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Ökonomik

Arbeitsmarkt im November -Ungeimpfte am Pranger und am Ende retten uns die Inder

Von Julian Marius Plutz.

Wie üblich war auch Aufhänger dieser Kolumne die Arbeitsmarktzahlen vom November. Ein kurzer Hinweis, vielleicht liest ja auch der eine oder andere Mitarbeiter der Statistikabteilung der Bundesagentur in Nürnberg mit: Mir ist es ein relatives Rätsel, weshalb immer wieder das Layout und die Anordnung der Zahlen des Monatsbericht verändert wird. Ob es zur allgemeinen Verwirrung sorgen soll, oder man einfach noch nicht das richtige Format gefunden hat, bleibt ungewiss. Falls die Architekten dieser Texte hierbei Hilfe benötigen, ich wohne gewissermaßen nur einen Katzensprung Ihrer Büros entfernt. Einer konspirativen Zusammenarbeit sollte nichts im Wege stehen.

Laut dem Monatsbericht 11/2021 habe sich der Arbeitsmarkt weiterhin „erholt“. Laut der Behörde waren 2.317.000 Millionen Menschen arbeitslos, was eine Quote von 5,1% ausmacht. Diese Zahl ist jedoch nichts weiter als Fake News. Ich kann es nur oft genug betonen, denn halte ich es für einen Skandal, dass Monat für Monat fast alle Arten von Medien diese falsche Zahl verbreiten. Von ARD bis SZ, Focus oder ZDF. Jeder teilt diese propagandistische und bis auf völlige Unkenntlichkeit schöngerechnete Zahl.

Rechnet man richtig nach und berücksichtigt man z.B. Kurzarbeit, ALG I, ältere Arbeitslose, Maßnahmenteilnehmer etc.. kommt man, konservativ geschätzt auf 5 Millionen Arbeitslose und eine Quote von über 10%. Christopher Hitchens meinte einmal sinngemäß, man müsse manche Geschichten der lügenden Herrschaften immer wieder erzählen, damit sie in immer mehr Köpfen hängen bleibt. Beim Briten war es die Unfassbarkeit um den damals jungen Gouverneur Bill Clinton, der wissentlich einen geistig behinderten Menschen hinrichten ließ. Meine Geschichte ist, in aller Bescheidenheit und ohne der Anmaßung, mich mit Christopher Hitchens gleichstellen zu wollen, die Lüge der monatlich Arbeitslosenzahlen. (Details zu meiner Schätzung finden Sie hier: Link)

Inder sollen Pflegenotstand heilen

Die Hoffnung naht, denn die Inder scheinen unser Pflegeproblem zu retten. Ich erspare mir den Reim des Erfolgspolitikers Rüttgers, nur so viel, die Zeile reimt sich auf „Kinder“. Konkret geht es um den Bundestaat Kerala. Die Umsetzung erfolgt über das Programm Triple Win, das die BA und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gemeinsam durchführen. Man erhoffe sich, dass der Fachkräftemangel in der Pflege mit Importkräften aus Indien bewältigt werden kann.

Über das Thema der exportierten Fachkräfte schrieb ich bereits in der letzten Kolumne. Es ist richtig, dass Kräfte aus dem Ausland unter Umständen helfen können. Hier müssen jedoch gewisse Parameter stimmen:

  • Deutsche Sprachkenntnisse (Im Pflegebetrieb elementar)
  • inetgrationsbereiter Kulturkreis
  • vergleichbare Ausbildung wie in Deutschland

Alle drei Punkte sind unterschiedlich kompliziert. Während Deutschland durchaus gute Erfahrungen mit polnischen Fachkräften gemacht hat, nicht zuletzt aufgrund der kulturellen Nähe und des oftmaligen Bemühens die Deutsche Sprache zu lernen, sieht es bei anderen Kulturkreisen anders aus. Allein die Tatsache, ob ein Mann eine Frau pflegen darf, oder umgedreht, führt zu regelmäßigen Konflikten, wenn die Kandidaten aus islamisch geprägten Ländern kommen.

Zum anderen halte ich es für einigermaßen obskur, dass Indien regelmäßig als Horrorbeispiel genannt wird, was die vermeintlichen Leichenberge aufgrund Corona angeht. Da erstaunt mich die moralische Flexibilität der Bundesbehörde, die Fachkräfte aus dem Land abziehen zu wollen, in dem das Killervirus die Menschen doch heimzusuchen scheint, wie weiland Ebola, das der sogenannte Weltarzt Montgomery gerade mit der neuen Variante von COVID verglich. Erstaunliches bleibt erstaunlich.

2G-Regel für Beratungsgespräche in der Arbeitsagentur

Doch nicht nur Inder sollen uns retten, sondern auch die 2G-Regel bei Beratungsgesprächen der Agentur für Arbeit. Die stete Diskriminierung von Ungeimpften ist ein eigenes Thema wert und werde ich bei Zeiten separat und anhand eines einprägsamen Beispiels erörtern. Doch zunächst zur Agentur für Arbeit.

