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Gesellschaft

Impfwillkür im Hamsterrad

Von Julian Marius Plutz.

Vor mehreren Jahrzehnten verfasste der großartige Christopher Hitchens eine interessante Definitionen, wie man eine Diktatur erkennt. Neben einem Geheimdienst, der das eigene Volk ausspäht, neben Militarismus und der Dinge mehr, stand ein Wort beim Briten besonders im Fokus: Willkür. Ein diktatorischer Staat erlässt Dinge, die objektiv wenig Sinn ergeben. Er handelt aus einem kratischen Selbstverständnis heraus, egal ob er Entscheidungen begründet oder nicht. Der Autor nannte diese Gesetze, freilich nicht ganz ohne ein ordentlich gewachsenes Selbstbewusstsein nach seinem Nachnamen: Lex Hitchens.

Seit dem 19. Januar 2022 gelten neue Booster Regeln für das Vakzine von Johnson&Johnson. Konnte man sich am 18. Januar noch darüber freuen, den Status „geimpft“ zu genießen, ändert sich dieser einen Tag später ins Gegenteil: Nun ist man ein rechtsradikaler, gemeiner und schwurbelnder omakillender Impfgegner. Wir erleben die fantastische Reihe dieser Bundesrepublik, die da heißt: „So schnell kann’s gehen“. Ist das noch so weit weg vom Lex Hitchens? Die Auflösung folgt.

Diffuse Regeln in verschiedenen Bundesländern

Nehmen wir einen Freund und nennen wir ihn Bernd. Der Bernd hätte sich in hundert Jahren nicht gegen Covid19 „impfen“ lassen. Er tat es aus dem puren Druck der Regierung, da ihm sonst der Jobverlust drohte. Daher geht es heute zum Doktor mit der Spritze. Traumschön.

Wie willkürlich die Regeln sind, allein was das Thema Johnson&Johnson angeht, zeigen die unterschiedlichen Bundesländer. Die Willkür ist hier mit Händen zu greifen, ebenso wie die Fassungslosigkeit der Bürger. In den Bundesländern Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen bleibt die „Grundimmunisierung“ mit J&J nach einem weiteren Injektion, der viel zitierte Booster, bestehen.

In anderen Bundesländern hat der gemeine Impfling Pech im Pech. Um von der neuen erspritzten Freiheit zu profitieren, muss in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Bayern zwei mal „aufgefrischt“ werden. Hier in Bayern soll die erste Booster-Impfung nach vier Wochen erfolgen und die zweite drei Monate später. Die übrigen Bundesländer haben sich offensichtlich noch nicht entschieden.

Bernd hat leider Pech gehabt, denn er wohnt nicht in der Hansestadt, oder in der Pfalz, auch nicht in Hessen oder bei Bodo Ramelow. Er kommt aus Bayern, in der Markus Söder neuerdings „nachgedacht“ hat, wie er selbst betont und deshalb angeblich Maßnahmen lockern will. Für Johnson&Johnson Vakzine, ein Konzern, der von einer Klagewelle wegen eines karzinogenem Babypuder überrollt wird, gilt das leider nicht. Schade, Bernd, das nennt man wohl Ungunst der falschen Geburt.

Dem Staat ging der Intellekt abhanden

Um es konkret zu machen: Würde Bernd im südhessichen Babensberg wohnen, wäre er stand jetzt mit einem Booster „grundimmunisiert“. Das heißt, er könnte alle traumschönen Annehmlichkeiten genießen, wie Skifahren mit Maske oder seinen Job problemlos nachgehen. Sein Kollege aber, Ernie, der wenige Kilometer im unterfränkischen Kleinostheim ansässig ist, muss sich zwei mal boostern. Aber erst seit dem 19.1.2022. Andere Bundesländer haben momentan keinen Status für Johnson&Johnson Impflinge.

Wenn noch irgendjemand einen Zweifel hegt, die Bestimmungen über das Impfen gegen Covid-19 obliegt einer medizinischen Expertise, dem ist nicht mehr zu helfen. Irre Regelungen wie diese machen deutlich, worum es den Ministerpräsidenten geht: Machterhalt durch politischen Entscheidungen.

Um eines vorweg zu nehmen: Wir leben in Deutschland nicht in einer Diktatur. Daher ist das Lex Hitchens auch kein Lackmustest binärer Art: Diktatur ja oder Diktatur nein. Viel mehr geht es um Tendenzen, die immer auffallender werden. Eines davon, neben systematischem Demonstrationsverbot, staatlich evoziertes Denunziantentums, metertiefe Spalten in der Gesellschaft und staatstreue Medien ist die angesprochene Willkür. Keinem normal denkenden Menschen können diese Maßnahmen noch als rational erklärbar und sachlich begründbar verkauft werden. Die Regierung hat längst die Kontrolle über ihren Intellekt verloren. Im Hamsterrad herrscht Impfwillkür.

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