Wie Malcolm Ohanwe Chuck Norris ablöste

Von Julian Marius Plutz.

In Deutschland ist es verpönt, sich selbst positiv zu beurteilen. Einerseits. Andererseits besteht die merkwürdige Kultur, jedweden Unsinn über den grünen Klee zu loben. Nehmen wir ein Beispiel: Kind, 13, möchte unbedingt Popstar werden. Das Problem an der Sache ist, es kann nicht singen. Also wirklich gar nicht. Es ist furchtbar anzuhören. Die Haare stehen zu Berge und man schämt sich fremd. Man will nur noch, dass es aufhört. Bitte, bitte, liebes Kind, lass es gut sein.

Und was macht Mutter? Die lobt ihre grässlich schrägen Beiträge, die sie dann noch allen ernstes auf Youtube hoch lädt. Eine hervorragende Einladung zum Mobbing. Hätte das Elternteil 1 doch mal den Mut gehabt, zu sagen: „Mädel, du bist toll, wie du bist. Aber singen, sorry, singen kannst du echt kein bisschen. Jetzt lösche deine grauenhafte Katzenmusik aus dem Internet, bevor es noch deine Berufskarriere schädigt und tu etwas, das du besser kannst.“ Gemein, ich weiß, ungerecht und verletzend. Die Wahrheit ist manchmal eine einzige grausame Zumutung. Ich weiß das, denn ich dachte früher einmal, ich könnte Rapper werden, doch reichte es beim Stottern nur für Schüttelreime.

Dann gibt es das schiere Gegenteil. Menschen, die sich selbst loben, als gäbe es kein Morgen mehr. Sie sehen sich nicht als Ebenbild Gott, sondern als Clon Jahwes. Ich bin der ich bin geil. Ein Exemplar leibhaftiger Hybris hört auf den Namen Malcolm Ohanwe. Und es ist offenkundig: Der Mann, glaubt man der Selbstbeschreibung, hat einiges auf den Kasten. Zumindest kann nicht jeder behaupten, sechs Sprachen zu sprechen und einige davon fließend. Ich kenne selbst so ein Sprachtalent und habe davor höchsten Respekt. Und Malcolm kann sich auch gerne dafür und für andere Punkte seiner Lebensleistung auf die Schulter klopfen – geschenkt. Und er kann das sogar auf Twitter machen, wo es tausende Menschen lesen würden. Dann braucht er sich aber nicht zu wundern, wenn er Gegenwind erhält und verspottet wird. Doch lesen Sie selbst, was er so über sich denkt:

Der multilinguale Tausendsassa

„Ich bin um die Welt gereist fürs ZDF Auslandsjournal, volontiert beim Bayerischen Rundfunk, Auslands-Podcast beim SWR, Studium der Romanistik, Anglistik und Arabistik, über 10 Journalisten-Preise mit nur 27, mehrsprachig versiert. Mir Expertise abzusprechen ist rassistisch.“ Ich freue mich über jeden Preis, den ich bisher bekommen habe (keinen) und es ist super, dass er „mehrsprachig versiert ist“. Andererseits würde mich dann interessieren, was „einsprachig versiert“ ist. Aber das nur am Rande und Spaß bei Seite. Warum soll es rassistisch sein, wenn man ihm „Expertise“, welche auch immer, abspricht? Ist ein bestimmtes Wissen etwa eine Frage der Herkunft?

Mir ist rätselhaft, warum Herr Ohanwe Kritik an seine Arbeit, die in weiten Strecken tatsächlich äußerst mittelmäßg ist, auf seine Herkunft reduziert. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Im Umkehrschluss könnte man ihn gar nicht kritisieren, ohne ein Rassist zu sein. Im Endeffekt lesen Sie gerade die Zeilen eines ultrarechten Hardcore-Nazis. How dare I?

Doch Malcolm hat noch nicht fertig, noch lange nicht: „Wer haut dir eine differenzierte Reportage aus Mali raus, komplett auf Französisch, spricht komplett auf Spanisch über die Missstände in Palästina und Israel und macht gleichzeitig wirtschaftliche Live-Schalten aus Nigeria auf Englisch. Das Absprechen von Intelligenz ist grotesk.“

In der Manier und freilich nicht ansatzweise so grandios würde ich wie in „Were so poor“ von Monty Python antworten: „Wer jongliert mit Mopsbabys, vier an der Zahl, telefoniert gleichzeitig mit dem senegalesischen Bildungsminister auf finnisch, sitzt im längst gefundenen Bernsteinzimmer, schreibt dabei die Fortsetzung von Herr der Ringe auf elbisch und löst den Nahost Konflikt während er erfolgreich durch 0 teilt.“ Malcom Ohanwe ist offensichtlich der neue Chuck Norris.

das jüdische scheint zu stören

Es folgen noch weitere Aussagen von Herrn Ohanwe, die noch mehr untermauern, dass hier jemand irgendetwas kompensieren muss. Und ja, Ohanwe wird mit Sicherheit auch rassistisch angegangen und ja, ich selbst erlebte Diskriminerung. Ich kann das nachempfinden und spreche jedem, der dies tut ab, Humanist zu sein. Das steht außer Frage. Aber Ohanwe kann auch austeilen. Und wie.

So wie 19. Mai bei Maischberger, als sich der Malcolm zum inoffiziellen Pressesprecher der Terrroristen machte. Knuffig und sympathisch erklärt er uns, dass es „jüdische Mobs“ gab, die vor der Al Aqusa Moschee „Arabar“ jagten, freilich ohne Beleg. „Der jüdische Mob“ ist streng genommen die Koscher Nostra. Freilich meinte Herr Ohanweaber nicht die Mafiaorganisation, sondern nach Blut lüsterne Juden, die durch die Straße wetzen, um Araber zu töten. Ein Schelm, der an Antisemitismus denkt. Überhaupt scheint er sich am Jüdischen zu stören. So werden im Westjordanland auch nicht Palästinenser von Israelis „niedergeschossen“, auch hier frei von Beleg, sondern „jüdische“ Israelis schießen Palästinenser nieder. Der Punkt der religiös-kulturellen Herkunft scheint dem Malcolm persönlich wichtig zu sein. Ich halte das für höchst problematisch und das muss auch hart kritisiert werden.

Ich bleibe daher eher beim Motto des Herrenschneiders: „Darf’s auch a Nummer kleiner sein“? Es ist okay, sich zu loben und ganz ehrlich, so manche Texte von mir lese ich und denke mir: „Ist der geil!“. Übertreiben sollte man die Lobhudelei dann doch nicht. Malcom Ohanwe nahm übrigens mit 16 bei „Deutschland sucht den Superstar“ teil. Ob das aufgrund gelogener positiver Zusprechung seitens seines Umfelds passiert ist, kann weder bestätigt, noch verneint werden. Eines sollte aber klar sein: Nach Kritik an der eigenen Person mit der Rassismuskeule zu kommen, ist für die Opfer echter Diskriminierung ein Schlag ins Gesicht. Vielleicht haben die Kritiker auch einfach nur recht. Vielleicht ist das Fremdbild doch an der Realität näher, als das Selbstbild. Und vielleicht ist Malcom Ohanwe tatsächlich nur ein äußerst mittelmäßiger Tendenzjournalist und ein absurd einseitiger Aktivist.