Konsens ohne Konsens – Impfstoffe bieten Anlass zur Sorge

Von Max H.

Vom sachlichen Diskurs hat sich die Gesellschaft längst verabschiedet
Impfen rettet Leben – das ist eine in diesen Tagen sehr prominente Aussage, die auch ein Großteil der Gesellschaft ohne Frage so unterschreiben würde. Zu Recht. Und tatsächlich, die medizinische Errungenschaft der Impfungen hat unser Leben nicht nur erleichtert, sondern auch zu dessen Verlängerung und zur Verbesserung des Lebensstandards geführt. Spätestens mit Beginn der Ausrufung der SARS-CoV2 Pandemie zur „gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite“ am 30. Januar 2020 durch den Generaldirektor der WHO, Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, setzte aber ein Trend ein, der sich bis heute verstetigt und verfestigt hat: Wissenschaftlicher Konsens ist Konsens, hinterfragen ist verschwören und Punkt, ein Diskurs findet mehrheitlich nicht mehr statt.

Weite Teile unserer Gesellschaft haben verlernt, zu hinterfragen, einen Sachverhalt neutral aber gleichzeitig kritisch von mehreren Seiten zu betrachten. So gibt es beunruhigende Entwicklungen über die Rolle der Spike-Proteine nach erfolgter Impfung gegen SARS-CoV2 mit einem mRNA Impfstoff – doch Warnungen von Experten verhallen im Nichts oder werden allzu gerne als Verschwörungstheorie oder rechte Desinformation abgetan.

Politik der „Alternativlosigkeit“



„Zehn Menschen, die einen Elefanten aus zehn unterschiedlichen Richtungen betrachten, werden über seine Form und Beschaffenheit zu zehn unterschiedlichen Aussagen kommen. Ein einziger Mensch, der denselben Elefanten aus diesen zehn unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, wird danach in der Lage sein, alle Beobachtungen zusammenzusetzen, um daraus die einzig schlüssige Schlussfolgerung zu ziehen.“, so ein Zitat aus der bislang erfolgreichsten deutschen Netflix Eigenproduktion „Dark“. Übertragen auf die Politik der letzten Monate in Deutschland lässt sich feststellen: Bundeskanzlerin Merkel als die „Krisenmanagerin“ betrachtet in dieser Metapher den Elefanten, hier das neuartige Coronavirus – und übersieht, dass das Virus und die von ihr und den Ministerpräsidenten veranlassten und mitgetragenen Maßnahmen bei genauerer Betrachtung eben nicht nur einen Schluss zulassen, sondern vielfältige Interpretationsmöglichkeiten bestehen.

Konsens, der also kein Konsens ist. Und was ist Wissenschaft, in der es nur den einen Konsens, die eine wahre Wahrheit, gibt? Richtig, keine Wissenschaft. Wissenschaft lebt vom Diskurs, Wissenschaft lebt von unterschiedlichen Standpunkten, Sichtweisen und Thesen.


Betrachten wir nun die Impfstoffe, die gegen SARS-CoV2 in Rekordzeit durch hochrangige Wissenschaftler und Pharmazeuten entwickelt wurden und stellen werfen vorab einen Blick auf etwas, was wir kennen: Der Masern Impfstoff beispielweise, an dem seit den 1950er Jahren geforscht wurde, war dann in den 60ern marktreif: Die weltweite Erstzulassung erfolgte 1963 in den USA, der Impfstoff wird in veränderter Form, aber hochwirksam, bis heute verwendet.

Impfen ist nicht Neuland, aber…


Während es sich damals noch um einen sogenannten Spaltimpfstoff handelte, bei dem inaktivierte Viruspartikel durch Lösungsmittel „aufgebrochen“ (gespalten) werden, wird heute gegen Masern durchwegs ein attenuierter Lebend-Impfstoff eingesetzt. Zwischen den Methoden bestehen grundsätzliche Unterschiede, denn die heute verbreitete Methode bei Masern Impfstoffen zielt auf Verminderung der krankmachenden Eigenschaften des Masern Erregers ab, wobei aber gleichzeitig seine Vermehrungsfähigkeit erhalten bleibt oder nur gering herabgesetzt wird. Langzeitstudien fehlen – Corona Impfstoffe basieren auf neuartigen Technologien.

