Edeka verbannt AfD Smoothies aus den Regalen

Von Julian Marius Plutz.

Jeder mag doch Edeka. Warum auch nicht? Ansprechende Werbung, regionales Obst und Bio. Viel Bio, weil das ja gesund ist. Wozu sollte das sympathische Unternehmen aus Hamburg jemanden etwas Böses tun? Da arbeiten doch junge, alerte Mitarbeiter, die mit Dynamik und Verve am Werk sind, um uns folgenlos uns gut gelaunt Produkte anzubieten. Wenn es schon kein „Good Gouvernance “ gibt, vielleicht dann bei Edeka immerhin „Good Supermarkt“?

Und in der Tat scheint der Konzern genau das umsetzen zu wollen. Denn wenn man so richtig gut sein will, so muss muss man das Böse aussperren. Wie zum Beispiel böse Smoothies. Oder genauer: Unliebsame Bedruckungen auf den Flaschen der Fruchtgetränke. Sonst ist man ja kein guter Supermarkt, Doch eins nach dem anderen.

Kein Problem mit der Ex-SED

Der Getränkehersteller „true fruits“ beliefert Edeka mit Smoothies, auf deren Flaschen Botschaften der relevanten Parteien, die zu Bundestagswahl antreten, abgedruckt sind. „Die Qual der Wahl“ nennt das Unternehmen seine Aktion. Von FDP, bis zur SPD finden sich auf dem Produkt Programminhalte der im Bundestag vertretene Parteien. Auch für die AfD druckte „true fruits“ entsprechende Etikette, die auf die Flaschen geklebt und an Edeka versandt wurden.

Doch da hatte der Lieferant nicht die Rechnung mit dem Besteller gemacht. Edeka verweigerte die Annahme der Smoothies mit dieser kurzen Begründung: „Danke für eure neue Lieferung, true fruits Smoothies. Die AfD-Flaschen haben wir aber nicht bestellt, die gehen wieder zurück.“ Und weiter ergänzte die Marketingabteilung des Hamburger Konzerns mit einem hübschen Sharepic auf Instagram:“ Rechts ist bei uns kein Platz im Regal.“ Wow.

Für Edeka ist es kein Problem, implizite Wahlwerbung der SPD zu machen. Edeka hat keine Schmerzen, das gleiche für FDP, CDU und Grüne zu machen. Edeka hat nicht mal den Hauch von Chuzpe, Wahlwerbung für die ehemalige SED zu machen, die Partei „Die Linke“; die Rechtsnachfolgerin der letzten deutschen Partei ist, die eine Diktatur errichtete und bis zuletzt am Leben hielt. Doch für die größte Oppositionspartei im Deutschen Bundestag, die AFD, ist in den Regalen zwischen Merkel, Gysi und Baerbock kein Platz. Schäbig.

Bemerkenswertes Statement

Es geht hier nicht um die AfD. Es geht darum, wie der Graben durch die Gesellschaft zementiert wird. Die AfD ist keine Krankheit. Sie ist ein Symptom eines zutiefst verunsicherten und entzweiten Deutschlands. Diese Aktion von Edeka ist der hässliche Beweis dafür.

Man muss nicht jeden Wortlaut von „true fruits“ teilen, wie sie das Verhalten von Edeka bewerteten. Bemerkenswert ist es dennoch: „Liebe Edeka, ja, wir finden die AfD auch scheiße. Aber Aufklärung ist wichtiger, als Social Signaling, wie ihr hier versucht. Deswegen haben wir (…) bewusst alle sechs großen Parteien des Deutschen Bundestags dargestellt, um jeden, die Chance zu bieten, (…), wofür die Parteien stehen. Aber das wusstet ihr ja. Ein Schelm, wer bei eurer Aktion an Populismus denkt!“

Niemand kann die AfD aus den Köpfen sperren

Wann haben Unternehmen angefangen, so offensiv Propaganda für eine vermeintlich gute Sache zu machen? Wann hat die Bevölkerung aufgehört, sich dagegen zu wehren? Früher gab es von der Gesellschaft an ihre Firmen zwei Forderungen: Gute Löhne zu zahlen und gute Produkte zu generieren. Heute muss zur Gurke und zu den Spaghettis die politisch korrekte Haltung serviert werden.

