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Gastbeitrag

Der Feind in meinem Bett…kennen Sie den Film?

Von Klaus Kelle.

Das Portal t-online bietet seit längerem Nachrichten und selbst recherchierte, oft richtig gute, Geschichten. Unter der Überschrift „Schwesigs Russland Geheimnis“ schreibt ein Autor namens Jonas Mueller-Töwe ein Stück, das nach meiner bescheidenen Meinung einen Journalistenpreis verdient hätte. Es geht darum – akribisch recherchiert und nachverfolgt – wie es möglich war, dass das von Verbündeten Deutschlands nicht gewollte und von der damaligen Bundesregierung mit wenig Begeisterung verfolgte Pipeline-Projekt Nord Stream 2 doch politisch reibungslos realisiert werden konnte.

Es geht um Umwege über eine Landesregierung, Sanktionsmaßnahmen der USA zu umgehen. Es geht um Geheimtreffen der  Ministerpräsidentin, die in keinem offiziellen Terminkalender vermerkt sind, und die Frage, die der Kollege sich nicht zu stellen fragt: Geht es auch um persönliche Vorteilnahme, um Korruption?

Und es geht um die „Stiftung Klima- und Umweltschutz Mecklenburg-Vorpommern“, begründet mit finanzieller Millionenhilfe des russischen Gazprom-Konzerns. Die soll laut Stiftungszweck die „wunderbare, in weiten Bereichen unter Schutz stehende Natur“ des Landes Mecklenburg-Vorpommern bewahren helfen. Und ganz nebenbei die Errichtung der Pipeline Nord Stream 2 unterstützen, denn schließlich sei Gas ja die  „klimaschonendste Übergangstechnologie zur Sicherung der notwendigen Energieversorgung“.

Je länger man sich in dem Text bei t-online vorarbeitet, um so mehr drängt sich der Gedanke an Desinformation und Manipulation auf.

So ist die Rede von einem Mittagessen der Ministerpräsidentin am 27. April 2018 in einem Restaurant in Berlin. Der Gesprächspartner dieses Termins steht in keiner Terminübersicht der Staatskanzlei, es gibt kein Protokoll über den Gesprächsverlauf. Erst Jahre später erfährt der Journalist, dass der Mann, der Schwesig damals gegenüber saß, der frühere Bundeskanzler und Gazprom-Manager Gerhard Schröder war, der sich rühmt, ein persönlicher Freund des russischen Präsidenten zu sein.

Einfach ein privates Essen, wie geht’s den Kindern, was macht der Rücken? Kaum vorstellbar. Und es bleibt nicht das einzige Treffen, dass der Öffentlichkeit verschwiegen wird.

Oder nehmen Sie die Klima-Stiftung. Da wird der Kollege in der Formulierung aus vermutlich gutem Grund vorsichtig. Er schreibt:

„Theoretisch könnte das Konstrukt so funktionieren: Eine Firma, die Teile zu Nord Stream 2 zuliefern will, verkauft diese an den Betrieb der Klimastiftung, der ihn schließlich weiterreicht. Somit besteht offiziell kein direktes Geschäftsverhältnis zwischen der Firma und der Pipeline“

Ja, könnte theoretisch… und eine Firma, die mit einer Stiftung in Mecklenburg-Vorpommern Geschäfte macht, hätte natürlich keine amerikanischen Sanktionen zu fürchten. Ganz einfach eigentlich.

Doch zurück zum Terminkalender von Frau Schwesig. Die reiste im April 2018  mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zum Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Präsident Putin hat das auf die Beine stellen lassen als Gegenstück zum alljährlichen Weltwirtschaftsforum in Davos. Konzernchefs, Lobbyisten und Politiker treffen sich dort, um die Fortschritte der russischen Wirtschaft zu preisen und Kontakte zu knüpfen. Die SPD-Politikerin hat zahlreiche Termine in St. Petersburg, die Staatskanzlei in Schwerin veröffentlichte ein eng getacktetes Programm, das selbst Pausen und Imbiss notiert. Nur ein Gespräch steht nicht im offiziellen Programm: ein Treffen Schwesigs mit dem Gazprom-Manager Gerhard Schröder. Das habe sich zufällig ergeben, es sei „spontan“ verabredet worden, „da beide gleichzeitig in der Stadt waren“, schreibt Regierungssprecher Timm auf die Anfrage von t-online zurück. Über den Inhalt des Gesprächs wollte er nichts sagen, ein Protokoll existiert nicht.

Ich will Sie nicht langweilen, in dem ich die Geschichte des Kollegen Mueller-Töwe 1:1 nacherzähle. Sie können den Beitrag in voller Länge hier  lesen. Erlauben Sie mir nur noch folgende Gedanken dazu:

  • Wenn es sich um harmlose private Treffen Schwesigs in Zeiten von Spannungen mit Russland über diese Pipeline mit einem Freund Putins und Gazprom-Manager handelt – warum wurde das nicht einfach im Terminkalender vermerkt?
  • Warum wurde das allzu durchsichtige Manöver, mit einer „Klima-Stiftung“ amerikanische Sanktionen zu unterlaufen, von einer Landesregierung eingefädelt?
  • Und: Ich kann es Ihnen nicht ersparen, was hat die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel eigentlich bewogen, im Weißen Haus den alten Mann an der Spitze der Weltmacht zu überreden, Nord Stream 2 durchlaufen zu lassen?
  • Und warum hat bisher kein Mainstreammedium in Deutschland diese heiße Geschichte aufgegriffen?

Ach halt, jetzt fällt’s mir wieder ein: Es geht ja darum, eine sichere Gasversorgung Deutschands zu günstigen Preisen zu schaffen und gleichzeitig auch noch das Klima zu retten. Jetzt hab‘ ichs.

Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Er betreibt die Online-Tageszeitung The Germanz. Dieser Beitrag ist zuerst auf Herrn Kelles Blog erschienen: Denken erwünscht.




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2 Antworten auf „Der Feind in meinem Bett…kennen Sie den Film?“

[…] Am Montag , den 21.02.2022 heißt es um 20:30 Uhr zum 8. mal „Auf den Punkt“. Nach Gästen wie u.a. Jörg Meuthen, Dr. Marcus Franz und Dieter Stein oder Ali Utlu wird in der nächsten Sendung der Chefredakteur der Online-Tageszeitung The Germanz, Klaus Kelle, zu Gast. sein (Link zum Gast: Link). Der renommierte Journalist gilt laut dem Magazin Focus zu den „meinungsstärksten Konservativen“ in Deutschland. Auch auf neomarius steuerte Herr Kelle bereits einen Gastbeitrag bei (Link) […]

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