Im Falle von SARS-CoV2 wurden mehrere Impfstoffe auf Basis zweier relativ neuer oder gar völlig neuer Technologien innerhalb weniger Monate entwickelt. Die Bundesregierung bemüht sich jederzeit festzustellen, dass alle Impfstoffe regulär zugelassen wurden, in diesem Fall aber in einem „beschleunigten Verfahren“. Von Notzulassung keine Rede.

Der Impfstoff „Vaxzevria“ des schwedisch-britischen Herstellers AstraZeneca beispielsweise ist ein Vektor Impfstoff. Die genetische Information (die zur Anregung der Bildung von Antikörpern benötigt wird) wird hier mithilfe humaner Adenoviren als „Transportvehikel“ verimpft, dem Immunsystem präsentiert und somit eine Reaktion stimuliert. Vereinfacht gesagt: Es werden bereits bekannte, schwache Erkältungsviren als Überträger der genetischen Information benutzt. Dieses Verfahren ist zugegeben nicht ganz neu. Dennoch werden auch hier gentechnisch veränderte, abgeschwächte Viren als Träger der Information benutzt, somit handelt es sich auch bei diesem Verfahren nicht um eine klassische, seit Jahrzehnten bekannte Impftechnologie mit Langzeitstudien. Auch wurden bisher weltweit niemals Impfungen mit Vektor Impfstoffen in der Masse durchgeführt wie in diesen Tagen, diese Tatsache findet weltweit kaum Beachtung.

Trotz langer Forschung, bisher nie eine Zulassung


Die Impfstoffe von Moderna und BionTech Pfizer basieren auf dem mRNA Verfahren. Gänzlich neu ist auch das nicht – dieses Verfahren wird seit mehr als 20 Jahren erforscht, insbesondere in der Entwicklung eines Krebs Impfstoffes spielt die mRNA Technologie eine herausragende Rolle. Feststellen muss man allerdings: Trotz langer Forschung und mehreren konkreten Ansätzen gelang es bisher zu keinem Zeitpunkt, für einen der zahlreichenden Impfstoffkandidaten auf Basis dieser Technologie eine Zulassung zu erhalten – bis dann SARS-CoV2 und die daraus entstehende Krankheit COVID-19 auftrat.


Das Besondere an den mRNA-Impfstoffen ist nun, dass der Körper die Impfung sozusagen alleine herstellt: Die Impfstoffe enthalten keine abgeschwächten oder abgetöteten Viren, sondern nur die Bauanleitung für einen Bestandteil des COVID-19-Erregers, dem sogenannten Spike-Protein. Dafür wird ein kleines Stück Erbinformation in Form von messenger-RNA (mRNA) mit Nanopartikeln aus Fett umschlossen und in Muskelzellen im Oberarm gespritzt. Diese mRNA wird im Labor künstlich hergestellt. Wird man nun mit diesem Impfstoff geimpft, erhalten die Zellen im Körper den Bauplan für das charakteristische Spike-Protein des Virus.

Im Plasma der Zelle werden dann mithilfe dieses Bauplans die Spike-Proteine hergestellt, die der Körper bisher ja noch nicht kannte. Die Hersteller der Impfstoffe betonen, dass mit der mRNA ausschließlich das Spike-Protein hergestellt werden könne, und nicht das gesamte Virus. Unser Immunsystem erkennt nunalso die produzierten Spike-Proteine als Fremdkörper und reagiert darauf mit einer Immunantwort – es produziert Antikörper, wir sind im besten Fall dann immun oder erkranken den Angaben der Hersteller und den Zulassungsbehörden nach höchstwahrscheinlich nicht schwer an COVID-19.

Wie effektiv die unterschiedlichen Impfstoffe im Einzelnen dann wirken, ob Geimpfte andere Personen in ihrer direkten Umgebung noch anstecken können und wie lange die Wirkung der Impfung anhält ist bislang noch umstritten und nicht genug erforscht.

An dieser Stelle verabschieden wir uns aber vom vermeintlichen Konsens des Mainstreams. Von den üblichen Verdächtigen der deutschen aber auch internationalen Medienlandschaft nicht beachtet meldete sich vor wenigen Tagen der kanadische Impfstoff Forscher Byram Bridle zu Wort. In einem Interview mit der „Omny FM“ Journalistin Alex Pierson in ihrem Podcast Format „On Point with Alex Pierson“ (englischsprachig, online veröffentlicht am 28. Mai 2021) gibt er an: „Wir haben einen großen Fehler gemacht und haben das bis jetzt nicht erkannt“. Bridle ist Immunologe und Professor an der Universität von Guelph in Ontario und gibt weiterhin zu bedenken: „Wir wussten nicht, dass das Spike-Protein selbst ein Toxin ist und ein pathogenes Protein darstellt. Wir impfen die Menschen ungewollt mit einem Giftstoff.“ Was populistisch und alarmistisch klingt bedarf einer genaueren Analyse.