„Good Supermarkt“ haben sich die Deutschen redlich verdient. Früher hat noch ein automatisches Garagentor das Wetter im Ersten präsentiert. Heute braucht es nicht mehr nur praktische Funktionalität der Produkte, sondern auch noch moralinsaure Haltbarkeit. Die AfD mag Edeka aus den Regalen verbannt haben. Aus den Köpfen der Bevölkerung garantiert nicht.

Todesmutige Schauspieler aufgrund Outing geehrt

Von Julian Marius Plutz.

Im Februar diesen Jahres brachte die Süddeutsche eine Geschichte, die die Welt in Atem hielt. 185 Schauspieler outeten sich als homosexuell. Medien, wie die Achse des Guten, TheEuropean und auch mein Blog berichteten über diese Unglaublichkeit. Schauspieler sind schwul, Schauspielerinnen lesbisch? Ich hätte es nie geahnt.

Wahrscheinlich fühlten sich die Redakteure wie Helden. Möglicherweise sehen sie sich auch in der von Alice Schwarzer initiierten Stern-Kampagne „Wir haben abgetrieben“. Doch bevor das SZ- Magazin im Gegensatz zum Interruptio bedeutungsschwanger wird, sei gesagt: Gegen Jonathan Berlin oder Tucké Royale, die kein – Pardon – Schwanz kennt, oder Ulrich Matthes und Jacky Schwarz, immerhin halbwegs bekannte Schauspieler, waren die Prominenten, die sich 1971 im Stern outeten, von einem ganz anderen Kaliber: Von Romy Schneider, bis Senta Berger bekannten sich auch in einer ähnlichen Aktion in Frankreich die großartige Chaterine Deneuve, so wie Simone De Beauvoir zu ihren Abtreibungen.

Ein renommierter Preis macht sich lächerlich

Mit solchen Granaten kann #actout leider nicht dienen. Einen Preis gibt es dafür trotzdem, was der Bundesverband Schauspiel am Donnerstag, 29. Juli, bekannt gab. Der Ehrenpreis „Inspiration“ des Deutschen Schauspielpreises gehen an die Initiatoren. Stellvertretend für die todesmutigen Schauspieler, werden Karin Hanczewski und Godehard Giese (#ActOut) sowie Kai Pieck (Netzwerk Queer Media Society) ausgezeichnet. Prima. Jetzt weiß ich auch, dass es eine Queer Media Society gibt. Ich setzte bisher ganz auf Black Rebel Society.

Ich habe mich längst aufgehört zu wundern, für was man alles einen Preis bekommen kann. Interessant ist es trotzdem. Der deutsche Schauspielpreis gilt als durchaus renommierte Auszeichnung. So ist beispielsweise Maria Hofstätter für dieses Jahr nominiert, die in dem beeindruckenden Film „Fuchs im Bau“ die eigensinnige Gefängnislehrerin spielt. Auch 2020 wurden Größen wie Nicole Heesters oder Dieter Mann ausgezeichnet.

Weshalb nun aber #act out? Die Schauspieler riskieren gar nix. Die Künstlerszene ist so schwul wie Fans des Eurovision Songcontest (ESC). Und das ist auch völlig in Ordnung. Ich erinnerte mich, als ich in Würzburg einen ESC in einer Bar verfolgte. Bei Conchita Wursts „Rise like a phoenix“ war kein Auge trocken. Alt- und Junghomos bewegte dieses Lied. Keiner hatte sich dabei etwas gedacht, weshalb auch? Der ESC ist so schwul, wie die Besucher in einer durchschnittlichen Theaterkantine: Überwiegend.

Zeichen setzen für nichts und niemanden

Das weiß auch jeder. Im Februar noch wunderte ich mich aufgrund des Outings von Schauspielern. Der Preis dafür ist daher nur folgerichtig und passt in diesen wenig geistreichen Zeitgeist. Man muss nichts mehr riskieren, um Mut zu zeigen und auf die Titelseite unmaßgeblicher Magazine zu kommen. Es genügt, den Ton der Zeit zu treffen. Für die Hessenschau, aber auch für viele andere Medien ist allen Ernstes die Tatsache eine Meldung, dass Sebastian Vettel Schuhe mit einer Regenbogenfahne trägt. Ein „Zeichen“ hätte er gesetzt gegen „Homophobie“. Endlich haben wir Schwulenfeindlichkeit besiegt, weil ein Rennfahrer, der seit längerem über seinen Zenit fährt, in Budapest bunte Schuhe trägt. Wenn das nicht infantil ist, was dann?

