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Gesellschaft

Wird Yasmin die Corona-Greta?

Von Julian Marius Plutz.

Mit einer Überschrift voll Lyrik und Bedeutung machte am 12.01.2022 die Westfalenpost auf ein junges Mädchen aufmerksam. „Das Mädchen, das draußen unterrichtet wird“, heißt es in der Printausgabe der Lokalzeitung. Und in der Tat: Eine 13-Jährige protestiert maskiert und mit mit Laptop im Schulhof. Und wie. Yasmin T. hat das Zeug, zur neuen Greta Thunberg zu werden. Doch der Reihe nach.

Yasmin hat Angst. Sie hat Angst, ihre Schule, die Heinrich-Heine-Realschule in Hagen zu betreten. Nicht, weil sie gemobbt wird, oder weil das Gebäude so baufällig ist. Es geht ihr auch nicht um versiffte Toiletten, die ihr die Furcht einflößen. Die Schülerin hat Angst, sich in der Schule an Corona zu infizieren.

Per Laptop und bei 0 Grad verfolgt sie den Unterricht

Laut ihrer Aussage ist sie vorerkrankt und trägt immer eine FFP2-Maske. Sogar wenn sie alleine auf einem Stuhl im Schulhof sitzt „Ich halte mich an alle Hygieneregeln“, so die 13-Jährige. „Es gibt viele Kinder wie mich. Aber es gibt auch solche, die sind nicht geimpft und halten sich nicht an die Regeln. Und mit denen setze ich mich nicht mehr zusammen in einen Raum.“ Währenddessen spricht der neue Bundeskanzler davon, es gebe keine Spaltung in Deutschland.

Daher habe sie die Schulleitung gebeten, ein Pult mit Stuhl im Pausenhof aufzustellen, damit sie den Unterricht von dort verfolgen kann.  „So kann ich meine Aufgaben erledigen und muss nicht zu den Ungeimpften reingehen.“, erklärt sie. Dass sie sich bei 0 Grad und weniger draußen erkälten könnte, erwähnt sie nicht.

Was macht die Schulleitung? Sie gibt nach und erfüllt Yasmin diesen Wunsch.  „Wir möchten sie nicht zwingen, die Schule zu betreten, wenn sie Angst vor einer Infektion hat. Und ich kann auch nicht garantieren, dass sie sich nicht ansteckt“, so die Direktorin.

Die Schule überschreitet eine Grenze

Immerhin geht Yasmin ab und zu in ein leerstehendes Büro, um sich aufzuwärmen. Sie möchte mit dem Protest „ein Zeichen setzen“. Und die Schule, die ihrer Meinung nach die Hygienemaßnahmen nicht erfüllt, lässt sie gewähren. Doch wo ist die Grenze?

Wenn ein Schüler Angst hat, sich an einem Magen-Darm-Infekt anzustecken, darf er dann auch vom Schulhof aus den Unterricht verfolgen? Oder wenn ein anderer Schüler fürchtet, sich beim Sport ein Bein zu brechen, wird ihm dann gestattet, die Turnübungen via Webcam vom heimischen Garten aus zu verfolgen?

Die Mutter von Yasmin ist zumindest stolz. „Yasmin ist ein Mensch, der weiß, was er will“, berichtet sie: „Ich stehe voll hinter dem, was sie tut.“ Na dann kann ja nichts mehr schief gehen. Die 13- Jährige ist offensichtlich sehr im gut im Bilde, wie die Corona-Maßnahmen umgesetzt werden.

Sie findet es „doof“, dass Ungeimpfte nicht „rausgeschmissen“ werden

„Überall würden Ungeimpfte „rausgeschmissen“, sagt sie: „Nur in den Schulen nicht, und das finde ich doof.“ Dabei hätten junge Leute in der Pandemie mitgearbeitet und ihre Jugend verloren: „Alles ohne zu murren. Nun allerdings werden wir wie ein Lamm zur Schlachtung in die Schule geschleift, damit wir alle durchseucht werden“.

Es sind bedrückende Zeilen, die ein junges Mädchen von sich gibt. Und es zeigt, wie sehr die Erwachsenen versagt haben. Die Panik ist längst bei den Kindern angekommen. Wenn sie ein Schulbesuch mit einer „Schlachtung“ vergleicht und gleichzeitig es „doof“ findet, dass Ungeimpfte Schüler nicht „rausgeschmissen“ werden, läuft in der Kommunikation zwischen den Generationen etwas gehörig schief.

Die Erwachsenen sind in der Pflicht

Die Westfalenpost hingegen und bereits Teile von Twitter scheinen das Mädchen zu feiern. Es erinnert tatsächlich an die Anfänge von Greta. „Für meine Sache kämpfe ich. Und wenn die Politiker das nicht gebacken kriegen, werde ich versuchen, weitere Mitstreiter in ganz Deutschland zu finden und es so hinzukriegen“, sagt Yasmin: „In dieser Sache gebe ich nicht auf.“

Es liegt an den Erwachsenen, Kindern surreale Ängste zu nehmen. Sie sollten den Weitblick haben, die 13-Jährige noch nicht haben können. Doch stattdessen möchte man Yasmin zur neuen Kinderheldin machen, die damals wie Greta Thunberg eine weltweite Bewegung begründete. Einen Vorteil hat das Mädchen aus Hagen: Die Strukturen sind bereits vorhanden, denn weite Teile von Fridays for Future dürfen sich ihrer Meinung anschließen. Es könnte eine neue Protestwelle auf Deutschland zukommen.

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