Immunologe mahnt zur Vorsicht


Spike-Proteine verhalten sich anders als erwartet – Anlass zur Sorge?
Bisher ging man davon aus, dass die produzierten Spike-Proteine an Ort und Stelle verbleiben und das Immunsystem zur Bildung von Antikörper angeregt wird. Die kanadischen Forscher um Bridle wollen dies nun widerlegt haben, und beziehen sich außerdem auf japanische Studien, die von der dortigen Zulassungsbehörde veröffentlicht wurden. Diese zeigen, dass die Spike-Proteine entgegen erster Annahmen sehr wohl in den Blutkreislauf gelangen, wo sie dann auch noch mehrere Tage oder Wochen nach der Impfung zirkulieren und sich in Organen wie der Leber, der Milz oder dem Knochenmark – aber auch in „recht hohen Konzentrationen“ in den Eierstöcken anreichern.
Die kanadischen Forscher stellen die These auf, dass in der Folge möglicherweise Herz- Kreislauf-Erkrankungen entstehen können die den Körper somit mindestens auf Zeit schädigen können. Über mögliche Langzeitfolgen wissen wir auf Grund der geringen Datenlage ohnehin gar nichts.

Folgen bisher nicht erforscht


„Jetzt verfügen wir über eindeutige Beweise, dass die Impfstoffe dieses Protein produzieren und dass der Impfstoff selbst, zusammen mit dem Protein, in den Blutkreislauf gelangt.“, so Bridle.
Dass diese These nicht an den Haaren herbeigezogen ist, zeigt auch eine Veröffentlichung des renommierten Magazins „Nature“ vom 16. Dezember 2020, in der darauf hingewiesen wird, dass die Spike-Proteine entgegen erster Annahmen sehr wohl die Blut-Hirn-Schranke überwinden können sowie auch eine wissenschaftliche Ausführung unter Mitarbeit des Chefs des deutschen Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek: In der Mitteilung (veröffentlicht bei iScience24 am 08. Februar 2021) wird darauf hingewiesen, dass durch Spike-Proteine benachbarte Zellen verklebt werden können. Die Folge: Unter anderem sekundäre Immunkomplikationen, Mikrothrombosen und Gewebeschädigungen bis hin zur Gewebezerstörung. Ob durch diese durchaus neue Bewertung der Sachlage eine Gefährdung der Gesundheit geimpfter Personen auf lange Sicht hin weiterhin klar ausgeschlossen werden kann bleibt bislang unklar.



Die schnelle Entwicklung von Impfstoffen für COVID-19 Risikopatienten ist durchaus als Meilenstein der medizinischen Geschichte der Neuzeit zu bewerten. Niemals gelang es Medizinern und Forschern in ähnlich kurzer Zeit, einen den zu Grunde liegenden Daten nach hochwirksamen Impfstoff (in diesem Fall sogar mehrere) für die breite Masse zu entwickeln.

Risiko-Nutzen Abwägung findet nicht statt



Mit meiner Ausführung hier kritisiere ich ausdrücklich weder das Impfen an sich noch die verfügbaren Impfstoffe gegen COVID-19 – sondern den fehlenden Diskurs, die fehlende Risiko-Nutzen Abwägung in Anbetracht der neuen Erkenntnisse und der schlichtweg nicht vorhandenen Daten und Langzeitstudien. Und am Ende auch den Tunnelblick der Gesellschaft.


Vor allem im Hinblick auf anstehende Impfungen von gesunden Kindern und Jugendlichen sei nochmals ausdrücklich auf die Abwägung der Risiken in Verbindung mit dem Nutzen einer Impfung gegen SARS-CoV2 verwiesen. Corona existiert, Corona kann unter Umständen für gefährdete Personen auch tödlich enden – aber, sind wir ehrlich: Wann war das Leben jemals nicht tödlich?