Wir leben in einer Welt der bedeutungslosen Symbole. Deutsche Fußballkicker knien sich vor einem Spiel nieder, weil in den USA vor mehr als einem Jahr George Floyd ums Leben kam. Während weniger Tage vor dem Kniefall im Stadion und nur 200 km von der Allianz Arena entfernt ein Mann drei Menschen abschlachtete. Trauerflor wäre angebracht gewesen. Stattdessen wird die Regenbogenfahne gezeigt, weil ein Staat ein Gesetz auf den Weg brachte, das man zwar mit Recht kritisieren kann, sich aber in einem rechtsstaatlichen und demokratischen Rahmen abspielt.

Ullrich Matthes spielt demnächst Manuel Neuer

Vettel riskiert gar nichts, weil er auch gar nichts damit erreicht. Was sollte er damit auch bewirken? Victor Orban lässt sein Volk über das LGTB Gesetz abstimmen. In Ungarn gibt es eine eingetragene Partnerschaft. Sicherlich kann man in dem Land noch mehr für Homosexuelle tun. Illegal lebt jedoch kein Schwuler. Im Unterschied zu Katar, in der Homosexuelle im Gefängnis sitzen. Mir ist nicht bekannt, dass Vettel im März beim Großen Preis dort „Zeichen“ mit seinen Turnschuhen gesetzt hat. Schade. Hier hätte er wirklich etwas riskiert. Regenbogenfarben in Ungarn provoziert längst keinen mehr. In der islamischen Diktatur Quatar hätte er damit Aufmerksamkeit erregt. Ein Thema, das fast den gesamten Profisport betrifft.

Vielleicht bekommt Sebastian Vettel, oder Manu Neuer, stellvertretend für „Die Mannschaft“ auch einen Preis. Vielleicht den Brigitte-Award in der Sonderkategorie „Gratismut“. Die todesmutigen Schauspieler von #Actout könnten das Ganze dann verfilmen. Ullrich Matthes ist ein so dermaßen ernsthafter Schauspieler, dem würden Sie auch die Rolle als Manuel Neuer abnehmen. Ganz bestimmt.

Pulitzer ehrt Voyeur, der den Tod von Floyd filmte

Von Julian Marius Plutz.

Ich habe ja noch nie einen Preis gewonnen. Mir ist das persönlich auch überhaupt nicht wichtig. Natürlich sagen das all die, die nicht in den Genuss einer solchen Ehrung kamen. Logisch. „Titel sind nur Nummern“, sagte Pep Gardiola, nachdem er zum 12. mal im Halbfinale scheiterte. Genauso übrigens reden die, die eine solche Trophäe erhalten haben. „Das ist doch nur ein Titel“, sagen die anderen. Gespielte Bescheidenheit, vielleicht noch mit einem charmanten Flaubert Zitat auf den Lippen, während die Dollarzeichen in den Augen blinken und das Ego in ganz andere Sphären schwebt.

Nein, im Ernst. Ich würde so ziemlich jeden Preis annehmen. Warum auch nicht? Immerhin gibt es Geld, wenigstens manchmal. Mindestens aber Häppchen und Sekt. Wenn das mal keine Freude bereitet! Ich nehme sie alle. Friedensnobelpreis, Tor des Jahres, Unstatistik des Monats, den Oswalt-Kolle-Gedächtnispreis, egal. Her damit.

Zu einer Ehrung würde ich aber nein sagen (es ist nicht der Deutsche Filmpreis) und zwar aus gegebenen Anlass. Und das ist der Pulitzer Preis. Ja. Denn diese „Auszeichnung“ ist in diesem Jahr auf immer und ewig besudelt worden. Es ist gerade zu abstoßend, was hier passiert ist. Vielleicht haben Sie es mitbekommen.

„Nimm es auf, vielleicht stirbt jemand!“

In diesem Jahr verleiht die Jury einen Sonderpreis. Darnella Frazier, damals 17 Jahre jung, filmte den Tod von George Floyd Laut SPIEGEL „schaffte (sie) damit Aufklärung“. Mutig habe sie gehandelt, so die Juroren, die Preisträgerin habe die „entscheidende Rolle von Bürgern beim Streben von Journalisten nach Wahrheit und Gerechtigkeit“ gespielt.

