainer des Liverpool FC, dass eine Impfablehnung , genau so gefährlich sei, wie stark alkoholisiert Auto zufahren. Laut Breitner begeht Kimmich mit seiner Entscheidung „vorsätzliche Körperverletzung“. Weiter poltert er mit unerreichbarer Hochnäsigkeit: „Ich brauche mit niemandem darüber zu diskutieren, ob er sich impfen lassen soll oder nicht. Für mich gibt es nur die Richtung sich impfen zu lassen.“

Breitner zeigt sein degeneriertes Menschenbild

Nach kurzer Diskussion über seine Aussagen, die von den Mitdiskutanten weitestgehend unkritisch behandelt wurden, machte Breitner unmissverständlich klar, was er mit dem ungeimpften Kimmich als Trainer machen würde: „Der hätte bei mir nicht gespielt, nicht einmal mit uns trainiert.“ Kimmich hätte also abgekoppelt von der Mannschaft trainieren müssen.

Paul Breitners Aussagen zu Kimmich’s Impfentscheidung gegen Covid-19 sind verachtenswert. Sie zeigen, welches Menschenbild Breitner hegt, was erstaunt. Vor allem für jemanden, der zumindest einmal Soziologie und Psychologie studiert, wenn auch abgebrochen hat.

Schwarze Pädagogik als Machterhalt


Für mich ist Paul Breitner ein Kind „der geprügelten Generation“, so der Name des Buches von Ingrid Müller-Münch, in dem sie über die Erziehung der Nachkriegsgeneration schreibt. Explizit geht sie auf die schwarze Pädagogik ein, die Kinder damals erleiden mussten. Wer damals Autoritäten ignorierte, bekam dies zu spüren. Körperlich. Spätestens nach Breitners Vorschlag, Kimmich von der Manschaft zu isolieren, wurde mir alles klar. Natürlich geht es Breitner nicht um eine Vorbildfunktion. Ihm geht es ganz bewusst „um den Einzelnen“.

Einem Menschen mit solch kollektivistisch-autoritärer Haltung ist es enorm wichtig, was der Einzelne macht. Schließlich darf der Einzelne auf gar keinen Fall abweichen und den Absolutheitszustand einer Gruppe gefährden. Das Individuum Kimmich soll sich anpassen. Es soll sich gefälligst beugen. Es soll stramm auf der Linie stehen. Wenn auch ohne Kochlöffel oder Gürtel.

Luca Tannek ist 21 und kommt aus Bayern. Zurzeit studiert er in Magdeburg. Er sieht sich selbst als ordoliberal im Sinne von Walter Eucken

4 Kommentare zu „Paul Breitner und die schwarze Pädagogik“

  1. Breitner ist für mich ein alter Maoist und gottloser Linksideologe, die bekanntlich mit ihre totalitären Gesinnung selbst in „Friedenszeiten“ kaum hinter den Berg halten können.

    Völlig lächerlich aber irgendwo passend ist auch das dieser selbstgerechte, gottlose Narr eine „Tafel“ betreibt…

    Halt typisch für gottlose Narren, die glauben über ihr vermeintliches Gutsein und ihre Selbstgerechtigkeit Zutritt ins Himmelreich zu erlangen, während das im christlichen Glauben explizit ausgeschlossen ist….

    Gruß!

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  2. Der Paul Breitner, nie wirklich erwachsen geworden, offensichtlich immer noch schwer gezeichnet von der Trauer über den Tod von Che Guevara, versteigt sich – völlig untauglich und höchst abwegig – in strafrechtliche Erwägungen. Für eine vorsätzliche Körperverletzung brauche ich ein rechtswidrige Handlung, die nicht in einer Gesundheitsentscheidung gegen eine freiwillige Impfung liegen kann. Außerdem braucht es den Nachweis eines kausalen „Körperverletzungserfolges“, der ebenfalls nicht vorliegt. Also liegt in Breitners Äußerung der Anfangsverdacht zwischen übler Nachrede und Verleumdung, zudem der Anfangsverdacht einer Volksverhetzung, eventuell auch der Anfangsverdacht eines Versuches einer Nötigung zur Impfung, wissend um die gegenüber einer etablierten Impfung stark erhöhten Nebenwirkungen und nicht erforschten Langzeitfolgen.

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