Max H. ist 1989 geboren und lebt heute als Exil-Franke und ehemaliger Wahl- Österreicher in der Mitte des politischen Berlins. Er liebt es, mit Rhetorik in deutscher, englischer und spanischer Sprache zu spielen und befasst sich in seiner Freizeit unter anderem kritisch und hinterfragend mit aktueller Regierungspolitik in Deutschland und Österreich. In seinen Veröffentlichungen kritisiert er die zunehmende Spaltung der Gesellschaft und fordert die Rückkehr zum sachlichen Disku

Gegen die Maßnahmen hilft nur echte Empörung

Von Julian Marius Plutz.

„Ein Zyniker ist jemand, der von allem den Preis und von nichts den Wert kennt“. Dieses bekannte Zitat stammt von Oscar Wilde und hat mindestens einen wahren Kern. In einer spöttischen Art, die auf den einen oder anderen seelenlos wirken kann, werden Dinge verpönt, die der andere schätzt. Wie in diesem Beispiel: „Eine Diktatur ist eigentlich nicht das Schlimmste, wenn man sich anschaut, wer alles in einer Demokratie mitentscheiden kann.“ Eine klassische Art, den Wert, die Demokratie, nicht wahrzunehmen, ja, ihn gewissermaßen zu verpreisen. Dabei ist gar nicht entscheidend, wie die Haltung des Zynikers zum Wert selbst ist. Es genügt, dadurch die Meinung desjenigen zu karikieren, der diesen Wert vertritt. Das ist die eine Seite.

Eine andere Seite des Zynismus ist, dass er nicht immer, aber häufig schlichte Verzweiflung ausdrückt. Sie beschreibt eine gewisse Desillusionierung bezogen auf die Welt, oder auf wesentlich Teile davon. Und er kann in seiner Bitternis auch einfach nur lustig sein. Die Aktion #wirmachendicht, war in Teilen zynisch. Aber auch sarkastisch und in vielen Fällen verdammt komisch. Die Reaktion auf das Projekt machte mir zwei Dinge sehr deutlich: Erstens, Deutsche haben ein wahnsinniges Problem mit Sarkasmus und Zynismus. Sie verstehen diese Stilmittel schlicht nicht und er, der Deutsche, verurteilt vor allem Zynismus zutiefst. So verhöhnten die Künstler laut vielfacher Aussagen Mitarbeiter im Krankenhaus, obwohl nicht in einem einzigen Clip von Pflegern oder Ärzten die Rede war. Zynismus und Sarkasmus sind im Übrigen zwei verschiedene Dinge, die in praktischen Beispielen jedoch häufig verschwimmen.

Zynismus als Bewältigungsstrategie

Die zweite Sache verdeutlichte mir die Aktion: Ich bin in einigen Punkten zum Zyniker geworden. Ja. Gerade die Corona Maßnahmen haben in mir diese Haltung manifestiert. Zunächst war da die Wut ob der Corona Maßnahmen. Und als sie verlängert wurden und verlängert – „nur noch ein paar Wochen“ – und dann gar nicht mehr aufhörten, kam die Verzweiflung. Wohin mit meiner Kritik? Aufschreiben, na klar, aber auch die Worte „auf Papier“ lasen sich immer mehr zynisch. Die Übergriffigkeit vieler Maßnahmen seitens der Regenten evozierten in mir eine Machtlosigkeit, die ich vorher nicht kannte. Hatte ich noch vor Covid eine recht präzise Vorstellung, wie mein „perfekter Staat“ auszusehen hat, so ist die Antwort auf die Frage, welche Partei ich gedenke, zu wählen, auf ein Minimum geschrumpft: Ich wähle die Partei, die mich am ehesten in Ruhe lässt.

Mein Zynismus ist also eine Art Bewältigungsstrategie, der einen großen Nachteil in sich trägt. Aufgrund seines abwehrenden Charakters erzeugt er eine emotionale Antriebslosigkeit, die an manchen Stellen zu einer Gleichgültigkeit wird. In den letzten Wochen fiel mir das besonders dann auf, als ich leidenschaftlichen Beiträgen von meist jungen Menschen lauschte, die sich noch ehrlich und herrlich ansteckend empören konnten. Dazu muss ich etwas ausholen.