Wir halten fest: Man bekommt einen Preis und 15.000 Dollar, weil man einen Menschen beim Sterben filmt? Wirklich? Die Kernbotschaft heißt:“ Du bist 17 und hast ein Handy? Prima! Stell dich an den Straßenrand und filme einen Unfall. Vielleicht stirbt jemand. Greife nicht ein, wenn es brennt, eventuell verbrennt jemand, sondern mach‘ daraus ein Video! Stell‘ es online, denn dann kommt eine völlig degenerierte Jury und schenkt dir 15.000 Dollar und den bedeutendsten Journalistenpreis der Welt!“

Als hätten wir nicht genug Probleme mit Voyeuren, die Rettungskräfte beim Helfen behindern. Sogar den Aktenzeichen XY Preis für Zivilcourage würde ich annehmen, nicht zuletzt, damit ich mich vergewissern kann, dass der Innenminister Horst Seehofer, genannt „das Phantom“, noch existiert. Immerhin wird man bei diesem Preis für etwas ausgezeichnet, was einen positiven Effekt hatte. Man rettete die Handtasche und das Leben von Oma Siggi. Vielleicht rettete man auch Katzenbabys nebst Kleinkind aus dem brennenden Baumhaus. Wie auch immer, man tat etwas Gutes.

Der Pulitzer Preis ist entehrt

Darnella Frazier hingegen tat das, was jeder Teenie, der nicht mehr alle ethischen Latten beisammen hat, gemacht hätte. Sie filmte für eine geile Social-Media Story. Ob sie ein Tick-Tock Video daraus gemacht hat, ist nicht bekannt. Was man aber weiß: Sie hat in den Minuten von George Floyds Tod lieber gefilmt, als Hilfe zu holen. Die Story war ihr wichtiger, als das Leben des gerade am erstickenden Verhafteten. Für geistig-moralische intakte Menschen ist unterlassene Hilfeleistung eine Straftat, mindestens das Filmen aber eine Ordnungswidrigkeit. Für die Pulitzer-Jury scheint Darnellas Tat jedoch ehrwürdig zu sein.

Wächst da eine ganz neue Journalisten-Form heran? Der Voyeur-Journo, der live dabei ist, wenn mal wieder jemand stirbt? Wobei, das gab es schon mal. Früher wurde man dafür vom Presserat gerügt. Nun also doch Flaubert: „Ehren entehren, Titel werten ab, ein Amt verblödet“. Und mit dieser Auszeichnung ist der Pulizer Preis auf alle Zeiten entehrt, abgewertet und verblödet. Bisherige Preisträger können sich überlegen, ob sie davon Teil sein wollen.

Ihren Fehler hatte die inzwischen 18-Jährige Neujournalisten im Prozess um den Tod von George Floyd im Übrigen eingesehen: „Es ist nicht das, was ich hätte tun sollen.“ sagte sie im Bezug auf das Video. Sie bedauere, dass sie Floyds Leben nicht habe retten können. Gut, letzteres ist wahrscheinlich zu viel verlangt. Mit dem ersten Punkt aber hat sie recht. Respekt dafür. Doch diese Erkenntnis interessierten die verantwortlichen Juroren nicht. Pulitzer wollte auf Teufel-komm-raus etwas abbekommen vom riesengroßen Zeitgeistkuchen, der auf den Namen Black Lifes Matter hört.

Und wenn ich dann endlich einmal ausgezeichnet werde, vielleicht mit dem George-Floyd-Abzeichen in Schwarz, werde ich den Preis auch nicht annehmen. Manches tut man einfach nicht. Häppchen und Sekt gibt es auch woanders – zum Beispiel zu Hause.

Zu Gast beim Podcast Indubio

Die Publizisten Roger Letsch (unbesorgt.de), Julian Marius Plutz (neomarius.blog) und Boris Reitschuster (reitschuster.de) diskutieren mit Burkhard Müller-Ullrich über Banken, die Regierungskritikern die Konten kündigen, über Facebooks Wächterrat, der jahrelange Sperren abnickt, und über FDPler, die Feindeslisten führen.

