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Gesellschaft

Steffi Lemke und das Leben der Elektrozahnbürste

Von Julian Marius Plutz.

An wen denken Sie, wenn Sie den Namen Lemke hören? „Na klar“, würde mein Vater sagen: „Willi Lemke!“ Der ehemalige Sportfunktionär von Werder Bremen war der Widersache des jetzigen Rekordmeisters und seinem damaligen Manager und späteren Präsidenten Uli Hoeneß. Vom Gemüt konnten beide nicht unterschiedlicher sein. Da der CSU nahe Choleriker Hoeneß, der für seinen Verein sich einen Arm amputiert hätte und dort der intellektuell wirkende Sozialdemokrat Lemke. Legendär, wie sich beide in Live-Sendungen gestritten haben, bis die sprichwörtlichen Fetzen flogen.

Der Willi ist aber nicht der Lemke, den ich meine. Nicht verwandt und nicht verschwägert wabert eine andere Person dieses Namens durch die Gazetten. Zu finden ist sie im Politikteil oder im Parlamentsblatt und heißt Steffi Lemke.

Steffi hat den Dreh raus

Die Dame hat etwas geschafft, was ihr Namensvetter und ebenfalls politisch ambitionierter Willi nicht geschafft hat: Die Abgeordnete aus Dessau ist Mitglied der neuen Bundesregierung. Genauer gesagt kleidet sie das Amt der Verbraucherschutzministerin. Respekt! Und da sie Mitglied der Partei „Die Grünen“ ist, dürfen die obligatorischen Verbote nicht fehlen. Doch worum sich die alerte 53-Jährige als erstes kümmert, überrascht dann doch.

Es geht um etwas ganz anderes. Ein verkanntes Problem, eine vergessene Tragödie, eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Der Tagesspiegel, bekannt für seine knallharte Kritik an rote und grüne Parteien, enthüllt: „Steffi Lemke ist einen Monat im Amt – und hat viel vor. So kündigt die Umwelt- und Verbraucherministerin eine Akkutauschpflicht für elektrische Zahnbürsten an“. Hätten Sie es geahnt?

Frau Lemke hat den Dreh raus: „Die massiven Umweltzerstörungen (…) begleiteten meine Kindheit in der DDR, genauso wie ein Staat, der über mein persönliches Leben bestimmen wollte“, liest der interessierte Wähler auf ihrer Homepage. Ich übersetze: Aufgrund eines Regimes, das über das persönliche Leben bestimmen wollte, ist sie nun Mitglied einer Regierung, die über das persönliche Leben bestimmen will. Aus Präteritum wird Präsens, aus DDR, BRD und aus SED die Grünen. Nur für Mauern und Zäune dürfte Steffi Lemke nicht sein, es sei denn, sie separieren Geimpfte und Nichtgeimpfte.

Verbote als größte Erfolge

Es gibt so viele Lemkes, doch es gibt nur eine Steffi Lemke. Sie verkörpert wie aus einer Din-Norm entsprungen den perfekten Grünen Politiker. Parteikarriere, Aufstieg, Wahlerfolg, Ministeramt. Ihre letzte Arbeit jenseits der Politik waren zwei Jahre, 1986 bis 1988 als Briefzusteller. Immerhin. Jedoch vielleicht etwas lange her.

Irgendwann sitzt Steffi Lemke gemeinsam mit Jürgen Trittin beim Psychologen. Und auf die Frage des Therapeuten, was denn ihre größten Erfolge waren, antwortete der eine: „Das Dosenpfand!“. Und die andere, unsere Steffi: „Ich habe mich für das Leben von elektrischen Zahnbürsten eingesetzt“. Mit verständisvollem Nicken und runzeliger Stirn notiert sich der Psychologe das Gesagte für die nächste Sitzung.

Willi Lemke kann da nur müde lächeln. Weder hat er sich mit politischen Banalitäten auseinandergesetzt, noch musste er sich mit elektrischen Zahnbürsten befassen. Dafür mit Uli Hoeneß. Eines aber haben beide Lemkes dann doch gemeinsam: Sie unterhalten uns. Die eine jedoch auf den Kosten des Steuerzahlers.

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