Nur durch Ungehorsam ensteht Veränderung

Twitter hat eine tolle Funktion geschaffen, die sich „Twitter Spaces“ nennt. Diese Spaces funktionieren im Prinzip wie die App Clubhouse. Man eröffnet einen solchen Raum und Menschen können diesem beitreten und lediglich mittels ihrer Stimme kommunizieren. Je mehr Menschen beitreten, desto lebhafter wird eine solche Diskussion. In diesen Gesprächen, der ich teilweise nächtelang beiwohnte, lernte ich nicht nur interessante Menschen kennen, deren Meinung ich politisch teilweise gar nicht teilte. So lauschte ich beispielsweise die flammendsten Redebeiträge gegen die antisemitischen Proteste auf deutschen Straßen, oder die man sich nur vorstellen kann! Echte Brandreden, wahre Empörung. Ich war Gasthörer von Reden, die sich gegen die Lockdown Politik richten, bei denen ich nur so staunen konnte. Twitter hat mit den Spaces etwas geschafft, was ich sozialen Medien nicht zugetraut hätte: Einen Raum für echte, kontroverse Diskussionen mit Respekt und Anstand und noch dazu auf einem meist anständigen Niveau. Meiner eigenen Gleichgültigkeit wurde der Spiegel vorgehalten.

Menschen im Alter von 16 oder 20 haben mir gezeigt, dass es auch anders geht. Zynismus ist ein Schutzmechanismus, aber er hilft auf Dauer und in der Breite nicht weiter. Es muss wieder Zeit sein für echte Empörung und wahre Leidenschaft. „Ein Zyniker ist jemand, der von allem den Preis und von nichts den Wert kennt“, ist also nur die halbe Wahrheit – aber auch nicht ganz falsch. Die innere Immigration in Form zynischer Worte kann persönlich hilfreich sein, ja. Aber um Dinge zu verändern bedarf es mehr. Die Corona-Maßnahmen, der Lockdown, vor allem die politisch angeordneten Kontaktverbote hatten eine eine Wirkung: Menschen, die sich vor dem März 2020 wie selbstverständlich über Fehler der Herrschenden ausgetauscht hatten, wurden ihrer Plattform beraubt. Der Stammtisch in der gewohnten Form wurde zerstört. Soziale Medien können das nur in Teilen subsituieren, aber immerhin versuchen sie es. „Es sind doch nur noch ein paar Monate“ wurde zum Mantra einer Schweigespirale. Alles, was die Regenten beschließen, sei abzunicken. Dieser auferlegte Devotismus ist mir zu wider und muss enden.

Von Oscar Wilde und aus „Der Sozialismus und die Seele des Menschen“ stammt auch dieses Zitat: „Ungehorsam ist für jeden Geschichtskundigen die eigentliche Tugend des Menschen. Durch Ungehorsam entstand der Fortschritt, durch Ungehorsam und Aufsässigkeit.“ Es ist Zeit, dass aus diesen Worten Haltung wird. Denn nur durch echte Empörung kann wahre Veränderung entstehen.

Es geht uns noch zu gut

Von Julian Marius Plutz.

„Den Leuten geht es noch zu gut.“ Hört man ja oft. Um eines vorweg zu nehmen: Dieser Satz stimmt.

Ich sag‘ Ihnen wie es ist: Ich bin stinksauer. Ja. Ich habe mich mal in einer Abwandlung eines Wortes von Habermas „emotional unmusikalisch“ bezeichnet. Ich bin zu wenig offen, mache fast alles mit mir alleine aus. Ich verdränge, ich überspiele und manchmal grinse ich sogar, wenn jemand mir eine schlimme Nachricht mitteilt. Kein Witz! Ich kann da nichts dafür, es kommt einfach aus mir heraus. „Mein Vater hat sich das Kreuz verhoben!“. Ein Lächeln überkommt mich und ja, ich weiß genau, wie daneben das ist und wie debil es wirkt. Emotional unmusikalisch eben. Mein Instrument ist meilenweit verstimmt, so dass man nur noch Katzenmusik hört.

Und so regt sich selten echte Wut oder wahre Liebe in mir. Es ist irgendetwas dazwischen und von allem ein wenig und von gar nichts ein bisschen. Doch heute ist das anders. Heute bin wütend. Und wie. Warum? Weil es den Leuten noch zu gut geht. Ja! Die leidig oft zitierte Komfortzone ist noch viel zu prominent und stark. Anscheinend lassen sich die Menschen alles gefallen. Während in Frankreich die Straßen aufgrund einer Erhöhung des Benzins um ein paar Cent voll sind von Protest, regt sich beim larmoyanten Deutschen nichts, wenn die Regierung 30% auf den Sprit aufschlägt. Was ist los mit Ihnen? Der Druck steigt, die Wut muss raus. Also gehe ich zum Ipad und tue das, was eine Kollegin mal als meine Inselbegabung bezeichnete: Ich schreibe.