Technischer Hinweis: INDUBIO kann man auch über die gängigen Podcast-Apps (Apple, Deezer, Soundcloud usw.) anhören.

https://www.achgut.com/artikel/indubio_folge_133_waehlertrmmer_einsammeln

Neomarius nun auch in der Junge Freiheit und Novo

Warum die Linke für Schwule keine Alternative ist

Weshalb ist der Automatismus immer noch bei vielen: „Du bist schwul, also kannst du nicht freiheitlich-konservativ sein“? Natürlich geht das. Ich halte es für eine ziemliche Zumutung, daß Menschen eine sexuelle Orientierung an eine politische Einstellung knüpfen. Es ist eher sonderbar, daß Schwule und Lesben ausgerechnet linke Organisationen unterstützen, die in großer Mehrheit die Augen in dem Moment verschließen, wenn die Täter einen islamischen Hintergrund haben, der längst zum Vordergrund geworden ist.

https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2021/warum-die-linke-fuer-schwule-keine-alternative-ist/

Hetzen und jagen

Ferner auch auf Novo

https://www.novo-argumente.com/artikel/hetzen_und_jagen

Wie Malcolm Ohanwe Chuck Norris ablöste

Von Julian Marius Plutz.

In Deutschland ist es verpönt, sich selbst positiv zu beurteilen. Einerseits. Andererseits besteht die merkwürdige Kultur, jedweden Unsinn über den grünen Klee zu loben. Nehmen wir ein Beispiel: Kind, 13, möchte unbedingt Popstar werden. Das Problem an der Sache ist, es kann nicht singen. Also wirklich gar nicht. Es ist furchtbar anzuhören. Die Haare stehen zu Berge und man schämt sich fremd. Man will nur noch, dass es aufhört. Bitte, bitte, liebes Kind, lass es gut sein.

Und was macht Mutter? Die lobt ihre grässlich schrägen Beiträge, die sie dann noch allen ernstes auf Youtube hoch lädt. Eine hervorragende Einladung zum Mobbing. Hätte das Elternteil 1 doch mal den Mut gehabt, zu sagen: „Mädel, du bist toll, wie du bist. Aber singen, sorry, singen kannst du echt kein bisschen. Jetzt lösche deine grauenhafte Katzenmusik aus dem Internet, bevor es noch deine Berufskarriere schädigt und tu etwas, das du besser kannst.“ Gemein, ich weiß, ungerecht und verletzend. Die Wahrheit ist manchmal eine einzige grausame Zumutung. Ich weiß das, denn ich dachte früher einmal, ich könnte Rapper werden, doch reichte es beim Stottern nur für Schüttelreime.

Dann gibt es das schiere Gegenteil. Menschen, die sich selbst loben, als gäbe es kein Morgen mehr. Sie sehen sich nicht als Ebenbild Gott, sondern als Clon Jahwes. Ich bin der ich bin geil. Ein Exemplar leibhaftiger Hybris hört auf den Namen Malcolm Ohanwe. Und es ist offenkundig: Der Mann, glaubt man der Selbstbeschreibung, hat einiges auf den Kasten. Zumindest kann nicht jeder behaupten, sechs Sprachen zu sprechen und einige davon fließend. Ich kenne selbst so ein Sprachtalent und habe davor höchsten Respekt. Und Malcolm kann sich auch gerne dafür und für andere Punkte seiner Lebensleistung auf die Schulter klopfen – geschenkt. Und er kann das sogar auf Twitter machen, wo es tausende Menschen lesen würden. Dann braucht er sich aber nicht zu wundern, wenn er Gegenwind erhält und verspottet wird. Doch lesen Sie selbst, was er so über sich denkt:

Der multilinguale Tausendsassa

„Ich bin um die Welt gereist fürs ZDF Auslandsjournal, volontiert beim Bayerischen Rundfunk, Auslands-Podcast beim SWR, Studium der Romanistik, Anglistik und Arabistik, über 10 Journalisten-Preise mit nur 27, mehrsprachig versiert. Mir Expertise abzusprechen ist rassistisch.“ Ich freue mich über jeden Preis, den ich bisher bekommen habe (keinen) und es ist super, dass er „mehrsprachig versiert ist“. Andererseits würde mich dann interessieren, was „einsprachig versiert“ ist. Aber das nur am Rande und Spaß bei Seite. Warum soll es rassistisch sein, wenn man ihm „Expertise“, welche auch immer, abspricht? Ist ein bestimmtes Wissen etwa eine Frage der Herkunft?

