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Gastbeitrag

Putins Angriffskrieg und seine neosowjetischen Bestrebungen

Von Liyun Gothóni.

Seit dem Morgen 4 Uhr mitteleuropäischer Zeit des 24.02.2022 geschieht genau das, was insbesondere in den letzten Wochen und Monaten zu erwarten war. Die Invasion der Ukraine mit gezielten Angriffen seitens des russischen Militärs auf militärische Ziele. Es ist somit der erste Angriffskrieg in Europa seit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939.

Dramatisch überschlagen sich die Ereignisse seit den frühen Morgenstunden, als der ukrainische Staatspräsident Selenskyj den Kriegszustand ausrief und laut inoffizieller Berichte angeblich bereits das Land verlassen haben soll, schrillen auch in Kiev und in insgesamt 17 Regionen in der Ukraine die Alarmsirenen. Während das Baltikum den Ausnahmezustand verhängt und sich die westlichen Staaten über eine entsprechende Reaktion nicht einig werden (Deutschland unter anderem blockiert sogar Russlands Ausschluss aus dem Zahlungssystem SWIFT), rollen russische Panzer über die Grenze und die Luftwaffe sorgt mit Raketenangriffen für unzählige zivile Todesopfer.

Staatspräsident Wladimir Putin wandte sich in einer Ansprach an die ukrainische Bevölkerung, forderte sie auf sich gegen die „illegale Regierung in Kiev“ zu stellen und erklärte, dass es in der ukrainischen Armee bereits unzählige Deserteure gäbe und die „Moral auf einem Tiefpunkt sein soll“. Zudem drohte er der allgemeinen Weltöffentlichkeit offen mit einem Atomkrieg, sollten sich weitere Staaten militärisch einmischen. Der ukrainische Oberbefehlshaber Walerijy Saluschny äußerte sich erst vor wenigen Minuten und sprach von „heftigen Kämpfen“ um einen essenziell wichtigen Militärstützpunkt in Kiev und dass bereits dutzende Stellungen durch russische Soldaten eingenommen seien. Die Lage erscheint nach jeder Hiobsbotschaft immer aussichtsloser. Während die NATO-Mitgliedstaaten über Waffenlieferungen und über noch härtere Sanktionen gegen Russland diskutieren, antwortet der Kreml, dass sie weitere Sanktionen bereits „einkalkuliert“ und „locker abfedern“ können.

Es ist die perfekte Umsetzung eines bösartigen Plans, dessen welcher sich lange abgezeichnet hat. Insbesondere hierzulande sind zu viele auf die pseudo-pazifistische Propaganda Putins reingefallen und erkennen das Ausmaß der Gefahr erst jetzt – und leugnen seine Bestrebungen absurderweise teils immernoch. Dazu kommt auch noch, dass Schätzungen zufolge mehr als eine Million Flüchtlinge aus der Ukraine unmittelbar in Mitgliedstaaten der EU fliehen werden, während sich insbesondere Politiker hierzulande mit leeren Phrasen und Zusicherungen zur Ukraine begnügen. Es ist nicht wirklich zu erkennen, wie die NATO zu reagieren vermag.

Ein direkter militärischen Konflikt soll weiterhin vermieden werden, Sanktionen und Waffenlieferungen sollen angewandt werden, obwohl letzteres laut Politikern wie Strack-Zimmermann (FDP) „nicht mehr möglich“ sei. Die Lage scheint verzweifelt und aussichtslos, doch trotzdem gilt: 

Putins neosowjetischen Bestrebungen muss die NATO konsequent entgegentreten, weil es eben nicht „nur“ bei Donezk, Luhansk und der Krim geblieben ist. Putin wird keinen Halt machen, wenn die Ukraine einmal gefallen, annektiert oder zu einem Vasallenstaat gemacht worden ist. Ganz Europa ist in akuter Gefahr und spätestens jetzt sollten bei jedem die Alarmglocken ertönen.

Liyun Gothóni ist 21 Jahre alt und betreibt den Autorenblog liberalcelestin.de. Dort ist dieser Beitrag als erstes erschienen: Link.

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