Das große Schweigen droht zu brechen

Eine kleine Geschichte: Im Infektionsschutzgesetz steht geschrieben, dass bei eine Inzidenz von unter 100 auf drei darauffolgenden Tagen die Kitas wieder öffnen dürfen. Doch im Gesetz liest man eben auch, dass Landkreise diese Regelung verschärfen aber- oh Wunder – jedoch nicht lockern können. Genau diese Verschärfung veranlassen einige Landkreise bereits. Eine Kollegin hat ein vierjähriges Kind. Da die Kindertagesstätte geschlossen hat, ist sie seit Wochen, wie auch letztes Jahr, im Homeoffice. Nun lag die Inzidenz in diesen Landkreis die letzten drei Tage unter 100. Eigentlich würde sie am Montag wieder im Büro sein. Aber nichts da. Der Kreis entschied per Verordnung, dass die Inzidenz fünf Tage unter 100 liegen muss, damit die Kitas wieder Kinder betreuen dürfen. Und da die Faxgeräte in Gesundheitsämtern am Wochenende geschont werden, zählen Samstage und Sonntage nicht mit. Sie bleibt also zu Hause. Stay at home. Wow.

Ich kann mir kaum ausmalen, wie kompliziert die Betreuung eines Kleinkindes über Wochen aussehen muss, wenn man nebenbei arbeiten muss. Die Kollegin hält sich wirklich wacker. Und bevor jemand einwendet, man müsse ja zu Hause bleiben und von dort aus arbeiten, dem sei gesagt: Nein. Ganz davon abgesehen, dass sie vor Ort gebraucht wird und ganz davon abgesehen, dass es für ein Team ungesund ist, wenn es so aufgeteilt wird: Arbeit ist auch ein sozialer Faktor. Wir alle haben uns auf sie gefreut, sie hatte sich auf uns gefreut. Endlich mal wieder unter Leute kommen, das wollte sie. Eine erneuter Hausarrest war das, was sie bekam. Und wie das für ein vierjähriges Kind sein muss, auf Dauer von der gestressten Mutter im Home Office erzogen zu werden, kann man sich vorstellen. Über dieses Thema schrieb ich an anderer Stelle bereits hier.

Aber kaum jemand, außer wir direkt Betroffenen, regen sich auf. Es geht den Leuten noch zu gut. Vor einigen Wochen schrieb mir ein Leser, dass er sich frage, wo die Berufsverbände geblieben sind. Wo ist die IHK, bei der wir Mitglied sein müssen? Kaum ein Aufschrei, keine Lobby, nichts. Ich frag‘ mich immer, was von der ewig beschworene Wirtschaftslobby übrig geblieben ist. Gar nichts. In den Gremien sitzen Politiker, die nichts anderes tun, als den Regierungskurs mitzutragen. Anscheinend ist der Schmerz noch nicht groß genug. Offensichtlich ist das Schweigegeld, Kurzarbeit und Soforthilfen, als Mittel noch ausreichend, die Leute ruhig zu stellen. Doch bei jedem Medikament entwickelt man irgendwann eine Toleranz. Ich hoffe, dass die Menschen irgendwann eine Intoleranz gegenüber der Maßnahmen entwickeln. Ich sehe zwar Licht am Ende des Tunnels, aber noch geht es den Menschen zu gut. Oder zu wenigen geht es schlecht.

„Nicht mehr mein Land“

Lichtblicke gibt es. Ob es die Schauspieler waren, die mit „Wir machen alles dicht“ ein dickes Zeichen gesetzt haben, oder Bürger, die bei Ich mach da nicht mehr mit ihre Stimme erhoben. Oder die vielen Twitter Spaces, eine neue Funktion, in der man Räume schaffen kann, um sich in Live Gespräch auszutauschen. Es tut sich etwas, doch noch zu wenig. Der Druck ist bei vielen noch nicht hoch genug. Der Schmerz ist mit Mitteln betäubt, die uns bald schon auf die Füße fallen werden. Noch noch wirkt das Narkotikum.

Emotional unmusikalisch hin, oder her. Ich bin wütend. Doch ich glaube, es müssen noch viel mehr wütend werden. Der Druck, er steigt zwar, ja. Aber die Panik wird noch erfolgreich von geneigten Medien, wobei viele umdenken, geschürt. Gazetten sind seuchengeil. Jedoch verspüre ich, sogar in Mainstream-Medien ein Umdenken. Doch es sind noch viel zu wenig. Wie immer geht es nicht um links oder rechts, sondern um Freiheit oder Knechtschaft. Ich möchte gerne frei sein. Wenn das in diesem Deutschland zu viel verlangt ist, dann ist das, um Angela Merkel zu zitieren, tatsächlich „nicht mehr mein Land.“

Sie können uns nicht das Leben verbieten

Von Julian Marius Plutz.