Mir ist rätselhaft, warum Herr Ohanwe Kritik an seine Arbeit, die in weiten Strecken tatsächlich äußerst mittelmäßg ist, auf seine Herkunft reduziert. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Im Umkehrschluss könnte man ihn gar nicht kritisieren, ohne ein Rassist zu sein. Im Endeffekt lesen Sie gerade die Zeilen eines ultrarechten Hardcore-Nazis. How dare I?

Doch Malcolm hat noch nicht fertig, noch lange nicht: „Wer haut dir eine differenzierte Reportage aus Mali raus, komplett auf Französisch, spricht komplett auf Spanisch über die Missstände in Palästina und Israel und macht gleichzeitig wirtschaftliche Live-Schalten aus Nigeria auf Englisch. Das Absprechen von Intelligenz ist grotesk.“

In der Manier und freilich nicht ansatzweise so grandios würde ich wie in „Were so poor“ von Monty Python antworten: „Wer jongliert mit Mopsbabys, vier an der Zahl, telefoniert gleichzeitig mit dem senegalesischen Bildungsminister auf finnisch, sitzt im längst gefundenen Bernsteinzimmer, schreibt dabei die Fortsetzung von Herr der Ringe auf elbisch und löst den Nahost Konflikt während er erfolgreich durch 0 teilt.“ Malcom Ohanwe ist offensichtlich der neue Chuck Norris.

das jüdische scheint zu stören

Es folgen noch weitere Aussagen von Herrn Ohanwe, die noch mehr untermauern, dass hier jemand irgendetwas kompensieren muss. Und ja, Ohanwe wird mit Sicherheit auch rassistisch angegangen und ja, ich selbst erlebte Diskriminerung. Ich kann das nachempfinden und spreche jedem, der dies tut ab, Humanist zu sein. Das steht außer Frage. Aber Ohanwe kann auch austeilen. Und wie.

So wie 19. Mai bei Maischberger, als sich der Malcolm zum inoffiziellen Pressesprecher der Terrroristen machte. Knuffig und sympathisch erklärt er uns, dass es „jüdische Mobs“ gab, die vor der Al Aqusa Moschee „Arabar“ jagten, freilich ohne Beleg. „Der jüdische Mob“ ist streng genommen die Koscher Nostra. Freilich meinte Herr Ohanweaber nicht die Mafiaorganisation, sondern nach Blut lüsterne Juden, die durch die Straße wetzen, um Araber zu töten. Ein Schelm, der an Antisemitismus denkt. Überhaupt scheint er sich am Jüdischen zu stören. So werden im Westjordanland auch nicht Palästinenser von Israelis „niedergeschossen“, auch hier frei von Beleg, sondern „jüdische“ Israelis schießen Palästinenser nieder. Der Punkt der religiös-kulturellen Herkunft scheint dem Malcolm persönlich wichtig zu sein. Ich halte das für höchst problematisch und das muss auch hart kritisiert werden.

Ich bleibe daher eher beim Motto des Herrenschneiders: „Darf’s auch a Nummer kleiner sein“? Es ist okay, sich zu loben und ganz ehrlich, so manche Texte von mir lese ich und denke mir: „Ist der geil!“. Übertreiben sollte man die Lobhudelei dann doch nicht. Malcom Ohanwe nahm übrigens mit 16 bei „Deutschland sucht den Superstar“ teil. Ob das aufgrund gelogener positiver Zusprechung seitens seines Umfelds passiert ist, kann weder bestätigt, noch verneint werden. Eines sollte aber klar sein: Nach Kritik an der eigenen Person mit der Rassismuskeule zu kommen, ist für die Opfer echter Diskriminierung ein Schlag ins Gesicht. Vielleicht haben die Kritiker auch einfach nur recht. Vielleicht ist das Fremdbild doch an der Realität näher, als das Selbstbild. Und vielleicht ist Malcom Ohanwe tatsächlich nur ein äußerst mittelmäßiger Tendenzjournalist und ein absurd einseitiger Aktivist.

Hetzjagden in Europa

Von Julian Marius Plutz.

