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Gastbeitrag

Der Mief der Doppelmoral

Von Luca Tannek.

Vor einigen Tagen ist es geschehen. Der russische Präsident Wladimir Putin startete einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Der Westen – und insbesondere Deutschland – ist schockiert und begießt die Ukraine regelrecht mit Solidaritätsbekundungen. Verständlich, denn nach über 20 Jahren Frieden, fußt wieder ein Krieg auf Europas Boden. Nicht nur in den sozialen Medien, sondern auch auf den Straßen Deutschlands ist das Mitgefühl immens. Die Menschen nehmen massenhaft an Demonstrationen teil und appellieren für Frieden und Freiheit in der Ukraine. Sogar Dauersirene und Nervensäge Prof. Dr. Karl Wilhelm Lauterbach war sich nicht zu schade, an den Massendemos seinen Soll zu erfüllen – und das trotz Corona-Pandemie.

Es mieft. Es mieft nach Doppelmoral. Und ich frage mich, weshalb kaum jemand die Nase rümpft.
Noch vor ein paar Wochen haben Behörden aus sämtlichen Bundesländern Demonstrationen verboten oder eingeschränkt. Explizit bei den Corona-Demos gab es kein Erbarmen. Politiker warnten vehement. Vor allem Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) brachte so manch einen Maßnahmenkritiker zum Meltdown, als sie via Twitter appellierte: „Man kann seine Meinung auch kundtun, ohne sich gleichzeitig an vielen Orten zu versammeln.“ Demonstranten hat man nicht einmal für ihre Grundrechte spazieren lassen ohne offensivsten polizeilichen Einsatz. Ein regelrechtes Katz- und Maus-Spiel hat zwischen friedlich demonstrierenden Bürgern und teilweise aggressiven Polizisten bei Spaziergängen stattgefunden. Aber gut, schließlich ging es um die Eindämmung des Corona-Virus. Wie wir von unserer Obrigkeit mittlerweile gelernt haben, ist jede Infektion eine zu viel. Da spielt es natürlich auch keine Rolle, dass Eindämmungsmaßnahmen vollkommen überzogen sind, auch wenn an der frischen Luft eine Ansteckung sehr unwahrscheinlich ist. Und selbstverständlich war den Einsatzkräften jedes Mittel recht, um diesem fast schon heiliggesprochenen Anti-Grassierungs-Dogma gerecht zu werden. Stichwort Abstandsholz. Lächerlich.

Als Putin letzte Woche die Ukraine angriff, machten viele Bürger des Landes mobil und demonstrierten gegen den Krieg. Vor allem in Berlin gab es tausende Teilnehmer. Zahlreiche blau-gelbe Flaggen verzierten die Kundgebung. Von Abstandshölzern oder Wasserwerfern war weit und breit nichts zu sehen. Und das, obwohl keine Mindestabstände eingehalten wurden und wir laut Regierung immer noch mitten in einer Pandemie, beziehungsweise Epidemie, stecken. Schließlich hätte es bei den Versammlungen ebenso zu vielen Infektionen kommen können – oder etwa nicht, liebe Experten und Behörden? Es könnte nicht offensichtlicher sein: Mit sämtlichen Infektionsschutzargumenten hätte man auch die Massendemos, bei denen für Frieden und Freiheit in der Ukraine demonstriert wurde, verbieten können. Manch einer könnte mir jetzt entgegnen, dass die Demonstranten eine Maske trugen, kein Widerspruch zu den Corona-Demos existierte und die Demos deshalb völlig legitim wären. Aber ist das Tragen einer Maske an der frischen Luft wirklich von nennenswerter Relevanz? Die Maskenpflicht wurde ursprünglich damit gerechtfertigt, dass Aerosolbildung in geschlossenen Räumen zu einer höheren Infektionswahrscheinlichkeit führt und deshalb die Maske einen Schutz bietet. Beide Demos fanden aber draußen statt. Also über was reden wir hier?

Es ist beschämend, dass Corona-Demos und Ukraine-Demos, die von ihren Motiven her sehr ähnlich sind, mit zweierlei Maß behandelt werden. Beide Demos sind regierungskritisch, beinhalten die Werte Frieden und Freiheit – nur eine von beiden kritisiert unsere Bundesregierung. Und viele Politiker, Journalisten und Bürger kommen nicht einmal ansatzweise ins Grübeln und sehen diese offensichtliche Ungleichbehandlung der beiden vollkommen berechtigten Versammlungen. Möglicherweise ist das die Folge betonierter Moralisierung. Gute Demo, schlechte Demo. Man bekommt sehr schnell den Eindruck, dass Corona-Demonstrationen politisch nicht gewollt sind und deshalb sanktioniert werden. Jede Demo in diesem Land sollte ohne Restriktionen stattfinden. Es gibt keine guten und es gibt keine schlechten Demos. Die Bewertung ist völlig subjektiv.

Es mieft unglaublich nach Doppelmoral und Deutschland sollte dringend mal das Fenster öffnen.

Luca Tannek ist 21 und studiert Betriebswirtschaft in Magdeburg. Er sieht sich selbst als ordoliberal im Sinne von Walter Eucken. Texte erschienen bereits auch Achgut.com und, wie dieser, auf Apollo-News: Link.

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