Ich war nicht coronakonform. Dafür war ich gemeinschaftskonform, selbst- und fremdkonform. Ich möchte Ihnen diese Geschichte erzählen. Nicht, um zu zeigen, was für ich für ein toller Hecht ich bin. Eher mag ich Ihnen Mut machen, dass man die Dinge, die viele tun, sich nicht an alle irren Maßnahmen zu halten, auch kommunizieren darf und sollte. Ich werde mir damit nicht nur Freunde machen und ich weiß genau, wem dieser Text aufstoßen wird. Aber das Thema schreibt mich. Ich will es gar nicht anders. Ich sehe überhaupt nicht ein, mich in meinen Texten beschneiden zu lassen.

So war ich also ein Rebell. Gegen das System und gegen den Staat. Ich sagte mich los von der irren Coronaprohibition. Jawoll! Doch riss ich nicht etwa die Grundwerte des Staates nieder. Ich stürmte auch nicht den Reichstag und ich entführte keine Politiker. Nein, viel schlimmer! Ich ging Essen. How dare he?! Bei einem äthiopischen Freund und einer äthiopischen Bekannten, die Köchin ist. Gewissermaßen doppelt schwarzes Essen. Illegal und, naja, afrikanisch. Genuss ist illegal. Und Bekanntschaften pflegen auch. Leben wird bestraft. How yare you, Angela?

„Es geht darum“, so Dr. Wieler, aka der Mann, der niemals lacht (nicht Busta Keaton), „um Kontakte zu vermeiden“. Am besten das ganze restliche Leben. Wir sind die Rhesusaffen in Harry Harlows Experiment. Die „Handtuchmütter“, also das vorgebliche Substitut der echten Mamas heißen Netflix, Skype, Teams. Digitale Spieleabend und gemeinsames Essen vor der Webcam. Tot traurig und entseelt. Menschen werden entmenschlicht. Interaktion ist nicht erwünscht. Mensch sein ist toxisch. Im Visier ist nichts weiter als der Humanismus, der ohne eine freie Gesellschaft nicht sein kann. Sie finden, ich übertreibe? Hören Sie sich doch einmal um, wie manch Mütter und Väter über die Situation ihrer Kinder sprechen. Es sind Geschichten, die Herzen zerfetzen.

Die Musikerin und der Wikinger, der Iraki und die Polin

Und doch hatte ich eine lebhafte Diskussion, weshalb ich es wagte, die Gesellschaft so zu hintergehen. Und in der Tat sorge ich mit meiner lukullischen Verabredung, die ich fußläufig, man muss sich ja bereits für jede Straßenbahnfahrt rechtfertigen, erreichte, für wahre Todeswellen. Der Tot, er kommt beim Essen. Doch nicht so, wie man Fugu falsch zubereitet und daran schlussendlich verstirbt, sondern subtiler. Durch die Infektion. Durch das Virus, durch die Krankheit. Der Sensenmann kommt verkleidet an einem geselligen Abend bei Kitfo und Ayib Gomen. Wer das ernsthaft glaubt, der tut mir leid. Und das meine ich nicht ironisch.

Und als ich nach dem feudalen Mittagsmahl und einem frisch gerösteten und gekochten äthiopischen Kaffee (entsetzlich gut) zum Einkaufen in Markus Söders Stadtteil ging, traf ich Mahmud, den ich schon länger nicht mehr gesehen hatte. Eine Stunde stand ich bei einem André im Garten; ein schwer sympathischer Lübecker Wikinger, den ich den halben Abend irrtümlicherweise Thomas nannte. Ausgestattet mit Bier und Bratwurst unterhielten wir uns über Professor Stöcker und den bayrischen Ministerpräsidenten. Daneben stand Umut, ein junger und nicht minder sympathischer Kurde. Natürlich fragte er mich, das ist das Los meines Berufs, ob ich für jemanden einen Job hätte. Und so ging der Abend weiter. In der Wohnung saß die polnische Freundin des Wikingers, die mir beim Eintreten sofort Stuhl und Bier anbot.