Erinnern Sie sich noch an die Jagszenen in Chemnitz? Das weltbekannte Qualitätsmedium „Antifa Zeckenbiss“ informierte Deutschland, dass Ausländer am Rande einer Demo durch die Straßen gehetzt wurden. Und ja: Die Bilder sind alles andere als ansehnlich. Man sieht zwei oder drei Männer, die einem anderen Menschen hinterherrennt. „Antifa Zeckenbiss“ beschrieb ihr Video so: „#c2608 #Sachsen. Menschenjagd in #Chemnitz Nazi-Hools sind heute zu allem fähig #FckNZS.“Diese Zeilen empfanden Angela Merkel, respektive ihr Adlatus Steffen Seibert als so charmant, dass sie diese nicht nur übernahmen, sondern auch noch ins Plural setzten. Plötzlich handelte es sich um „Hetzjagden.“ Traumschön.

Geboren war die Legende, die letzten Endes zur Entlassung des damaligen Verfassungsschutzpräsidenten führte. Und das, obwohl die tendenziell unverdächtige Lokalpresse, die im Gegensatz zu Merkel und Seibert vor Ort waren, Hans-Georg Maaßens Aussage unterstützte. Manchmal ist die Wahrheit einfach nicht gut genug und wer sie ausspricht, die unangenehme Wahrheit, der wird zum Problemfall. Wie Bruno der Bär zum Problembär wurde. Der musste dann auch weg.

Über Wochen debattierte man über dieses eine Video und diese eine Demonstration. Betroffenheitstrunkende Politikerdarsteller und bedeutungsschwangere Journalistenspieler übertrafen sich mit moralin-gedopten Worthülsen. Hätte man es nicht besser gewusst, würde man meinen, die Machtergreifung der Nazis stehe bevor. Und die Speerspitze der investigativen Medien „Antifa Zeckenbiss“ – wer kennt sie nicht – war mitten im Geschehen.

Helge Lindh und Paul Pogba drehen hohl

Seit Tag 1, an dem sich Israel gegen Angriffe von Terroristen wehrte, gehen Menschen weltweit auf die Straße und demonstrieren gegen das Selbstverteidigungsrecht eines Landes. Auch hierzu gibt es ein Video, das allerdings nicht, wie das von „Antifa Zeckenbiss“, in zahllosen Medien, bis hin zur Tagesschau, vorkam. Es löst auch keine Empörung bei Angela Merkel aus oder regt eine ehrliche und echte Debatte über Antisemitismus an. Es regt sich rein gar nix, außer, dass Helge Lindh ein Strohmann Argument baut, dass es nur so knistert: „Antisemitismus ist also ein importiertes Problem? In einem Land, zu dessen Staatsräson das Gedenken an die Shoa gehört? Mit einem ehem. Verfassungschef, der antisemitischen. Verschwörungsmythen verbreitet? Mit Coronaleugnern, die sich auf Demos mit Judenstern zur Schau stellen? Achso.“

Davon abgesehen, dass Lindh die dreiste Lüge von Luisa Neubauer fortsetzt, Maaßen sei antisemitisch und noch mehr davon abgesehen, dass mir schleierhaft ist, was Coronademos damit zu tun haben: Antisemitismus ist kein reines importiertes Problem. Das hat aber auch niemand behauptet. Jedoch verstärkt der Importierte den bereits bestehenden Judenhass. Das ist überhaupt kein Geheimnis und leuchtet auch jeden ein, der das Thema ohne politisch korrekter Scheuklappen betrachtet. Doch diese Denkleistung mag den geistigen Kleinsparer aus Wuppertal zu überfordern. Lieber versucht Lindh mit fadenscheinigen Klagen seine Kritiker einzuschüchtern.

An den Reaktionen auf den Konflikt zeigt sich die klare, israelfeindliche Haltung. So solidarisierte sich unter anderem Manchester United Spieler Paul Pogba mit den Angriffen auf israelische Zivilisten. Anders kann ich diese Aktion nicht deuten. Es ist offensichtlich kein Problem, für die Ziele der Hamas zu stehen. Man bekommt es jedoch mit Problemen zu tun, wenn man für den Judenstaat Partei ergreift, wie in dem besagten Video:

Eine Person schwenkt am Rande einer solchen Anti-Israel Veranstaltung eine eine Israelfahne. Als die Demonstranten dies bemerkten, rannten in wenigen Sekunden einige Teilnehmer auf die Person zu und verfolgten sie durch die Gassen von Basel. Eine einzige Fahne mit einem Davidstern schien den Demonstranten so zu provoziert, dass sie aggressiv wurden und dieser mutigen Person hinterherhetzten.