„Ab Donnerstag, den 25. November 2021“, gelten in den Agenturen „bundesweit die 2G-Regel“ .Weiter heißt es: „Für persönliche Gespräche ist dann der Nachweis erforderlich, geimpft oder genesen zu sein. Es wird empfohlen, für diese persönlichen Gespräche möglichst einen Termin zu vereinbaren. Kundinnen und Kunden, die nicht geimpft oder genesen sind oder keine Auskunft zu ihrem Status geben möchten, werden online oder telefonisch beraten oder können eine Kurzberatung an einem Notfallschalter wahrnehmen. Die persönliche Arbeitslosmeldung ist auch weiterhin für alle Kundinnen und Kunden am Notfallschalter möglich.“

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich kenne Notfallschalter von der Apotheke und der Tankstelle. Inwieweit dies bei der Beratung um einer Beschäftigung sinnhaft ist, in dem man im Vertrauen und im Zwiegespräch mit dem Jobvermittler reden möchte, bleibt abzuwarten. Es ist eine einzige Farce. Aus der Praxis kann ich immerhin Entwarnung geben: Die Beratungsgespräche und Jobvermittlungsideen der Mitarbeiter der Agenturen für Arbeit sind in aller Regel nicht das Papier wert, auf denen diese immer noch ausgedruckt und per Post verschickt, oder persönlich überreicht werden.

Ungeimpfte sind schuld an steigender Arbeitslosigkeit

Im Zuge der Veröffentlichung der Zahlen der Agentur für Arbeit meldete sich auch Arbeitsminister Hubertus Heil zu Wort. Falls Sie noch nicht wussten, an was Ungeimpfte noch Schuld haben, dann werden Sie nun erhellt:

„Dieser positive Trend (Am Arbeitsmarkt) ist durch den aktuellen Verlauf der Pandemie mit den täglichen Höchstwerten bei den Infektionszahlen stark gefährdet“, sagte der geschäftsführende Minister. „Wir tun alles Nötige, um den Arbeitsmarkt sicher durch den Winter zu bringen.“

„Wir erleben neue Hindernisse für den Arbeitsmarkt, die im Winter aller Voraussicht nach zunehmen werden. Die Anzeigen für Kurzarbeit gehen bereits wieder hoch, vor allem im Gastgewerbe“, betonte Heil.

Sein Adlatus an der Nürnberger Arbeitslosenfront, Detlef Scheele, geht da noch etwas weiter und betont seine Vorliebe für die wohl kommende Impfpflicht. „Sie haben alle die Bilder gesehen“, sagte der BA-Chef mit Blick auf Intensivstationen mit Corona-Patienten. „Memmingen liegt in Deutschland und nicht in der Sahelzone. Und der Zielflughafen des Bundeswehr-Airbus mit Intensivpatienten liegt auch in Paderborn und nicht in Zentralafrika.“ Wer das gesehen habe, komme nicht daran vorbei, so ein Gesetz vorzubereiten. „Meine Bitte ist einfach, dass es fertig in der Schublade liegt“, sagte Scheele.

Es dürfe nicht sein, so der BA-Chef, „wenn man ins nächste Jahr gehe und eine Gruppe von etwa 20 Prozent der Menschen für eine Impfung nicht erreichbar sei, „kann man nicht zulassen, dass diese Gruppe auch in 2022 sich noch mal dieses Landes bemächtigt“. Selbst in Zeiten wie dieser und selbst dieser systematischen Diskriminierung widerstreben mir Vergleiche in die dunkelste Zeit deutscher Geschichte (Obwohl das bereits auf Twitter getan wird: Link). Aber „Ermächtigung“ im Zusammenhang einer immer noch freien Entscheidung eines medizinischen Eingriffs mit überschaubarer Wirkung zu sprechen, halte ich für übelste Propaganda. Hohe Beamte sind schon für weniger zurückgetreten.

Nun haben Ungeimpfte auch noch Schuld an höheren Arbeitslosenzahlen. „Wir gehen inzwischen von erhöhter Arbeitslosigkeit auch im nächsten Jahr aus.“, so der Chef der Bundesagentur. Einzig die Impfpflicht könne dies noch abwenden. Auch auf höhere Leistungen, was die Zahlungen von Kurzarbeitergeld angeht, stimmt uns die Behörde ein. Und in der Tat: Ich beobachte erste Tendenzen, gerade im Einzelhandel, in denen ab nächster Woche Mitarbeiter in Kurzarbeit „geschickt“ werden. Besonders bizarr: Der Dezember gilt als umsatzstärkster Monat in dieser Branche.

Zusammenfassung

Die Arbeitslosenzahlen werden von Behörden weiterhin schöngerechnet und von den allermeisten Medien blind weiterverbreitet. Die Bundesagentur möchte viel zu spät und viel zu plump das Pflegeproblem mit indischen Arbeitern kitten. 2G gilt nun auch für Beratungsgespräche in der BA. Ungeimpfte sind nicht nur schuld an den vermeintlich knappen Intensivbetten. Sie tragen nun auch die Verantwortung für kommende Arbeitslosenzahlen. Das Schweigegeld in Form von Kurzarbeitergeld, woran auch die Ungeimpften schuld sind, steht bereits bereit. Zudem empfiehlt ein Behördenchef völlig fachfremd eine Impfpflicht. Etwas, was Politik und Medien noch im Mai als abwegig erklärt hatten und jeden, der diesen Verdacht hegt, als Propagandist für „Verschwörungstnarrative“ abgestempelte. (Dieses Video möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: Link). Es bleibt dabei: Dystopien von gestern sind heute Realität.

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