Anschließend kam eine Anne vorbei, die der André sogleich mit Bier und Bratwurst in seinen Garten lockte. Anne ist 22 und aus dem Vorarlberg. Sie studiert Oboe und ist seit Oktober 2021 in Nürnberg. Jenseits der Hochschule kennt sie niemanden. Der Wikinger holte eine Ukulele und die Anne zupfte ein wenig darauf herum. Zum Ende saß ich bei Mahmut und wir aßen Pute. Überhaupt aß ich sehr viel.

Warum erzähle ich Ihnen das? Weil es das Leben ist. Man kann sich Leben nicht verbieten lassen. Ich kann es nicht und Sie können es nicht. Nach dem Lebensstil in der Nürnberger Südstadt, bis auf Maskenpflicht beim Einkaufen hält sich kaum wer an alle Maßnahmen, müsste man die Stadtteile dicht machen. Verseucht. Tote liegen auf den Straßen. Das Gegenteil ist der Fall. Hier spielt sich das Leben ab und das ist auch ganz hervorragend so. Und doch gibt es so viele, die sich kasteien lassen von der Angst. Ich fühle mit Ihnen, denn Ängste sind oft schreckliche Treiber, die zu irrationale Handlungen führen. Und viele sind von den promovierten Horrorclowns eingeschüchtert. Ich war es auch eine Zeit lang.

Stille Anarchie, die ansteckt

Wir erleben die Welt wie „Die Physiker“ beim Dürrenmatt: Im Irrenhaus. Apropos. Unlängst kam ich auf den Gedanken, wie denn die Situation in der Psychotherapie ist. Verhaltenstherapie mit Maske? „Schwer vorstellbar“, dachte ich naiv. „Die werden sich schon etwas überlegt haben“, dachte ich. Kurze Antwort und für Sie wahrscheinlich weniger überraschend: Nein. Die Therapiestunde, Prohibitionspsychologen ausgenommen, gibt es nur mit Maske. Ich fragte einen Freund, von dem ich wusste, dass er in einer entsprechenden Behandlung ist, wie sich das maskierte Therapieren auf ihn auswirkt. Die Antwort war ernüchternd. Er war genau aus diesem Grund seit November letzten Jahres nicht mehr bei seiner Psychologin. Der Zustand unserer Gesellschaft erscheint mir an dieser Stelle so vermaledeit, dass wir allen ernstes im Krieg gegen einen Virus alle Arten von gehobelten Späne akzeptieren. Covid, Covid über alles.

Nun bin ich, die Küche ausgenommen, kein Psychologe. Doch auch in meinem Beruf ist Maske tragen meist keine Option. In vielen Situationen erscheint der Mund-Nasenschutz undenkbar, in fast allen Belangen ist er weltfremd und fantasielos. Ich bin Personaler. Zur Zeit stellen wir pro Woche zehn Leute und mehr ein. Die Deutschkenntnisse sind meistens mangelhaft, manchmal ungenügend. Es ist völlig absurd zu glauben, ich könnte einen sprachlosen Ungarn oder Rumänen via Webcam einstellen. Die Leute, die das behaupten, haben keine Ahnung. Die Politik hat keinen Schimmer. Und doch sind es unsere Mitarbeiter, die sie finanzieren. Die nicht die große Ahnung haben von der großen Politik und ihnen diese auch herzlich egal ist, wenn sie in Ruhe gelassen werden. Es sind die, die in der Nürnberger Südstadt fremde Leute zum Grillen einladen, weil sie einfach liebe Nachbarn sind. Niemand von ihnen will etwas böses. Es ist ausgeschlossen, dass die Politik mit den Maßnahmen diese Leute brechen wird.

Im letzten Jahr sagte ich noch: „Wir können unmöglich 2021 so weitermachen“. Heute weiß ich: Viele Menschen machen längst ihr Ding. Es ist die stille Anarchie, die ansteckend ist. Nicht wie ein Virus, das alles ist, aber nicht das beschriebene Killervirus. Sondern ansteckend, wie ein Lachen ansteckt. Wie ein schlechter Witz zur rechten Zeit.

Ich war also nicht coronakonform. Ich traf Menschen. Ich ging Essen. Ich war beim Grillen. Ich lebte. Wenn Politik sein Volk für das Leben bestraft, ist die freie Gesellschaft dahin. Für die Durchsetzung aller Maßnahmen bräuchte man allein in der Nürnberger Südstadt allerdings einige Hundertschaften.