Die Debatte ist kaputt

Tag ein Tag aus eskalieren solche Demonstrationen. Manche Teilnehmer scheinen ihren letzten Rest Anstand und Pietät abgelegt zu haben. Sie grölen: „Jude, Jude, feiges Schwein – komm heraus und kämpf allein.“ Sie verbrennen Israelflaggen. Sie beschimpfen Journalisten als „Scheiß Jude“. Die Stimmung ist aggressiv und der Täter ist klar definiert: Der Jud‘ ist schuld. Wer auch sonst? Ich kann Ihnen kaum beschreiben, wie wütend und traurig mich das macht. Ich bin mir sicher, dass der einzige Grund, warum diese Menschen mit ihrer Menschenfeindlichkeit auf die Straße gehen ist, weil Hitler seinen Job nicht zu Ende brachte. Ich meine das völlig ernst. Offensichtlich haben zu viele Juden den Holocaust überlebt. Das scheint den Hamas-Freunden aus Europa ein Dorn im Auge zu sein.

Deutsche Medien und Deutsche Politik sind kaputt. Berlins Innensenator nennt die Demonstranten „erlebnisorientiert„. Nach der Argumentation wäre der Holocaust eine Art Volksfest gewesen. Sein Genosse und Bundesvorsitzender Norbert-Walther Borjans fordert aufgrund U-Bootlieferungen an Israel ein Mitspracherecht um „Verhandlungen zu führen und sich nach einer Zwei-Staaten Lösung zu öffnen“. Die Partei, die einst Standards in Ehre und Moral setzte, als August Bebel, Friedrich Ebert oder Helmut Schmidt noch im Amt und Würden waren, zerlegt sich im Stundentakt. Was ist los mit euch? Ich kenne zwar ein paar SPD Mitglieder, vernünftige Leute, Freunde, Familie. Doch darüber scheint sich keiner großartig zu beschweren. Ich kann das nicht nachvollziehen. Ist euch Israel wirklich so egal? Wisst ihr nicht, weshalb das Land gegründet wurde? Wenn sich Juden auf deutschen Straßen nicht sicher fühlen und der Staat, den Juden als Sicherheitsgarant zur Verfügung steht, angegriffen wird und die Politik dazu nichts zu sagen hat, dann hat sie jedwede moralische Legitimation verloren. Ethisches Schachmatt, emotionales Schneider-frei.

Wer die Gewaltdemos gegen Israel nicht skandalisiert, versteht es nicht. Wer glaubt, die Angriffe von Hamas und die Interventionen von Israel gleichzusetzen, versteht es nicht. Und wer ein einzelnes Video von „Antifa Zeckenbiss“ zum Anlass nimmt, unliebsame Menschen loszuwerden, versteht rein gar nichts. Die Debatte ist längst vergiftet und zerstört. Wenn das Opfer nicht ins Weltbild passt, sind die Opfer im Weg. Wenn sich Juden wehren und Israel verteidigen, sind sie Fehl am Platz. Da kann schon mal eine einzige Israelflagge zum Problem werden.

https://www.welt.de/politik/deutschland/article181318302/Chemnitz-Bundesregierung-verurteilt-Hetzjagden-scharf.html

https://www.freiepresse.de/chemnitz/chemnitz-darum-sprechen-wir-nicht-von-hetzjagd-artikel10299149

https://www.achgut.com/artikel/unsere_mandantin_wollte_gesaessvioline_schreiben

https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/nach-hass-krawallen-in-berlin-innensenator-nennt-judenhasser-erlebnisorientiert-76427036.bild.html

https://www.welt.de/politik/deutschland/article231203253/Walter-Borjans-Anspruch-gehoert-zu-werden-SPD-stellt-Israel-Bedingungen.html

https://www.merkur.de/lokales/region-miesbach/miesbach-ort29062/zehnten-todestag-erschoss-bruno-6517193.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Schneider_(Kartenspiel)